Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck Annabelle Julyette: Geboren auf der A 1
Lokales Lübeck Annabelle Julyette: Geboren auf der A 1
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:35 30.08.2014
Ein wenig erschöpft sind sie schon, aber die Freude überwiegt: René (36) und Tabea (31) Scheffs aus Fehmarn sind seit gestern stolze Eltern der kleinen Annabelle Julyette. Dass ihre Tochter mitten auf der Autobahn geboren wurde, hat die Mutter erst im Nachhinein richtig realisiert: „Während der Fahrt hatte ich nichts im Kopf, mir war alles egal. Ich habe nur an mein Baby gedacht.“ Quelle: Fotos: Olaf Malzahn
Lübeck

Tabea Scheffs liegt in einem Bett auf der Geburtshilfe-Station der Lübecker Uniklinik. Sie ist erschöpft. Vor wenigen Stunden hat sie ihre Tochter zur Welt gebracht.

Es ist das dritte Kind der 31-Jährigen. Und diese Geburt war besonders anstrengend und mit Stress verbunden. Denn die kleine Annabelle Julyette hatte es im Rettungswagen auf dem Weg von Fehmarn Richtung Lübeck auf einmal ziemlich eilig — und kam auf dem Standstreifen nahe der Ausfahrt Lübeck-Zentrum zur Welt. „Es ging immer so hoch und runter auf der Fahrt“, sagt Scheffs. „Das habe ich nicht mehr ausgehalten. Das Baby musste raus.“

Um vier Uhr morgens hatten die Wehen begonnen. Doch zu dem Zeitpunkt wusste Tabea Scheffs noch nicht, dass es wirklich ernst wird. „Vor drei Wochen haben die Wehen schon einmal eingesetzt, aber es war ein Fehlalarm“, erzählt die junge Frau, die bereits zwei Kinder zur Welt gebracht hatte. Deswegen legte sie sich auch noch einmal ins Bett. Um fünf Uhr war die Ruhe vorbei. Mit den Worten „Ich glaube, es geht los“ weckte sie ihren Mann. „Seine erste Reaktion war: Ich brauche erstmal einen Kaffee“, sagt Tabea Scheffs und lacht.

Dann ging es ganz schnell. Um halb sechs kam der Notarzt, zehn Minuten später der Rettungswagen. „Wir haben um sechs Uhr Bescheid bekommen, dass eine Schwangere auf dem Weg zu uns ist“, sagt Johanna Baran, leitende Hebamme an der Uniklinik. „Natürlich haben wir sofort den Kreißsaal vorbereitet.“ Doch das war gar nicht nötig. Denn um sieben Uhr kam der nächste Anruf aus dem Rettungswagen. „Sie sagten, dass sie mitten auf der Autobahn anhalten mussten, weil die Presswehen eingesetzt haben“, sagt die 52-Jährige. Und um 7.20 Uhr erreichte sie dann die gute Nachricht: Das Kind ist gesund zur Welt gekommen. „So etwas kommt immer mal wieder vor“, sagt Baran, die seit 30 Jahren Hebamme ist. „Ich habe schon Kinder auf dem Vordersitz eines Taxis entbunden.“

Nicht ganz so gelassen hat der Vater der Kleinen, René Scheffs, die Geburt miterlebt. „Es war ziemlich nervenaufreibend“, erzählt er. „Ich habe die ganze Zeit versucht, mit meinem Auto an dem Rettungswagen dran zu bleiben. Das ist gar nicht so einfach.“ Das erste Mal hielt der Rettungswagen auf Höhe Bad Schwartau. „Ich dachte schon, dass es da losgeht“, sagt Scheffs. „Aber meine Frau musste nur kurz auf die Toilette.“ In dieser ruhigen Minute meldete sich der Klempner bei seiner Firma für den Arbeitstag ab. Dann ging die Fahrt weiter — bis kurz vor die Abfahrt Lübeck-Zentrum.

„Ich habe hinter dem Rettungswagen geparkt und bin sofort zu meiner Frau.“ Mittlerweile hatten Polizei und Feuerwehr den rechten Fahrstreifen gesperrt.

„Ich habe gar nicht realisiert, dass wir mitten auf der Autobahn stehen. Es war einfach nur ein schönes Gefühl, als meine Tochter geboren wurde“, sagt Tabea Scheffs.

Ihr zweites Kind hat die 31-Jährige vor etwa einem Jahr bekommen. Damals hat sie in der Geburtshilfe-Station in Oldenburg entbunden. „Da wollten wir eigentlich auch wieder hin. Leider wurde die Station aber Anfang dieses Monats geschlossen“, sagt Scheffs. Nach der Schließung ist nun eigentlich die Sana-Klinik in Eutin für schwangere Frauen aus dem Kreis Ostholstein zuständig. „Ob wir nun nach Eutin oder Lübeck fahren, ist von der Strecke her relativ egal“, sagt René Scheffs. Das Ehepaar hatte darauf gehofft, dass sich der Schließungstermin nach hinten verschieben würde — vergeblich. „Wir haben uns sehr geärgert. Deswegen wollten wir auch nicht in eine Sana-Klinik fahren.“

Doch nun ärgert sich das Ehepaar natürlich nicht mehr — im Gegenteil: „Wir sind einfach nur froh, dass uns alle so toll unterstützt haben und Annabelle Julyette endlich da ist.“

Hannes Lintschnig und Holger Kröger