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Lübeck Lübecks Altenheime: Defizit in 2019 beträgt über 2,6 Millionen Euro
Lokales Lübeck Lübecks Altenheime: Defizit in 2019 beträgt über 2,6 Millionen Euro
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18:01 14.06.2019
Die Stadt will das städtische Altenheim Behnckenhof in Vorwerk aufgeben. Der Mietvertrag für das Gebäude läuft Ende Dezember 2027 aus. Quelle: Lutz Roeßler
Lübeck

Teure Altenheime: Die Stadt kriegt die Finanzen ihrer sieben Häuser nicht in den Griff. Die Kosten explodieren. 2018 haben die städtischen Senioren-Einrichtungen drei Millionen Euro Minus eingefahren. So viel wie noch nie. In 2019 wird das Defizit 2,6 Millionen Euro betragen. Das geht aus einem nicht-öffentlichen Bericht der Stadt hervor. Das ist zwar weniger als 2018, aber es ist eine halbe Millionen Euro mehr, als ursprünglich geplant. Das Defizit sollte in diesem Jahr eigentlich 2,1 Millionen Euro betragen.

Seit 2005 sind die städtischen Altenheime im Minus

Rote Zahlen zieren schon länger die Berichte der Stadt über die städtischen Altenheime. Seit 2005 verbuchen die Häuser Defizite. 2010 sind die Kosten auf zwei Millionen Euro hochgeschnellt. Seither zahlt die Stadt den städtischen Altenheimen Zuschüsse, um das Defizit auszugleichen – jedes Jahr. Einen Weg aus dem Millionen-Defizit gibt es bisher nicht. Ende Mai hat auch noch Thomas Müller, der neue Leiter der städtischen Altenheime, das Handtuch geworfen.

Politiker sauer, weil es keinen Plan gibt

Die Politiker sind verärgert. „Wir stehen da und gucken uns das Elend an“, beschreibt CDU-Fraktionschef Oliver Prieur die Situation. Bisher habe er zwar von Ideen und Visionen gehört, aber: „Ich weiß von keiner einzigen Zahl.“ Die Stadt will die alten Gebäude durch Neubauten ersetzen. Völlig unklar ist, wie teuer das wird – und wer es bezahlt. Prieur: „Wir sehen es nicht als allererste Aufgabe einer Stadt an, dass sie Altenheime betreibt.“ Aber wenn, dann sollte das Ganze einigermaßen wirtschaftlich sein.

Kritik an Bürgermeister und Senator

Verantwortlich für das stetig steigende Defizit sei Bürgermeister Jan Lindenau (SPD), so die Grünen. „Das Defizit läuft aus dem Ruder“, sagt Fraktionschefin Michelle Akyurt. „Schöne Worte reichen da nicht aus.“ Lindenau müsse jetzt auch ein Konzept liefern, wie die Altenheime profitabler werden. Schon vor zwei Jahren hätten die Politiker ein Konzept gefordert. Die Unabhängigen indes kreiden den fehlenden Plan Sozialsenator Sven Schindler (SPD) an. Die Altenheime fallen in sein Ressort. Stolzenberg: „Schindler hat kein Interesse daran, etwas radikal zu verändern bei den Altenheimen.“ Denn: „Das ist mit der SPD schwer zu machen.“

Ideen, aber keine Zahlen

Das Problem: Die Gebäude sind veraltet und marode. Schindlers Idee: Er will drei neue Altenheime bauen. Nummer eins: Die beiden Häuser in der Prassekstraße und im Dreifelderweg werden aufgegeben – sie haben jeweils 70 Plätze. Auf den Grundstücken können Wohnungen errichtet werden. Als Ersatz entsteht ein Neubau auf einem anderen Grundstück in St. Gertrud. Das Haus hat dann 140 Plätze. Nummer zwei: Das Altenheim in der Elswigstraße mit 70 Plätzen soll geschlossen werden. Dafür soll auf dem Grundstück ein Neubau mit 120 Plätzen errichtet werden. Nummer drei: In Moisling soll ein zusätzliches Altenheim gebaut werden. Dass der Behnckenhof geschlossen wird, ist bereits beschlossen. Der Mietvertrag läuft Ende Dezember 2027 aus.

Senator Sven Schindler: „Schwarze Null ist schwierig.“

Doch selbst wenn die Neubauten kommen, ist ungewiss, ob dadurch der Betrieb der Altenheime in die schwarzen Zahlen kommt. „Es wird schwierig, eine schwarze Null zu erreichen“, gibt Schindler zu. Seine Forderung: „Die Politiker müssen entscheiden, ob sie Geld für die Altenheime ausgeben wollen oder nicht.“

„Eine schwarze Null wird schwierig“, gibt Sozialsenator Sven Schindler (SPD) zu. Quelle: Lutz Roeßler

Eine Konzept-Skizze im September

Jetzt sollen die Zahlen Mitte September vorliegen. „Eine Konzept-Skizze“, nennt es Schindler. „Es ist eine komplexes Thema.“ Denn: Vier Altenheime sind in Häusern, die der Stiftung Vereinigte Testamente gehören. Das betrifft Elswigstraße, Dornbreite, Prassekstraße und im Dreifelderweg.

Altenheime sollen höhere Mieten zahlen

Die Stiftung wird von der Stadt verwaltet und ist finanziell am Ende, weil sie kein Vermögen hat. Sie bekommt für vier Altenheime eine Miete von 1,8 Millionen Euro. Das Geld deckt nur Ausgaben, nicht aber Investitionen in die Häuser. Doch so ist es in den Verträgen festgeschrieben worden. Die laufen aber Anfang 2020 aus. Jetzt soll es neue Mietverträge geben. Die Altenheime sollen mehr Geld zahlen.

Trave“ soll neue Altenheime bauen

Die Neubauten soll die städtische Grundstücksgesellschaft „Trave“ errichten. So will es Schindler. Ein Altenheime hat die „Trave“ bereits gebaut. Allerdings war das vor 45 Jahren in der Solmitzstraße in Kücknitz. „Trave“-Chef Matthias Rasch kann sich grundsätzlich vorstellen, die Neubauten zu errichten. Aber: Die Grundstücksgesellschaft werde ein bis zwei zusätzliche Mitarbeiter dafür brauchen. Und: Die „Trave“ braucht Geld. Das könne sie sich problemlos bei den Banken besorgen, so Rasch. Aber: „Das geht dann zu Lasten der Eigenkapitalquote.“

Josephine von Zastrow

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