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Lübeck Am Kieler Bahnhof ging nichts mehr
Lokales Lübeck Am Kieler Bahnhof ging nichts mehr
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20:37 11.01.2013
Wegen eines Computerfehlers konnten heute stundenlang keine Züge den Kieler Hauptbahnhof anfahren oder verlassen. Quelle: dpa
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Kiel

Ein Computerfehler hat die schleswig- holsteinische Landeshauptstadt Kiel am Freitag für fast fünf Stunden vom Bahnverkehr abgekoppelt. Seit etwa 13.00 Uhr konnten keine Züge den Kieler Hauptbahnhof anfahren oder ihn verlassen, berichtete Bahnsprecher Egbert Meyer-Lovis. „Es gab einen Totalabsturz des Rechners im Stellwerk.“ Deshalb konnten die Weichen nicht gestellt werden. Tausende Reisende waren betroffen.

Die Züge aus Hamburg stoppten in Bordesholm, die aus Flensburg in Kiel-Suchsdorf, die aus Richtung Husum in Rendsburg und jene aus Lübeck in Raisdorf. 14 Züge je Stunde waren insgesamt betroffen. Zwischen diesen Haltepunkten und dem Kieler Hauptbahnhof wurden Busse eingesetzt. Ab etwa 16.15 Uhr konnten die Regionalexpresszüge nach Hamburg wieder den Kieler Hauptbahnhof bedienen, gab die Bahn an. Um 17.45 Uhr konnte komplett Entwarnung gegeben werden. „Es funktioniert wieder. Alle Züge fahren wieder“, teilte eine Bahnsprecherin mit.

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Betroffene Reisende nahmen die Ausfälle mit Humor, andere zeigten sich verärgert. Klaus Lebert, der nach Preetz wollte, wartete auf dem verschneiten Vorplatz des Bahnhofs mit einem Pulk weiterer Gestrandeter auf den Schienenersatzverkehr-Bus. „Ich komme aus Süddeutschland, hier im Norden scheint bei der ersten Schneeflocke Ausnahmezustand zu herrschen, aber wenigstens mit Glühwein hätte man uns versorgen können.“ In orangen Westen mit der Aufschrift „Bahnhofsmanagement“ versuchten Bahnmitarbeiter die fast immer gleiche Frage zu den Bussen zu beantworten: „Wo fährt der hin?“

Im Bahnhof flimmerte über die blauen Anzeigen-Monitore der Laufbandtext „Stellwerkstörung Kiel! Es kommt zu Zugverspätungen und Zugausfällen“. Im Schnellschritt vorbeieilend, rief eine Dame „Hier geht nichts mehr“, ehe sie mit ihrer Begleiterin dann doch einen Taxischein nach Suchsdorf erhielt, um von dort mit dem Zug nach Flensburg zurückzufahren. Schon auf der Hinreise am Morgen war in Suchsdorf Endstation. „Da mussten wir noch mit den öffentlichen Verkehrsmitteln weiter, da war noch nichts organisiert.“

Zermürbt und erschöpft zeigen sich Mitarbeiter bei der Information der Bahn. „Seit 10.00 Uhr morgens geht das schon, die Kommunikation ist einfach schlecht“, sagt ein Beschäftigter, der seit 6.00 Uhr arbeitet - und nach Dienstschluss weitermacht. „Wir sind einfach zu wenig Leute“, ergänzt eine Kollegin. Unmut gab es bei der Bahn auch über manche Reisende: „Die wissen nur den Ort, wo sie hinwollen, sind aber ansonsten völlig orientierungs- und hilflos.“

LN