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Lübeck Aus dem Schlaf geweckt: Mit dem Porsche auf Einbrecherjagd
Lokales Lübeck Aus dem Schlaf geweckt: Mit dem Porsche auf Einbrecherjagd
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21:10 31.01.2013
Von Peer Hellerling
Mit seinem Porsche Cayenne hat das Einbruchsopfer Christof R. versucht, die flüchtenden Täter zu fassen. Allerdings rutschte der Geländewagen bei dem feuchten Wetter in einen Graben. Quelle: Fotos: Kröger (2), Hellerling
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Sie kann sich vor allem an ihren Schrei erinnern: Marzena R. steht der Schock von gestern Nacht auch am Mittag noch immer ins Gesicht geschrieben. Die 44-Jährige ging im ersten Stock kurz nach 3 Uhr zufällig vom Schlafzimmer ins Bad, als sie unten Licht bemerkte. „Ich bin sofort zu meinem Mann gelaufen“, sagt sie. „Da ist jemand“, schrie sie aufgeregt. Einbrecher durchwühlten gerade Flur, Wohnzimmer und Küche im Haus an der Rosa-Luxemburg-Straße (St. Jürgen). Als die Unbekannten den Schrei hörten, liefen sie davon.

Während Marzena R. den Notruf wählte, handelte ihr Ehemann Christof (46). In voller Bettmontur — T-Shirt und kurze Hose — rannte er die Treppe hinunter und brüllte den Tätern entgegen: „Was machen Sie hier?“ Dann machte er sich an die Verfolgung. Damit meint der 46-Jährige nicht etwa zu Fuß, sondern auf vier Reifen. Glücklicherweise ließen die Einbrecher den Zweitschlüssel seines weinroten Porsche Cayenne zurück, mit dem Geländewagen brauste Christof R. in die Nacht in Richtung Ringstedtenhof — dorthin sah er die dunklen Gestalten laufen.

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„Ich bin einfach nur hinterher“, erinnert sich der Lübecker. Während seiner Verfolgungsjagd begegnete dem 46-Jährigen ein Mann auf einem Fahrrad, den er sofort stellte. Doch dieser will nach eigener Aussage nur gelbe Säcke verteilt haben — um 3 Uhr. Hätte Christof R. in dem Moment schneller geschaltet, sagt er selbst, er hätte den Radfahrer wohl festgehalten. „Wer trägt nachts gelbe Säcke aus?“

Als der Lübecker wenden wollte, fuhr er sich mit seinem schweren Porsche im Graben fest, der Wagen musste herausgezogen werden. Zu Fuß kehrte R. zum Haus zurück.

Auch die Polizei machte sich auf die Suche nach den Tätern, laut des überfallenen Ehepaars müssen es mindestens zwei gewesen sein. Bis etwa 4 Uhr fahndeten die Ermittler in der näheren Umgebung nach den Personen. „Leider ohne Ergebnis“, sagt Behördensprecher Stefan Muhtz. Die Beschreibung der Täter ist dürftig. Christof R. kann sich nur erinnern, dass sie vermutlich männlich und etwa 1,70 Meter groß sind. Hinweise werden unter der Telefonnummer 04 51/13 10 entgegengenommen.

Die Täter haben eine Handtasche, Handys und Schlüssel gestohlen. Doch bis auf die zwei Portemonnaies mit etwa 400 Euro Bargeld und Ausweisen hat das Paar bereits alles wiedergefunden. Marzena R.:

„Die Männer haben den Inhalt der Handtasche während der Flucht bei einem Nachbarn in die Hecke geworfen.“ Einen Laptop und ein zweites Handy in der Küche ließen die Täter offenbar zurück, weil sie überrumpelt wurden.

Wie es aussieht, kamen die Männer durch den Garten eines Nachbarn und brachen über die Garage ins Haus ein. „Das Schlimmste ist“, sagt die 44-Jährige aufgewühlt, „dass die auch einbrechen, wenn die Besitzer oben schlafen.“ Marzena R. fürchtet sich nun vor jedem Knacken und Windgeräusch in der Nacht, aus Angst, die Täter könnten wiederkommen.

Zwar konnte das Ehepaar die Einbrecher in diesem Fall in die Flucht schlagen, Polizeisprecher Muhtz warnt allerdings vor zu viel Heldenmut. „Man sollte sich nie in Gefahr bringen.“ Die Täter könnten bewaffnet sein oder in Panik zum Beispiel nach einem Küchenmesser greifen. Stattdessen rät der Ermittler, leise die Polizei zu alarmieren. So wüssten die Einbrecher von nichts, und die Beamten können sie auf frischer Tat ertappen.

Peer Hellerling

31.01.2013
Rüdiger Jacob 31.01.2013