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Lübeck Airport-Krise: Bleiben jetzt die Urlauber weg?
Lokales Lübeck Airport-Krise: Bleiben jetzt die Urlauber weg?
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11:29 27.04.2014
Postkartenidylle Lübeck. Doch am Flughafen sieht es derzeit wenig romantisch aus. Quelle: Roeßler
Lübeck

Lübecks Flughafen ist seit Mittwoch insolvent. Not-Geschäftsführer Siegmar Weegen und Insolvenzverwalter Klaus Pannen suchen jetzt neue Investoren. Inzwischen befürchten Wirtschaft, Handel und Tourismus, dass ein Aus für den Airport den Standort Lübeck schwächen könnte. Sie hoffen auf eine Rettung und neue Verbindungen.

Kommentar zum Thema: Griff nach dem letzten Strohhalm

„Der Handel wünscht den Erhalt des Flughafens“, betont Hans Frick, Präsident des Einzelhandelsverbandes Nordost. Gerade die vergangenen Wochen hätten gezeigt, wie viele Touristen auch aus Italien und England in die Hansestadt kommen. „Hoteliers, Gastronomie und Einzelhändler können darauf nicht verzichten.“ Gleichzeitig sieht Frick die Probleme. „Jeder Kaufmann weiß: Ohne Geld geht es nicht.“

Im Urlaubsjahr 2013 stiegen die Übernachtungszahlen laut Lübeck und Travemünde Marketing (LTM) auf den Rekord von 1 449 414 Übernachtungen in der Hansestadt und in Travemünde. Dabei erhöhte sich die Zahl der ausländischen Übernachtungen im Stadtgebiet um 3,6 Prozent auf 258 651 und in Travemünde auf 2,8 Prozent auf 35 372 Übernachtungen.

Nach Angaben von Sprecherin Doris Schütz reisten sechs Prozent der Urlauber (Lübeck Stadtgebiet) mit dem Flugzeug an. Das ergab die aktuelle Gästebefragung des Instituts für Tourismus- und Bäderforschung Nordeuropa. Laut Schütz ist anzunehmen, dass ein möglicher Wegfall der Flugverbindungen (unter anderem Mailand, Pisa, Danzig, Edinburgh) Auswirkungen auf die Gästezahlen haben wird. „Und dabei ist der Auslandstourismus im Aufwind: Italien hatte 2013 ein Plus von 14,4 Prozent, Polen von 17,5 Prozent und Großbritannien von 5,3 Prozent.“

Auch Can Özren, Sprecher der Industrie- und Handelskammer zu Lübeck, befürchtet weniger Einnahmen im Handel und im Tourismus. Außerdem seien die „Low- Cost-Airlines“ auch für Geschäftsleute interessant, insbesondere die Verbindungen nach Norditalien und Osteuropa. Laut Özren wäre für die Wirtschaft weiterhin „eine direkte Anbindung Lübecks an ein internationales Luftverkehrskreuz von großem Vorteil“.

Für Ralph Augustin, Personalleiter Karstadt, bedeutet der Flughafen „eine Anbindung zur Welt“, die nicht aufgegeben werden sollte. Im Gegenteil. „Wenn der Airport wiederbelebt wird, würde die Innenstadt davon profitieren.“ Aus seiner Sicht sollten vor allem die skandinavischen Länder wieder in den Flugplan aufgenommen werden.

Tatsächlich liegt laut LTM Schweden im europäischen Auslandsranking mit 82 086 Übernachtungen auf Platz eins, gefolgt von Dänemark (56 095), den Niederlanden (21 931), Norwegen (17 506), Italien (12 238), Schweiz (12 181), Finnland (11 484), Großbritannien (9714) und Polen (7127).

Urlauber Christer Liljeblad (67) aus dem schwedischen Norrköping würde es begrüßen, wenn Stockholm-Skavsta erneut angeboten würde. Ryanair hat die zweitälteste Verbindung ab Lübeck Anfang des Jahres eingestellt. Für seinen Urlaub ist Liljeblad nun mit Fähre und Bus angereist. „Über zehn Stunden“, sagt der Urlauber in der City. Lucie Messerschmidt (21) hingegen hält aus Umweltschutzgründen nichts vom Fliegen. „Innerhalb Europas kann man sich prima mit der Bahn fortbewegen.“

Ein paar Meter weiter ist Serafino Viviani (54) auf dem Weg zu Niederegger. Der Italiener ist von Mailand nach Hamburg geflogen. Dass es in Lübeck auch einen Flughafen gibt, wusste er gar nicht.

Ebenso wie Margherita Accarisi (22). „Ach!?“, staunt die Italienerin. „Vielleicht würde ich öfter von Italien direkt nach Lübeck fliegen.“

Laut Insolvenzverwalter Pannen ist allerdings noch nicht klar, wie es ab Juli am Airport weitergeht. Bis Juni sind die Löhne und Gehälter der 100 Mitarbeiter aber gesichert.

Cosima Künzel