Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck Stadtjäger päppelt Babyfuchs auf
Lokales Lübeck Stadtjäger päppelt Babyfuchs auf
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:31 17.04.2019
Christoph Benett ist sich sicher, dass der kleine Fuchs bald wieder zu Kräften kommt. Quelle: Lutz Roeßler
St. Gertrud

Allein hätte es der kleine Babyfuchs nicht geschafft. Durchnässt, unterkühlt, dehydriert und vollkommen unter Schock lag der wenige Wochen alte Fuchs verlassen am Straßenrand. Eine Frau fand das hilflose Wesen und brachte es vergangenen Freitag am späten Abend zum Tierheim. „Das kleine Tier war so schwach. Wir haben sofort mit der Erstversorgung angefangen“, sagt Tierpflegerin Helen Eickelberg. „Normalerweise liegen Füchse in dem Alter noch geschützt im warmen Bau und werden von ihrer Mutter versorgt.“

Stadtjäger nimmt den Babyfuchs auf

Eickelberg hat sofort den Lübecker Stadtjäger Christoph Benett angerufen. „Ich hatte schon fest geschlafen“, sagt Benett, der als Stadtjäger in solchen Situationen einschätzen muss, was mit dem Tier passiert. Nach Absprache mit dem Tierarzt war klar: Der Fuchs braucht Hilfe, um wieder auf die Beine zu kommen. „In manchen Fällen muss man das Tier auch erlösen“, sagt Benett. „Aber bei dem kleinen Fuchs wussten wir, dass er mit etwas Hilfe wieder auf die Beine kommen wird.“

Keine falsche Tierliebe

Wer ein scheinbar hilfloses oder krankes Tier am Straßenrand oder in der Natur findet, sollte sofort die Polizei, ein Tierheim oder einen Jäger kontaktieren.

Nicht alle Tiere brauchen Hilfe, auch wenn es so aussieht. Besser ist es, die Lage von einem Profi einschätzen zu lassen.

Wer Tiere einfach mitnimmt, macht sich im schlimmsten Fall der Wilderei strafbar. Außerdem bittet Stadtjäger Christoph Benett – besonders jetzt im Frühling zur Brut- und Setzzeit – Wege nicht zu verlassen und vor allem Hunde beim Spaziergang an der Leine zu lassen.

Seitdem wohnt „Füchschen“, wie ihn Benett liebevoll nennt, auf seinem Hof in Israelsdorf. In einem kleinen Bau mit einer Wärmelampe, wo sich der Babyfuchs gut zwischen Ästen verstecken kann, kommt er wieder zu Kräften. „Er hat schon wieder einen sehr gesunden Appetit und wird immer fitter“, sagt Benett. Katzenfutter lässt „Füchschen“ stehen, er bevorzugt naturnahe Nahrung, also Lebendiges. „Ich denke, dass er in den nächsten Wochen wieder zu Kräften kommen wird. Dann werden wir sehen, wie es weitergeht.“

Wie es dazu gekommen ist, dass der kleine Fuchs hilflos am Straßenrand lag, weiß man nicht. „Da kann man nur mutmaßen“, sagt Benett. Er geht davon aus, dass die Fähe, also die Fuchsmutter, ihr Kind unabsichtlich beim Überqueren der Straße verloren haben könnte. „Wahrscheinlich wurde sie von einem Auto gestört, hat sich erschreckt und dabei aus Versehen ihr Baby verloren.“

Füchschen“ soll ausgewildert werden

Christoph Benett wird in den nächsten Wochen das Gehege des Fuchses immer weiter vergrößern und dann versuchen, ihn auszuwildern. „Wenn er in freier Natur nicht alleine klar kommen sollte, dann wird ein Wildpark oder eine Wildtierauffangstation sein neues Zuhause werden.“ Bis dahin lässt es „Füchschen“ sich auf dem Hof von Christoph Benett gut gehen, wird täglich gefüttert und bekommt eine Menge Zuneigung – aber nicht zu viel. „Natürlich wollen viele den kleinen Fuchs sehen und am liebsten auch noch streicheln, weil er so süß ist“, sagt Benett. „Aber das geht nicht. Der Fuchs soll so wenig Kontakt zu Menschen haben, wie möglich. In freier Natur hat er den ja schließlich auch nicht.“

Der Babyfuchs wurde am vergangenen Freitag am Straßenrand gefunden – unterkühlt und hilflos. Jetzt kümmert sich Stadtjäger Christoph Benett um ihn, bis er stark genug ist, um ausgewildert zu werden.

Für Christoph Benett ist die Pflege des kleinen Fuchses eine Herzensangelegenheit. Das Geld für das Futter zahlt er selbst. Auch für die Zeit, die er dafür aufwendet, kriegt Benett keine Entschädigung. „Ich mache das alles ehrenamtlich. Aber ich habe auch schon überlegt, ein Spendenkonto einzurichten. Schließlich geht es irgendwann richtig ins Geld“, sagt er. Aber auch ohne finanzielle Hilfe wird BenettFüchschen“ weiter betreuen. „Ich mag Füchse, zumindest grundsätzlich. Im vergangenen Jahr hat mir ein Fuchs zwei Enten von meinem Hof gestohlen. Den mochte ich nicht“, sagt Benett und lacht. Da kann man nur hoffen, dass sich „Füchschen“ später noch an seinen Retter erinnern wird.

Hannes Lintschnig

Kommentare 0 Nutzungsbedingungen
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Brücke an der Schleuse in Büssau wird am Donnerstag wieder für den Verkehr freigegeben. Ab 11 Uhr können Fahrzeuge die Querung wieder befahren.

17.04.2019

Fußgänger sind das Stiefkind der Verkehrspolitik, befand das Architekturforum kürzlich. Und der Seniorenbeirat forderte Geld für Gehwege. In der Arnimstraße herrschen besonders schlimme Zustände.

17.04.2019
Lübeck Blöken auf der Landstraße - Schafherde wieder auf dem Priwall

185 Mutterschafe und 120 Lämmer kehren aus dem Winterdomizil in Mecklenburg-Vorpommern zurück – Erstmals werden sie nicht auf die Fähre laufen, sondern mit dem Anhänger ans Dummersdorfer Ufer gebracht.

17.04.2019