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Lübeck Aktionstag für eine weltoffene Stadt
Lokales Lübeck Aktionstag für eine weltoffene Stadt
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21:10 21.03.2017
Lübeck

Gleich zehn Stadtspaziergänge gibt es am 25. März, wenn der jährliche Aktionstag der Initiative „Klopf Klopf – Lübeck ist weltoffen“ stattfindet. Über den Tag verteilt gibt es Radtouren, Führungen, Andachten, Gespräche und eben auch die beliebten Stadtspaziergänge durch die Hansestadt.

 

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„In diesem Jahr beschäftigt uns neben der aktuellen Lage der Vertriebenen und Flüchtlinge das Jubiläum ,75 Jahre Palmarum 1942‘“, erklärt Antje Peters-Hirt, Programmplanerin des Aktionstages. Vor 75 Jahren hatten britische Bomber am Palmsonntag die Lübecker Altstadt angegriffen. Zuvor hatte die deutsche Luftwaffe das britische Coventry bombardiert.

Um 10 Uhr beginnt der diesjährige Aktionstag mit drei Führungen und einer Radtour. Die Fahrradtour führt vom Denkmal Arnimsruh in der Wesloer Landstraße zum Gelände der Deutschen Waffen- und Munitionsfabriken (DWM) in Schlutup unter dem Motto „Frieden schaffen ohne Waffen“.

Gleichzeitig gibt es eine Führung durch das ehemalige Lager Pöppendorf, einen Spaziergang auf dem Vorwerker Friedhof und einen Stadtteilspaziergang rund um den Bahnhof. Die offizielle Eröffnung des Aktionstages beginnt um 13.30 Uhr auf dem Schrangen, eine Stunde vorher findet eine ökumenische Andacht mit Pröpstin Petra Kallies in St. Marien statt. Nach dem Bombenangriff 1942 drohte St. Marien fünf Jahre später einzustürzen. Die Lübecker schafften es aber, ihre Kirche zu retten. „Ab 14.15 Uhr erfolgt die Einteilung auf die Spaziergänge“, sagt Peters-Hirt. „Helfer stehen dafür mit Hinweisschildern bereit. „Um 14.30 Uhr geht es dann los“, sagt Peters- Hirt. Die Spaziergänge dauern dabei maximal zwei Stunden. Nach jedem Spaziergang können die Gruppen noch in reservierten Cafés einkehren und über das Erlebte diskutieren.

Die Mischungen aus Stadtführung und Spaziergang ist das unangefochtene Highlight der Aktionstage und der Veranstaltungen der Initiative. An die 60 einzelne Stationen gibt es. Geleitet werden sie von einer bunten Mischung aus Lübecker Künstlern, Architekten, Politikern oder Historikern.

„In diesem Jahr ist besonders der Spaziergang VII interessant“, verrät Peters-Hirt. Dabei berichtet der ehemalige Senator Volker Kaske über den ebenfalls ehemaligen Senator Adolf Ehrtmann. Dann wird im Figurentheater erklärt, wie der Nationalsozialismus das Puppenspiel für sich missbrauchte. Und schließlich wird in St. Petri Bernd Leinert, Leiter der Bauhütte, berichten, was 1942 und vor allem der Luftangriff britischer Bomber auf Lübeck bedeutet haben.

Bereits heute findet der letzte Vorbereitungsabend für den Aktionstag statt. In der Volkshochschule am Falkenplatz gibt es ein Gedenkkonzert. „Im Zentrum steht Alma Rosé, die den Schrecken des Konzentrationslagers Auschwitz die Bewältigung durch Musik entgegenstreckte“, erklärt Peters-Hirt. Dazu zeigt Künstlerin Michaela Berning-Tournier Tuschezeichnungen, die das Schicksal Rosés illustrieren. Das Gedenkkonzert beginnt um 19.30 Uhr in der Aula der Volkshochschule, der Eintritt kostet sechs Euro.

Die Idee

Am Palmsonntag 1942 legten britische Bomber Lübecks Altstadt in Schutt und Asche. In Lübeck demonstrierten Neonazis regelmäßig zum Jahrestag. Die Initiative „Klopf Klopf – Lübeck ist weltoffen“

organisierte die Spaziergänge, um mit ihnen Lübecks Straßen zu blockieren und ein Zeichen gegen die Neonazis zu setzen. Seit 2013 gibt es diese Demos nicht mehr. Der Aktionstag ist geblieben.

 Tomma Petersen