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Lübeck Achtsamkeitstraining am Lübecker Trave-Gymnasium
Lokales Lübeck Achtsamkeitstraining am Lübecker Trave-Gymnasium
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10:19 29.05.2019
Zimbeln für bessere Konzentration: Lehrerin Annette Gieß beginnt ihren Unterricht in der 8b ungewöhnlich Quelle: Friederike Grabitz
Kücknitz

„Ich komme in meine Mitte, spüre meine Füße auf dem Boden. Wenn die Gedanken kommen, nehme ich das wahr und gehe zurück zu meiner Atmung. Ich habe die Wahl.“ 18 Schüler der 8b des Kücknitzer Trave-Gymnasiums sitzen mit geschlossenen Augen im Klassenraum und konzentrieren sich auf den Klang der Zimbeln und auf ihren Atem.

Es ist kein Meditationskurs, sondern die erste Schulstunde: Englisch bei Annette Gieß. Seit Dezember beginnt die Lehrerin ihren Unterricht mit einer besonderen Viertelstunde, dem Achtsamkeitstraining. Vorher leitete die Pädagogin Kurse für Erwachsene. Dann fragte sie ihre Klasse, ob sie die Methoden gern ausprobieren würde. „Wir wollten sehen, ob ihnen das beim Lernen nützt.“

Was ist Achtsamkeitstraining?

Achtsamkeitsbasierte Stressreduktion (Mindfulness-Based Stress Reduction), kurz: MBSR ist ein Methoden-Programm, das mit Elementen aus dem Yoga, von Meditationstechniken, Körper- und Atemwahrnehmung die Aufmerksamkeit auf einen achtsamen Umgang mit sich selbst und anderen lenkt. Es wird unter anderem zur Minderung von Stress-Belastung eingesetzt.

2007 gründete eine Gruppe von Lehrern in Oakland/ USA die Organisation „Mindful Schools“ mit dem Ziel, die MBSR-Methoden weltweit in den Schulunterricht zu integrieren. Nach eigenen Angaben haben sie schon 50 000 Lehrer und Eltern dafür ausgebildet. An deutschen Schulen sind die Trainings jedoch noch fast unbekannt.

Konzentriert, wach und ruhig

Die Schüler machen gern mit. Deshalb ist daraus ein Pilotprojekt geworden. Der Englisch- und Französischunterricht beginnt für die 8b und die 9a mit dem Klang einer Zimbel oder, wie heute, mit bunten Gaze-Tüchern. Die Schüler drücken sie in der Hand zu einem Knäuel zusammen, als sie die Hände wieder öffnen, entfalten sie sich langsam wie Blüten. „Warum haben wir das gemacht?“, fragt die Englischlehrerin. „Das Tuch steht vielleicht für den Geist, der sich öffnet“, vermutet Dominik (14), und am Nebentisch meldet sich Katrin: „Ich habe meinen Fokus, der zuerst auf einem Punkt ist und dann weiter wird.“

„Fokus“ ist ein Wort, das nur wenige Jugendliche in ihrem Sprachgebrauch haben. Es ist ein Wort, mit dem sich auch die Stimmung in der 8b an diesem Morgen beschreiben lässt: konzentriert, wach, ruhig. Die Schüler freuen sich auf die Übungen. Und: „Es hilft“, sagt der 14-jährige Tim, „besonders vor Klassenarbeiten.“

Methode in Deutschland noch neu

Das Training nennt sich „MBSR“ und dauert normalerweise eine Stunde, zu lang, um es in den Schulalltag zu integrieren. Annette Gieß fand ein Format, das speziell für Schulen entwickelt wurde, und nutzt daraus kurze Einheiten für ihren Unterricht. Die Methode heißt „Mindful Schools“ und kommt aus den USA. Sie gehört zu den ersten Lehrern, die das Training nach Deutschland geholt haben.

Um die Schüler zu unterstützen, müsse Schule mehr leisten als die Vermittlung von Wissen. Das Alter der Adoleszenz sei für die Schüler besonders herausfordernd, sagt die Lehrerin. „Achtsamkeit hilft, die Aufmerksamkeit zu erhöhen, motivierter zu sein und seine Gefühle zu regulieren, außerdem bekommt man ein anderes Stresserleben. Die Schüler bauen Ressourcen auf und werden in Konflikten widerstandsfähig.“ Wie die 13-jährige Sophie, die es sich angewöhnt hat, sich bei Streits mit ihrer Schwester kurz auf ihren Atem zu konzentrieren. Es hilft ihr, den Konflikt friedlich zu lösen.

Der eigene Standpunkt ist da, wo die Balance stimmt

Einige Schüler kannten ähnliche Methoden schon aus dem Sport, zum Beispiel im Handballverein. Auch den Schulsport beginnen sie inzwischen mit einer Fokussierungsübung, die den Einzelnen hilft, ihre Stärken einzubringen, und das Zusammenspiel als Team erleichtert.

Die Übungen seien sehr einfach, sagt Annette Gieß, und funktionierten gut. „Ich habe das Gefühl, die Schüler sind präsenter und gehen bewusster mit Dingen um.“ Letzte Woche hat sie vor dem Englischunterricht ein Stehaufmännchen mitgebracht, eine Figur, die immer wieder in ihr Gleichgewicht zurück wippt, wenn man sie anstößt. „Mit Achtsamkeitstraining können wir ein bisschen werden wie sie“, sagt Gieß. „Wir finden heraus, wie wir zu den Dingen stehen, wo unser Standpunkt ist. Wir wippen immer wieder zurück in unsere Mitte.“

Friederike Grabitz

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