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Lübeck Auf dem Campus steht Lübecks erstes Tiny House
Lokales Lübeck Auf dem Campus steht Lübecks erstes Tiny House
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12:12 27.09.2019
Antonia Kruse sitzt hoch oben am Arbeitsplatz im Tiny House. Im Obergeschoss befindet sich auch das Schlafzimmer. Quelle: 54° / Christian Schaffrath
Lübeck

Es ist 7,80 Meter lang, 2,50 Meter breit und vier Meter hoch, hat ein Bad, eine Küche, einen Ess- und Wohnbereich sowie im Obergeschoss einen Schlaf- und Arbeitsbereich. Möbel und Armaturen sind auch schon drin – allerdings aus Pappe. Wände und Dach sind aus Kunststoff-Wellplatten – auch das wird nicht so bleiben. Das „Tiny House“, das auf dem Campus beim Bauforum steht, ist ein sogenanntes „Mockup“ – ein 1:1-Modell zu Demonstrationszwecken.

Klicken Sie hier für Fotos von Tiny Houses – die Idee vom Wohnen auf wenig Raum

„Bauherren“ gaben Anregung für Projekt

Gebaut haben es sechs Studierende aus den Bereichen Architektur und Bauingenieurwesen unter Leitung von Prof. Guido Neubeck. Im vergangenen Jahr hatten Melanie und Markus Hosse sich auf die Suche nach einem Grundstück für einlegales „Tiny House“ gemacht, denn zuvor hatten sie festgestellt, dass man zum Leben deutlich weniger Platz braucht als gedacht. Angesichts der Verdichtung in den Städten geht es ihnen auch um den ökologischen Fußabdruck, den sie hinterlassen.

So sieht der Vorentwurf von Leonie Haller aus, für den Markus und Melanie Hosse sich nach längerer Diskussion entschieden. Quelle: Leonie Haller/Guido Neubeck

„Frau Hosse kam zu uns an die Hochschule und fragte, wer Interesse hätte, ein Modell nach ihren Vorstellungen zu entwickeln“, sagt Neubeck, der gleich Feuer und Flamme war und es als Kurzentwurf – übers Wochenende – an sechs interessierte Studierende vergab. Sechs sehr unterschiedliche Vorentwürfe lieferten viel Diskussionsstoff mit Melanie und Markus Hosse, am Ende entschieden sie sich für den Vorentwurf von Leonie Haller.

Komplett in Eigenarbeit der Studierenden

Und der wurde auf der neuen Plattform Realbaulabor als real zu planendes Projekt in die Hochschullehre integriert. Komplett in Eigenarbeit haben die Studierenden das Minihaus im Wintersemester 2018/19 geplant und im Sommersemester errichtet. „Es hat Spaß gemacht“, sagt Antonia Kruse (21), die gemeinsam mit Johannes Ströh (31) das Projekt leitet. „Vor allem, weil man mal was im Maßstab 1:1 realisieren kann!“ Ihr Kommilitone ergänzt, es sei besonders „lehrreich, mal etwas von den ersten Plänen an bis zur letzten Schraube selbst zu machen.“

Das Realbaulabor

Das Realbaulabor ist eine interdisziplinäre Lehr- und Lernplattform der Technischen Hochschule (TH). Ihr erklärtes Ziel: regelmäßige und zahlreiche Selbstbauprojekte. Hierbei soll diese Tradition, die sich Anfang des Jahres 2000 durch die Regionalhäuser von Professor Georg Conradi begründete, weiter fortgeführt werden. Die Plattform will die Potenziale der TH Lübeck (Werkstätten, Labore, Kompetenzzentren) effektiv nutzen, sich über ein Netzwerk an Kooperationspartnern weiter in der Region Lübeck zu positionieren und Vorhaben durch ein gemeinsames Fundraising-Konzept zu fördern.

Studierenden wird die Chance geboten, in Teams Bauprojekte von der Entwurfs-, über Planungs- und Versuchsphasen, bis hin zur baulichen Umsetzung und Nutzung zu begleiten und aktiv mitzugestalten.

Tiny House zieht vorübergehend nach Kiel

Apropos Schraube: Derer gibt es viele, denn das „Tiny House“ soll mobil sein, weshalb es relativ leicht zerlegbar sein muss. Zum Tag der Deutschen Einheit (3. Oktober) geht es nach Kiel. Dort wird es im Hof des Internationalen Begegnungszentrums am Düsternbrooker Weg/Kiellinie 5 ausgestellt. Antonia schätzt, „dass wir mit sechs Leuten einen Tag brauchen, um es abzubauen und auf einen Trailer zu laden.“

Ganz schön wohnlich: Das „Mockup“ hat alles, was man zum Wohnen braucht: ein Badezimmer (hinten), eine Küche mit Essbereich und (nicht im Bild) einen Schrank als Raumtrenner zum Wohnbereich. Quelle: 54° / Christian Schaffrath

Weiterentwicklung geplant

Wenn das Minihaus zurück in Lübeck ist, soll es weiteren Forschungszwecken dienen: „Wir werden die Hülle optimieren, energetische Sachen erarbeiten und das minimierte Wohnen generell erforschen“, sagt Prof. Neubeck. Denn in der aktuellen Form, einem Zwischenstadium, sei das Haus noch nicht bewohnbar, auch wenn Neubeck verrät: „Es wird demnächst jemand darin schlafen.“ Generell sei angedacht, das Minihaus so weiter zu entwickeln, dass es eines Tages vielleicht sogar Marktreife erlangen könnte. „Aber dafür brauchen wir noch Sponsoren“, so Neubeck.

Grundstückssuche nur verschoben

Für Melanie und Markus Hosse hat sich nichts daran geändert, dass sie weiter nach einem Grundstück für ihr Minihaus suchen – möglichst in Lübeck, sonst in der unmittelbaren Umgebung. Allerdings werden ihre Pläne ein wenig in die Zukunft verschoben, denn: Vor viereinhalb Monaten wurde Sohn Lukas geboren, so dass die Touristikerin und der Maschinenbau-Ingenieur zunächst einmal in einer ganz normalen Dreizimmer-Wohnung leben.

Bundesweit entstehen Dörfer

Während es bundesweit schon einige Minihaus-Dörfer gibtund im Hannoveraner Stadtteil Burg bis 2025 Europas größte Tiny-House-Siedlung in einem Ökodorf entstehen soll, sieht es in Schleswig-Holstein noch mau aus. Zwar gibt es im Kreis Segeberg gleich zwei Campingplätze, auf denenMini-Häuser aufgestellt wurden, doch warnt der Kreis vor dauerhaftem Wohnen. Im Kreis Herzogtum Lauenburg ist der ehemaligeJugendbahnhof in Hollenbek als innovativer Wohnpark vorgesehen.

Einzelne Interessenten

In Lübeck? Fehlanzeige! Zwar hatten in der Vergangenheit bereits FDP und Grüne entsprechende Anfragen gestellt, und wurden bei der Verwaltung im Bereich Bauwesen/Liegenschaften vereinzelt Interessenten vorstellig. Die seien, so das Presseamt, mit Fragen wie: Wo kann ein Tiny House aufgestellt werden, verkauft oder verpachtet die Stadt entsprechende Baugrundstücke, kann die Stadt ein Bebauungsplanverfahren zur Schaffung von Baurecht für Tiny Houses durchführen? an die Verwaltung herangetreten. Doch die Stadt verweist darauf, es obliege grundsätzlich dem Bauherren, ein Grundstück ausfindig zu machen und dann die Genehmigungsfähigkeit abzuklären.

Klare Absage der Hansestadt

Der Ausweisung einer größeren Fläche für mehrere Tiny Houses erteilt die Hansestadt eine klare Absage und verweist auf das Wohnungsmarktentwicklungskonzept. Demnach verfolge die Stadt eine nachhaltige städtebauliche Entwicklung – und zwar in Form von Wohngebieten für dauerhafte Bebauungsstrukturen in festen, ortsgebundenen Gebäuden – also Geschosswohnungsbauten sowie Einfamilienhäuser als Reihen-, Doppel- und Einzelhäuser. „Auch uns hat man schon gesagt, wir sollten uns lieber ein kleines Reihenhaus suchen“, erzählt Melanie Hosse. Doch das liege nicht in ihrem Interesse.

Ländlicher Bereich geeigneter?

Prof. Guido Neubeck sieht schon, dass Tiny Houses im städtischen Bereich problematisch sein könnten. Zumal es sich laut §30 Baugesetzbuch an die Vorgaben des Bebauungsplans halten muss oder in Gebieten nach §34 Baugesetzbuch (unbeplanter Innenbereich) in die Umgebung einfügen muss. Ein schwieriges Unterfangen also.

„Es ist die Frage, ob man damit nicht eher in den ländlichen Raum geht und dann mehr Home-Office macht“, schlägt Neubeck vor. Doch bisher hat sich auch noch kein Landwirt aus dem Lübecker Bereich gemeldet, der ein Baugrundstück für ein oder mehrere Tiny Houses anbieten würde. Also geht die Suche weiter . . .

Von Sabine Risch

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