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Lübeck Alles tipptopp auf der „Fehmarnbelt“
Lokales Lübeck Alles tipptopp auf der „Fehmarnbelt“
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22:01 25.01.2018
Das Schiff ist wieder schick und erstrahlt leuchtend rot. Vereinsvorsitzender Christoph Rüdiger zeigt ein Stück alte Relingstütze, das vom Rost stark angegriffen ist. Die Stützen wurden, ebenso wie zwei Schotten, nach altem Vorbild komplett neu gefertigt. Quelle: Fotos: Lutz Roessler
Innenstadt

In frischem Rot leuchtet der Rumpf, der weiße Schriftzug mit dem Schiffsnamen ist nicht zu übersehen. Und auch der Leuchtturm erstrahlt in neuem Gelb. Für Christoph Rüdiger (50), seit zehn Jahren Vorsitzender des Vereins „Feuerschiff für Lübeck“, zählen aber auch noch andere Sachen, auf die Laien vielleicht keinen Blick verschwenden würden. Stolz zeigt er die beiden neuen Schotten (also Ein- und Ausgänge). „Sie sind nach Denkmalschutz-Auflagen komplett erneuert worden.“ Was gar nicht so einfach gewesen sei, „denn heute nietet kein Mensch mehr Stahl“. Zur Einhaltung der Auflagen, schließlich ist die „Fehmarnbelt“ ein schwimmendes Denkmal, wurden in Kiel bei der Gebrüder Friedrichs Schiffswerft neue Türen angefertigt, die genau aussehen wie die alten, im Laufe der Jahre vom Rost zerfressenen.

Es ist eine 110 Jahre alte Lady, der man ihr Alter wahrlich nicht ansieht: Das Feuerschiff „Fehmarnbelt“ ist nach neunwöchigem Werftaufenthalt topfit für die neue Saison und die demnächst anstehende Sicherheitsüberprüfung. Möglich gemacht haben das unter anderem zwei Stiftungen.

Schiff mit vielen Namen

1908 wird das Feuerschiff mit dem Namen „Außeneider“ in Dienst gestellt. Bis 1945 entspricht das auch der Position.

1956-65 ist es als Reserveschiff Flensburg“, „Kiel“ und „Fehmarnbelt“ unterwegs. Position bis zur Außerdienststellung 1984 ist ab 1965 der Fehmarnbelt 540 36’N, 110 09’E.

Apropos Rost: Der tut sich an einem Stahlschiff ständig gütlich. „Man muss ja auch bedenken, dass das Schiff 76 Jahre auf Nord- und Ostsee unterwegs war“, sagt Rüdiger. Auch der Leuchtturm musste entrostet und neu gestrichen werden, an Deck wurden Poller überprüft und Durchrostungen am Schanzkleid, also an der Bordwand, ausgebessert. Ebenso wie die Stagen, die Drahtseilverspannungen, die die Masten in ihrer Lage halten.

Neun Wochen verbrachte die „Fehmarnbelt“ auf der Werft, denn neben den Schönheitsarbeiten standen auch Überprüfungen und Arbeiten zum Erhalt der Seetauglichkeit an: Antriebswelle, Ruderanlage und Außenbordverschlüsse, Anlassluftflaschen, Seeventile und Kette samt Anker wurden gründlich unter die Lupe genommen. Insgesamt 230000 Euro waren am Ende zu zahlen, 60000 Euro gab die Possehl-Stiftung, 25000 Euro die Gemeinnützige Sparkassenstiftung, den Löwenanteil brachte der Verein mit seinen rund 290 Mitgliedern auf. Den Stiftungen sei man, so Rüdiger, „sehr dankbar“. Jetzt sehe man der Schiffssicherheitsüberprüfung mit entsprechendem Zeugnis für die nächsten fünf Jahre „gelassen entgegen“.

Seit knapp einem Jahr liegt die „Fehmarnbelt“ nicht mehr an den Media Docks, sondern an der Untertrave zwischen Schuppen 6 und Schuppen 9. Der neue Liegeplatz habe sich sehr bewährt, sagt Rüdiger, „denn viele Passanten bleiben einfach stehen und besichtigen spontan das Schiff“.

Jeden Mittwoch ab 17 Uhr ist jemand an Bord, in den Wintermonaten gibt es jeden zweiten Sonntag im Monat das sogenannte Backen und Banken – Open Ship von 11 bis 14 Uhr mit kleinen Snacks und Getränken. Nächster Termin ist der 11. Februar. Gruppen, die das Schiff besichtigen möchten, melden sich bitte unter der Telefonnummer 0151/56076068 an. Erwachsene zahlen 2,50 Euro für eine Besichtigung, Kinder bis zu zwölf Jahren zahlen zwei Euro.

Wer einmal miterleben möchte, wie es sich mit einem einstigen schwimmenden Leuchtturm fährt, kann ab Saisonbeginn an einer der vielen Fahrten teilnehmen. Näheres hierzu unter www.fsfehmarnbelt.de.

Kleiner Ausblick: Am Montag, 30. April, wird der Lübecker Motorboot-Club einen Gottesdienst auf dem Feuerschiff feiern und viele Motorboot-Fahrer auf die Trave locken.

 Sabine Risch