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Lübeck Akrobatik und Stunts bei den Meisterschaften der Cheerleader in Lübeck
Lokales Lübeck Akrobatik und Stunts bei den Meisterschaften der Cheerleader in Lübeck
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11:37 31.03.2019
Die „Shiny Cats“ beim Aufwärmen vor der Hansehalle. Quelle: John Garve/54°
Lübeck

Ihr Auftritt am Nachmittag wird nur ganze zwei Minuten und dreißig Sekunden dauern; ein Zeitfenster, in dem alles perfekt hinhauen muss. Schließlich wird dafür über ein halbes Jahr lang trainiert. „Klar bin ich deshalb nervös“, sagt Jasmin. Die 16-Jährige gehört zu den Shiny Cats, dem Juniors-Cheerleading-Team des American Sports Club Lübeck (ASC). Die 19 jungen Mädchen zwischen zwölf und 16 Jahren sind Titelverteidiger. Und sehr zuversichtlich, es auch dieses Mal wieder zu schaffen. Sie haben wieder Heimvorteil, da bereits zum zweiten Mal in Folge die norddeutsche Cheerleadingmeisterschaft der Cheerleader Vereinigung Deutschland in der Hansehalle ausgetragen wird.

In der Hansehalle wurde bei den Norddeutschen Meisterschaften hochklassiger Sport geboten. 800 Sportler nahmen teil. 1300 Zuschauer kamen.

„Wir haben schon eine gewisse Routine, da wir auch andere Wettbewerbe zum Laufen gebracht haben“, sagt Carsten Jakob, der zum vielzähligen Organisationsteam des ASC gehört. Allerdings seien bisher noch nie so viele Zuschauer zugegen gewesen. Zirka 1300 Interessierte verfolgen den Tag über die Präsentationen der über 800 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Die kommen aus einem Umkreis von Flensburg bis Greifswald und von Bremen bis Hildesheim. Mit seinen beiden Töchtern Celina und Jamie Lee ist Jakobs Familie auch sportlicherseits vertreten. „Wir sind komplett infiziert von diesem Sport, da meine Frau ebenfalls im ASC engagiert ist“, fügt er an.

Akrobatik, Turnen, Tanz und Sprechgesang

Was sich selbst dem neutralen Beobachter des Geschehens schnell erschließt: Cheerleading ist eine Mischung aus Akrobatik, Turnen, Tanz und Sprechgesang. Die einzigartige Mischung reißt mit und animiert zum Mitmachen. Viele Kostüme sind an Kreativität kaum zu überbieten, die Variationen im Tanzstil, die unterschiedlichen Hebefiguren und atemberaubende Turneinlagen sorgen für Spannung und eine elektrisierende Stimmung in der Hansehalle. „Der Sport ist in der Tat sehr vielfältig“, sagt Amber Heinemann, erste Vorsitzende in der Cheerleadervereinigung in Schleswig-Holstein.

Nachwuchsprobleme kennt man nicht

Sie selbst hat im Jahr 1995 in Trittau mit dem Cheerleading begonnen. „Ich habe vorher voltigiert und dann von einem Aufruf in der Zeitung gelesen, dass das American Football Team der Trittau Dukes Unterstützung benötigt“, erzählt sie, „und fortan bin ich hängen geblieben.“ Nachwuchsprobleme kenne man nicht, betont Heinemann. So sind in Schleswig-Holstein seit 2014 mit Rendsburg, Schwarzenbek, Scharbeutz, Mölln und Risum-Lindholm fünf neue Footballstandorte dazu gekommen. In diesen Orten und zusätzlich in Bad Bramstedt und Husum entstanden auch neue Cheerleaderteams.

„Cats let’s fight!“

Während in der Hansehalle der sogenannte Groupstunt als Eröffnungskategorie der Landesmeisterschaften auf dem Programm steht, wärmen sich unterdessen die Lokalmatadorinnen in der nahe gelegenen Struckbachhalle auf. Auch der Ablauf der Choreographie wird erneut durchgesprochen. Alles beginnt mit dem sogenannten Cheer, einer Art Schlachtruf. „We are red, we are white, cats let’s fight!“, skandieren die Mädchen. Dann folgen die ersten Akrobatik-Stunt-Sequenzen und die Sprünge, Jumps genannt, sowie das Tumbling, also Elemente des Bodenturnens. Eine Pyramide sowie Tanz dürfen auch nicht fehlen. „Unser Team hat viel Spirit, und wir haben uns gut weiter entwickelt“, zeigt sich die 17-jährige Melissa aus dem Coaching-Team sehr zuversichtlich.

Deutsche Meisterschaft in Koblenz

Vereinskollegin Manon Klein hat bereits im Alter von sechs Jahren angefangen, ist jetzt 23 Jahre alt und studiert inzwischen Produktdesign in Wismar. „Ich bin nach wie vor als Trainerin meinem Verein verbunden. Es ist einfach wie eine zweite Familie“, resümiert sie, „Turnen, Tanzen, Akrobatik, und man macht sich ein bisschen hübsch, zudem ist Football auch cool.“ Am Ende des Wettkampftages steht dann fest, dass sich „ihre“ Shiny cats“ erneut für die Deutschen Cheerleading Meisterschaften qualifiziert haben, die im Mai in Koblenz starten.

Alle Ergebnisse stehen im Internet auf der Seite des Cheerleading-Verbandes.

Gut zu wissen

Cheerleading und Cheerdance: Wie in vielen anderen Sportarten auch gibt es Unterschiede innerhalb des Sports. Zuerst wird zwischen dem klassischen Cheerleading und Cheerdance unterschieden. Cheerleading kennt man von den Schulen in den USA und besteht aus allen Komponenten des Cheerleading. Am auffälligsten hier Akrobatik und Turnen. Cheerdance entspricht dem, was man in der US-Profi-Footballiga NFL sieht. Cheerleader verzichten auf die Akrobatik und zeigen stattdessen anspruchsvolle Tänze. Oft auch mit einem thematischen Hintergrund.

Kategorien: Was wäre ein so anspruchsvoller und kreativer Sport wie Cheerleading ohne Kategorien? Die Kategorien unterscheiden darüber, was gemacht wird, und, auch wichtig, wie viele bei einem Programm antreten. Es gibt die großen Kategorien bei denen auch gern 15 bis 20 Aktive antreten. So zum Beispiel im All Girl (nur weibliche Cheerleader) oder CoEd Cheer (gemischtgeschlechtlich). Die mittleren Kategorien sind die sogenannten Stunt Groups. Es treten fünf Aktive an. Darunter gibt es dann insbesondere im Cheerdance die Double-Kategorien, in denen zwei Aktive gemeinsam antreten.

Michael Hollinde