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Lübeck Mit Farbe und Steinen: Angriff auf Lübecker Burschenschaftler
Lokales Lübeck Mit Farbe und Steinen: Angriff auf Lübecker Burschenschaftler
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07:03 17.01.2020
Die Steine haben sie noch nicht entsorgt: Burschenschaftler Fridtjof Seufert ist sauer, weil das Korporationshaus von Unbekannten mit Steinen beworfen und Farbe beschmiert wurde. Quelle: Hannes Lintschnig
Lübeck

Die pinke Farbe an der Eingangstür ist mittlerweile getrocknet. Die Löcher in den Fensterscheiben sind notdürftig mit Folie abgeklebt. „Es zieht hier“, sagt Dominik Klose von der Burschenschaft Berolina, der an einem langen Holztisch vor riesengroßen Flaggen, ausgestopften Füchsen und allerlei Burschenschafts-Devotionalien im Gemeinschaftsraum sitzt. „Hoffentlich können die Fenster bald ausgewechselt werden.“

Unbekannte greifen Burschenschaftler in Lübeck an

Der Grund für die Kälte: In der Nacht zu Dienstag wurde das Korporationshaus der Burschenschaften Berolina-Mittweida, Obotritia, Cimbria und der Freien Landsmannschaft Holsatia von Unbekannten angegriffen. Einige Fenster wurden durch Steine zerstört, die Tür und der Eingangsbereich wurden mit pinker Farbe beschmiert – der Schaden liegt bei etwa 3000 Euro.

„Ich bin nur froh, dass die Täter nur in den Aufenthaltsraum Steine geworfen haben“, sagt Andreas Müller, Geschäftsführer des Korporationshauses und selbst Berolina-Burschenschaftler. „Nicht auszudenken, was alles hätte passieren können, wenn sie die Steine in die Schlafräume geschmissen hätten.“

Mitten in der Nacht flogen Steine durch die Fenster: Die Bewohner des Korporationshauses in Lübeck sind mit einem Schrecken davongekommen. Sie vermuten, dass Linksextreme den Angriff verübt haben.

Burschenschaftler: „Es waren Linksextreme!“

Wer hinter dem Angriff steckt, ist für die Burschenschaftler klar: „Es waren Linksextreme! Das sieht man ja auch an der Farbe“, sagt Fridtjof Seufert, der bis vor drei Monaten noch in dem Haus gewohnt hat und in der Nacht des Anschlags sofort zu seinen Berolina-Kameraden geeilt ist. „Das letzte Mal wurde vor sechs Jahren unsere Eingangstür beschmiert – auch mit pinker Farbe.“

Das Linksextreme den Anschlag verübt haben, schließt auch die Polizei nicht aus. „Die Ermittlungen wurden vom Staatsschutzkommissariat aufgenommen, das für politisch motivierte Straftaten zuständig ist“, sagt Polizeisprecher Stefan Muhtz. „Es gibt aber bisher noch keine Hinweise, dass die Tat von Links- oder Rechtsextremen verübt wurde.“

Deswegen sucht die Polizei Zeugen, die in besagter Nacht etwas gesehen haben. Sachdienliche Hinweise nimmt die Polizei unter 0451 / 1310 entgegen.

Nur vier Burschenschaftler im Korporationshaus

Patrizia Söhl wohnt in einem Zimmer direkt über dem Aufenthaltsraum und ist von dem lauten Knall der zersprungenen Scheiben aufgewacht. „Ich bin sofort zum Fenster gelaufen, aber ich habe keinen mehr gesehen“, sagt die 33-Jährige. Söhl wohnt seit ein paar Monaten in dem Korporationshaus in der Kronsforder Allee. Selbst ist sie nicht in einer Verbindung – Frauen dürfen nicht beitreten.

Insgesamt wohnen 28 Studierende in dem Korporationshaus, das es seit 25 Jahren in Lübeck gibt. Aktiv in Burschenschaften sind nur vier der Bewohner. Die anderen Zimmer werden für etwa 250 Euro im Monat an Studierende vermietet. Die Burschenschaften in Lübeck haben schon seit Jahren Probleme, neue Mitglieder zu finden.

„Wir sind nicht rechtsradikal!“

Probleme mit Linksextremen haben die Burschenschaftler im Alltag nicht. „Wir tragen unsere Verbindungskennzeichen auch nicht öffentlich in der Stadt oder in der Uni“, sagt Dominik Klose, der Anwärter bei der Burschenschaft ist, ein sogenannter „Fuchs“, der ein Jahr lang schaut, ob sein Charakter zur Verbindung und die Verbindung zu seinem Charakter passt.

Klose kann nicht verstehen, warum Linke etwas gegen die Berolina haben sollten. „Wir sind nicht rechtsradikal und keine schlagende Verbindung. Die Täter hätten auch einfach klingeln können und wir hätten diskutiert – bei ein paar Bieren im Keller.“

Fenster werden wohl erst später ausgewechselt

Eine Versicherung gegen Vandalismus haben die Burschenschaftler nicht abgeschlossen, den Schaden müssen sie wohl selbst zahlen. „Es haben sich schon viele alte Herren aus der Burschenschaft gemeldet, die spenden werden“, sagt Müller.

Bis die Fenster im Gemeinschaftsraum ausgewechselt werden, dürfte es aber noch eine Weile dauern. „Ich glaube, wir warten besser noch ein bisschen und lassen Ruhe einkehren. Sonst kommen die Täter vielleicht bald wieder.“

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Von Hannes Lintschnig

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