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Lübeck Ein Bild für zehn Monate
Lokales Lübeck Ein Bild für zehn Monate
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18:22 29.04.2019
Zur Auswahl stehen dieses Jahr insgesamt 92 Kunstwerke. Ausstellungsbesucherin Stefanie Reis (39) hat sich für einen Linolschnitt mit dem Motiv einer Eiche entschieden (Künstler unbekannt). Quelle: 54° / Felix Koenig
Innenstadt

Ein mysteriös wirkendes Männerporträt mit dunklen Schatten und verworrenen Linien – die Radierung „Don Quichotte“ von Horst Janssen hat es Heidi Kirschberger besonders angetan. „Ich hatte schon immer Zugang zu seinen Bildern, ich verbinde damit meine Schulzeit und Jugend.“ Zusammen mit Tochter Lale (5) betrachtet die 50-jährige Lübeckerin fasziniert die filigranen Striche der 1980 entstandenen Arbeit. Bald wird sie für einige Monate bei der Lübecker Familie über der antiken Kommode im Wohnzimmer hängen.

Das Werk des 1995 verstorbenen Künstlers ist eins von insgesamt 92 Originalgrafiken und Fotografien der Lübecker Artothek, die zurzeit im Lübecker Kulturbüro in der Schildstraße 12 gezeigt werden. Seit 2017 findet die Verleihausstellung jährlich statt, in diesem Jahr haben Interessierte bis Sonntag, 12. Mai, die Möglichkeit, eines der Kunstwerke für eine Leihgebühr von 30 Euro mit nach Hause zu nehmen. Die Leihdauer beträgt zehn Monate. Es sei die Idee der Artothek, dass Menschen für wenig Geld ein echtes Kunstwerk leihen könnten, so Kultursenatorin Kathrin Weiher (parteilos) bei der Eröffnung.

Eine Bibliothek für Kunstwerke

Die Lübecker Artothek, eine Art Bibliothek für Kunst, umfasst um die 1000 Werke von rund 250 Künstlern. Mit dabei sind Arbeiten international bekannter Größen wie Gerhard Richter oder Paul Wunderlich, aber auch regionale Kunstschaffende, etwa Klaus Fußmann, Harald Duwe oder Hanna Jäger, sind mit Grafiken vertreten. „Wir zeigen dann jedes Jahr eine neue Auswahl“, erklärt Nina Jakubczyk, Leitern des Lübecker Kulturbüros. Die studierte Kunsthistorikerin betreut die Lübecker Artothek. Zusammen mit ihrer Kollegin Ruth Sina-Liedtke hat die 45-Jährige dieses Jahr neben klassisch schwarzen Druckgrafiken auch besonders farbenfrohe und ungewöhnliche Darstellungen für den Verleih ausgesucht.

Bis Sonntag, 12. Mai, haben Interessierte in Lübeck die Möglichkeit, sich Kunstwerke auf Zeit auszuleihen.

Etwa die großformatige Farbserigrafie „Flora und Fauna“ der US-Künstlerin Dorothy Iannone. Das Bild zeigt quietschbunte Ornamente neben Tier- und Aktdarstellungen. „Wir zeigen unterschiedlichste Stilrichtungen von 1960 bis 2010“, erklärt Jakubczyk, „es ist jedes Jahr spannend, welche Arbeiten bei den Besuchern gut ankommen.“

Werke im Wert von bis zu 4000 Euro

Eines der Highlights ist der Siebdruck „Schweizer Alpen“ von Gerhard Richter. Abstrakte Bergspitzen und Schneefelder sind auf dem Bild von 1969 zu sehen, mit einem geschätzten Wert von 4000 Euro ist es die teuerste Arbeit der diesjährigen Verleihschau. Angst, dass einer ihrer Schätze in den lübschen Wohnzimmern beschädigt werden könnte, hat Nina Jakubczyk jedoch nicht: „Wer ein Bild leiht, versichert es über seine privaten Versicherungen, wir haben die Arbeiten aber bisher immer tadellos zurückbekommen.“

Auch bei Heidi Kirschberger hing bereits im vergangenen Jahr ein Kunstwerk der Lübecker Artothek im Wohnzimmer, sie hatte sich damals für „Die Taucherin“, einen Siebdruck des deutschen Künstlers Dieter Asmus entschieden. „Das Bild ist uns mit der Zeit richtig ans Herz gewachsen, es fiel uns richtig schwer, es wieder abzugeben“, sagt die Lübeckerin mit einem Augenzwinkern.

Dennoch gilt: Jedes Bild kann von einer Person nur einmal geliehen werden. „Man hat ja trotzdem zehn Monate Zeit, sich dem Bildthema zu nähern“, sagt Wolfgang Dohm. Der Lübecker Architekt hatte vergangenes Jahr einen Leihvertrag für die „Schweizer Alpen“ abgeschlossen. „Es hing bei uns im Esszimmer, wir haben es oft bewundert.“ Dieses Jahr hat sich der 58-Jährige für eine abstrakte Farblithografie des spanischen Künstlers Antoni Tàpies entschieden. „Ich hoffe, es gefällt vor allem meiner Frau“, sagt der Lübecker mit einem Lachen.

Um die 40 Bilder der diesjährigen Verleihschau sind bereits vergeben, Nina Jakobczyk hofft jetzt auf weitere Interessenten. „Bis Sonntag, 12. Mai, ist die Ausstellung täglich von 13 bis 17 Uhr geöffnet. Wer möchte, kann einfach vorbeikommen.“ Am Montag, 13. Mai, können die gerahmten Leihgaben dann in der Schildstraße abgeholt werden.

So funktioniert die Artothek

Die gerahmten Grafiken können bis Sonntag, 12. Mai, im ersten Stock des Brömsenpalais, Schildstraße 12, in Lübeck besichtigt und reserviert werden. Die Öffnungszeiten sind täglich von 13 bis 17 Uhr (auch am Wochenende). Die Leihdauer beträgt zehn Monate, die Leihgebühr 30 Euro. Die Ausleihe ist nur mit Personalausweis möglich.

Katrin Diederichs

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