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Lübeck Aus nach 14 Jahren: Letzte Ryanair-Maschine ab Blankensee
Lokales Lübeck Aus nach 14 Jahren: Letzte Ryanair-Maschine ab Blankensee
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09:13 29.07.2014
Jungfernflug von Ryanair: Am 1. Juni 2000 landete die erste Maschine der Iren in Lübeck. 14 Jahre später verlässt die Billig-Airline den Standort.
Lübeck

Ende einer langen Beziehung: Am Donnerstag wird das letzte Mal ein Ryanair-Flieger vom Lübecker Flughafen abheben. Es ist das Aus nach 14 Jahren und zwei Monaten: Am 1.

Juni 2000 kam die erste Maschine der irischen Fluggesellschaft nach Blankensee aus London an. Jetzt startet die letzte Ryanair-Maschine um 13.05 Uhr in Richtung Palma de Mallorca. Und das nur einen Tag bevor der chinesische Investor Yongqiang Chen mit seiner PuRen Group den Lübecker Airport übernimmt.

„Es ist bedauerlich, aber verständlich“, sagt der neue Flughafen-Chef Markus Matthießen. Sobald die Betriebsgenehmigung zum 1. August auf die PuRen Germany GmbH übergegangen ist, werde er Gespräche mit den Iren aufnehmen. Der Billig-Airline war die Zukunft des insolventen Lübecker Flughafens zu ungewiss — sie hatte daher zunächst alle drei Linien im August storniert. Dann folgte das Aus der Pisa-Flüge im September und Oktober. Vergangenen Freitagabend verschickte Ryanair dann die Stornierung auch für die Strecken nach Palma de Mallorca und ins italienische Bergamo an seine Kunden.

Ryanair hatte bereits Mitte Juni mitgeteilt, im Winter nicht mehr ab Lübeck zu fliegen. Einen Monat später erklärte die Airline stattdessen, im Winter ab Hamburg zu fliegen.

Damit hat der neue Investor einen denkbar ungünstigen Start erwischt, um den Lübecker Airport nach vorne zu bringen. Ab August fliegt dann nur noch Wizz Air ab Lübeck — nach Danzig in Polen und nach Kiew in der Ukraine. Das sind sieben Maschinen pro Woche. Der ungarische Billigflieger hat angekündigt, zwei weitere Ziele ab Lübeck bedienen zu wollen. Dem Airport liegt ein unterschriftsreifer Vertrag vor. Doch durch die Insolvenz des Airports Ende April mussten die Pläne auf Eis gelegt werden. Jetzt gehen die Gespräche weiter. Unklar ist noch, welche Flughäfen in Osteuropa Wizz Air von Lübeck aus bedienen will.

Derweil sind die Formalien zur Übernahme des Flughafens erledigt — fast. „Es fehlt noch etwas Kleinklein, aber es ist alles auf dem Weg“, sagt Matthießen. Die Unterlagen seien alle beisammen und unterzeichnet, jetzt müssen sie noch dem Land zugestellt werden. Denn das entscheidet, ob die Betriebsgenehmigung des Flughafens von der insolventen Yasmina Flughafenmanagement GmbH an die PURen Germany GmbH übergeht. Ein Ministeriumssprecher hatte betont, man sei zuversichtlich, die Formalien bis zum 1. August zu erledigen. Am Freitag soll die feierliche Schlüsselübergabe am Flughafen stattfinden. Investor Chen wird ebenfalls vor Ort sein.

Es ist die zweite Feierlichkeit in anderthalb Jahren. Am 1. Januar 2013 übergab Bürgermeister Bernd Saxe (SPD) den Airport- Schlüssel an den Deutsch-Ägypter Mohamad Rady Amar. Der investierte mehrere Millionen Euro in den Airport, doch tauchte er nach einem guten Jahr ab. Offenbar hatte er sich mit anderen Geschäften übernommen. Klammheimlich verkaufte er im März seine Flughafen-Anteile an einen Strohmann, der keine gültige Adresse besitzt und nicht auffindbar ist. Das Amtsgericht Lübeck setzte daraufhin den Not-Geschäftsführer Siegmar Weegen ein, der Insolvenz anmeldete. Damals schien das Aus des Airports besiegelt.

Dennoch suchte Insolvenzverwalter Klaus Pannen einen Nachfolger. Durch die Hilfe des Lauenburger Bürgermeisters Andreas Thiede (CDU) kam der reiche Chinese Chen ins Spiel. Seine PuRen Group hat ihren Sitz in Peking und verfügt über 660 Millionen Euro Kapital. Das Unternehmen baut und betreibt Krankenhäuser in China und investiert in Infrastruktur.

Ryanair schraubt Gewinnerwartung nach oben
Europas größter Billigflieger Ryanair schraubt nach einem starken Jahresstart sein Gewinnziel nach oben. Im laufenden Geschäftsjahr bis Ende März 2015 soll der Überschuss nun 620 bis 650 Millionen Euro erreichen, wie das irische Unternehmen mitteilte. Bisher hatte Ryanair-Chef Michael O‘Leary 580 bis 620 Millionen angepeilt. Im ersten Geschäftsquartal von April bis Juni stieg der Überschuss dank eines starken Ostergeschäfts um das Anderthalbfache auf 197 Millionen Euro. Der Umsatz legte um elf Prozent auf 1,5 Milliarden Euro zu, nachdem die Osterreisezeit 2013 in den März gefallen war.



Im laufenden Geschäftsjahr will
Ryanair die Zahl der Fluggäste um fünf Prozent auf 86 Millionen steigern.

Josephine von Zastrow