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Lübeck Angler fischen Müll vom Strand
Lokales Lübeck Angler fischen Müll vom Strand
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16:12 05.03.2019
Christopher Heiland aus Lübeck sammelt beim Angeln Plastikmüll – und will andere zum Mitmachen animieren. Quelle: Sven Hornung (HFR) Kieler Nachrichten
Lübeck

Wenn Christopher Heiland am Strand steht und sieht, wie sich die Angelschnur über das Wasser streckt, denkt er an nichts anderes mehr. Dann verfällt er ganz dem Fischen. Der Fang einer großen Meerforelle ist dem 52-Jährigen aber lange nicht mehr so wichtig wie noch vor ein paar Jahren. „Für mich ist das Fliegenfischen mein persönlicher Ruhepol. Die Ästhetik des Werfens und die Präsentation meiner selbstgebundenen Fliege lassen meine Gedanken wegfliegen“, sagt Heiland. „Das gelingt mir aber noch besser, wenn die Natur sauber ist.“ Vor vier Jahren hat der gebürtige Grömitzer sein Hobby zum Beruf gemacht. Er gab seinen Vollzeitjob in einem Architekturbüro auf und betreibt heute ein Fliegenfischer-Geschäft in Lübeck.

Projekt soll nach Deutschland kommen

Als nächstes Projekt möchte er die Idee des Dänen Nikolaj Korsholm auch in Deutschland vorantreiben. Korsholm sammelt nach dem Angeln zusammen mit seinen Freunden Plastikmüll am Strand und verbreitete die Aktion unter dem Hashtag „plastic in the basket“ in den sozialen Netzwerken. Mit „basket“ ist der Schnurkorb eines Fliegenfischers gemeint. Er sorgt dafür, dass sich die Fliegenschnur nicht so leicht verheddert und sauber aus dem Korb schießen kann. „Wir haben uns darauf verständigt, die Initiative länderübergreifend bekannt zu machen“, erzählt Heiland.

Bislang wurden kleinere Spenden gesammelt, um kratz- und wasserfeste Aufkleber für den Schnurkorb zu erstellen, die bereits in Fliegenfischer-Fachgeschäften an der Kasse ausliegen. Informationen und Aktionen werden über eine Facebook-Gruppe verbreitet. Heiland möchte „plastic in the basket“ jetzt kommerzieller aufziehen. Größere Unternehmen aus der Angelbranche hätten ihn bereits angesprochen, wollen die Initiative finanziell unterstützen.

Idee: Sammelbeutel in Tourismusbüros verteilen

Deshalb sei es an der Zeit, einen Verein zu gründen, eine Homepage zu erstellen und die Arbeit auf mehrere Schultern zu verteilen. Heiland liegt vor allem eines am Herzen: alle Angler mit ins Boot holen, auch die zahlreichen Spinnfischer und Brandungsangler an der Küste. Sie benötigen zum Angeln keinen Schnurkorb, deshalb heißt Teil zwei der Initiative: „plastic in the bag“.

Etwa 70 000 Angler

Ein zentrales Register für die Anzahl der aktiven Angler in Schleswig-Holstein existiert nicht. Anhand der entrichteten Fischereiabgabe (10 Euro pro Jahr) schätzt das Umweltministerium die Zahl der Fischereischeininhaber aber auf etwa 70 000. Und es werden immer mehr: 2008 legten rund 4800 Angler die Fischereischeinprüfung ab, in den Folgejahren wuchs die Zahl stetig. 2016 (7700) registrierte das Ministerium eine neue Bestmarke, 2017 waren es 7300. Zudem werden pro Jahr etwa 6000 sogenannte Urlauberscheine beantragt.

Wenn Sie die Initiative „plastic in the basket/bag“ unterstützen möchten oder Fragen haben, melden Sie sich bei Christopher Heiland per E-Mail unter info@der-heilaender.de

Dafür will Heiland zunächst 1000 Netzbeutel produzieren lassen, die an der Wathose befestigt werden können. Die Beutel sollen zunächst an die Angelgeschäfte in Lübeck, Kiel und Flensburg verteilt werden. Später sollen auch Spaziergänger und Urlauber zum Mitmachen animiert werden. Vorstellbar ist, die „Schietbüdel“ auch an Campingplätzen oder Tourismusbüros zu verteilen. „Die Aktion wird angenommen, da bin ich mir sicher“, sagt er, „Umweltthemen treffen den Zahn der Zeit.“

70 Müllteile auf 100 Metern Küstenlinie

Das Umweltbundesamt registrierte im Jahr 2017 durchschnittlich 70 Müllteile auf 100 Metern Küstenlinie für die deutschen Ostseestrände. 70 Prozent der Funde am Strand sind aus Plastik. Christopher Heiland macht vor allem eines Hoffnung: Es gibt tatsächlich Länder, wo Menschen bereits ein anderes Bewusstsein für Natur und Umwelt entwickelt haben. Heilands Eltern lebten lange Zeit in Schweden an der Mörrum, dort verbrachte er einen Teil seiner Kindheit. „Ob Spaziergänger, Angler oder junge Leute, die am Fluss gefeiert haben: Sie alle haben ihren Dreck am Ende des Tages eingesammelt.

Das ist in Deutschland leider oft anders“, sagt der passionierte Fliegenfischer. Er möchte an sauberen Stränden laufen und keine eingewickelten Seevögel sehen, die an Schnüren hängen, die Angler liegengelassen haben. „Kritiker werden sagen: Das, was ihr macht, ist ein Tropfen auf den heißen Stein“, sagt Heiland, „doch wir sind ja schon glücklich, wenn wir bei einigen Menschen die Sinne schärfen.“ Auch in Dänemark funktioniere die Strandsäuberung schon deutlich besser. Warum, fragt sich Heiland, also nicht bei uns?

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