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Lübeck Ist das Lübecks schlechteste Blitzer-Attrappe?
Lokales Lübeck Ist das Lübecks schlechteste Blitzer-Attrappe?
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18:55 08.02.2019
Aus einer Blitzer-Attrappe aus Holz an der B75 zwischen Lübeck und Travemünde sprießen Pilze.
Aus einer Blitzer-Attrappe aus Holz an der B75 zwischen Lübeck und Travemünde sprießen Pilze. Quelle: Holger Kröger
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Lübeck

Nahezu alle Lübecker und viele Urlauber, die auf dem Weg zur Ostsee sind, kennen sie: Die stationären Blitzer an der B 75 in Kücknitz zwischen Lübeck und Travemünde. Auf einem der Geräte ist derzeit ein seltsamer Bewuchs zu sehen. In Höhe der Ortsdurchfahrt Rangenberg, der sogenannten Kücknitzer Scheide, hat ein Baumpilz einen der Kästen besiedelt. Da Baumpilze für gewöhnlich auf Holz wachsen und Blitzer aus Metall oder ähnlichem Material sind, kann hier etwas nicht stimmen. Und tatsächlich. Die Stadt räumt ein, dass es sich bei einem der Blitzer um eine Täuschung handelt.

„Die Holzattrappen werden in Kürze ausgetauscht“, teilt Pressesprecherin Nicole Dorel mit. „Aufgrund der überwiegend feuchten Witterung kann es in Einzelfällen, wie bei diesem Kasten, im Laufe der Zeit aufgrund des Baumaterials auch zu einer Pilzbildung kommen.“ Weitere Fälle seien nicht bekannt.

Sie sind etwa 40 Zentimeter hoch, grau lackiert und machen teure Fotos: die Blitzer an der B 75 zwischen Lübeck und Travemünde. Doch zwei der sechs Anlagen sind nicht echt. Aus einer sprießen nun Pilze.

Blitzer seit 2005 in Betrieb

Die Blitzer an der B 75 gingen im Oktober 2005 in Betrieb. In Höhe der Ortsdurchfahrt Rangenberg hatte die Stadt im Herbst vor mehr als 13 Jahren insgesamt sechs Starenkästen aufbauen lassen – drei pro Fahrtrichtung, für jede Spur einen.

Insgesamt 120.000 Euro hatte die damals moderne Technik „TraffiStar S 330“ vom Hersteller Robot aus Monheim am Rhein gekostet – eine moderne, aber auch eine teure Technik. Vielleicht deswegen hatte sich die Stadt dazu entschieden, an dieser Stelle zwei Blitzer-Attrappen aus Holz zu montieren.

Aus dem Blitzer sprießen Pilze

Im Vorbeifahren ist der Unterschied fast gar nicht zu bemerken. Doch jetzt fällt er ins Auge, ist fast gar nicht mehr zu übersehen. Denn: Aus dem Gehäuse des Blitzers sprießen Pilze, die Farbe ist abgeblättert.

Die Anlage in Kücknitz war die erste stationäre Geschwindigkeitsmessanlage in der Hansestadt und laut des ehemaligen Innensenators Thorsten Geißler die modernste ihrer Art in Schleswig-Holstein. Die Anlage sei nicht gebaut worden, um das leere Stadtsäckel zu füllen, sondern um die Anwohner vor Lärm zu schützen.

Die Bildergalerie zeigt Attacken auf Lübecker Blitzer in den letzten Monaten, chronologisch sortiert.

Anwohner forderten seit 1954 einen Blitzer

Immer wieder klagen die Anwohner über die hohe Lärmbelästigung durch zu schnelle Lastwagen und Autos. Durch die Starenkästen sollen Fahrer zum Einhalten des Tempolimits gezwungen werden.

Bereits 1954 hatten die Kücknitzer erstmals Tempolimits und Geschwindigkeitskontrollen an der Strecke nach Travemünde gefordert. Das war noch vor dem Ausbau auf sechs Spuren.

Blitzer an der B75 lohnen sich

In den ersten acht Monaten nach Inbetriebnahme hatte die Stadt bereits gutes Geld mit den Blitzern eingenommen: 720.000 Euro. Um das Plus an Bußgeldern abarbeiten zu können, wurde die Mannschaft der Bußgeldstelle um vier Personen verstärkt. Die Stadt rechnete 2005 mit etwa 50.000 bis 80.000 Temposündern, die pro Jahr von den Kameras abgelichtet werden.

Im Jahr 2013 nahm die Stadt mit den Blitzern an der B 75 schon 1,26 Millionen Euro ein, sagte eine Sprecherin der Stadt.

Egal ob auf dem Bobby-Car, oder im Galopp: Geht es um die richtige Geschwindigkeit, kennt die Radarfalle keine Gnade. Dabei entsteht so manche schräge Aufnahme.

Cosima Künzel/RND/jad