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Lübeck Politiker fordern eine Fahrspur für Fußgänger und Radfahrer
Lokales Lübeck Politiker fordern eine Fahrspur für Fußgänger und Radfahrer
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07:21 07.08.2019
Seit vergangenem Freitag müssen Radfahrer und Fußgänger andere Wege über die Mühlentorbrücke in Richtung Innenstadt nutzen. Der Geh- und Radweg ist wegen Sanierungsarbeiten gesperrt. Politiker fordern jetzt andere Umleitungen. Quelle: Agentur 54°
Innenstadt

An der Bake ist Schluss: Radfahrer werden am Mühlentorteller auf die Fahrbahn geleitet, aber Fußgänger müssen den Weg zurück und um den ganzen Kreisel herumlaufen, um in die Stadt zu kommen. Seit vergangenem Freitag ist der Geh- und Radweg über die Mühlentorbrücke stadteinwärts gesperrt, weil dringende Reparaturarbeiten an der Brücke erledigt werden müssen. Die Baustelle musste von jetzt auf gleich eingerichtet werden – ebenso die Umleitungen, die für massive Kritik sorgen.

„Unzumutbare Gefahren für die schwächsten Verkehrsteilnehmer“

Die Unabhängigen werfen der städtischen Verkehrsbehörde vor, „völlig falsche Prioritäten“ zu setzen. „Bei der Baustellenumleitung werden die schwächsten Verkehrsteilnehmer unzumutbaren Gefahren ausgesetzt“, erklärt Fraktionschef Detlev Stolzenberg. Die Unabhängigen schlagen vor, dass eine der drei Fahrbahnen für Kraftfahrzeuge den Fußgängern und Radfahrern zur Verfügung gestellt wird. Und zwar die, die über die Brücke in die Innenstadt führt. Der Kfz-Verkehr könne problemlos auf zwei Fahrspuren rollen.

Notinstandsetzung

Der östliche Geh- und Radweg der Mühlentorbrücke ist wegen akuter Durchrostungsschäden seit Freitag, 12. Juli, gesperrt. In einer Sonderprüfung wurde nach Angaben der Stadtverwaltung festgestellt, dass sich ein bisher als nicht kritisch eingestufter Schaden erheblich verschlechtert hat. Um den Schaden zu reparieren, muss ein Teil des Gehwegbelages aufgenommen werden. Anschließend werden dort zwei Träger ausgewechselt. Der Bereich Stadtgrün und Verkehr geht davon aus, dass die Sperrung spätestens zum Ende der Sommerferien wieder aufgehoben werden kann.

Der SPD-Verkehrspolitiker Ulrich Pluschkell unterstützt den Vorschlag. Die jetzige Lösung sei vor allem für Fußgänger unangenehm. Arne-Matz Ramcke, Verkehrspolitiker der Grünen, wirft der Verwaltung unprofessionelles Handeln vor: „Das erleben wir nicht zum ersten Mal.“ Es sei ein Unding, dass Fußgänger den kompletten Kreisel umrunden müssten, um in die Innenstadt zu gelangen. Ramcke schlägt vor, einen weiteren Zebrastreifen einzurichten, könnte sich aber auch eine abgetrennte Fahrspur für Radfahrer und Fußgänger vorstellen. Der Grünen-Politiker: „Es geht nicht, dass einfach nichts gemacht wird.“

ADFC: „Für Radfahrer ist diese Lösung nicht problematisch“

Bruno Böhm vom Seniorenbeirat hat dagegen erhebliche Bedenken, Fußgänger auf eine abgetrennte Fahrbahn zu schicken – noch dazu gemeinsam mit Radfahrern. „Das ist zu gefährlich.“ Ein Fußgängerüberweg zwischen Kreisel und Brücke wäre eine Möglichkeit, sagt Böhm, der den Weg außen herum für Fußgänger als beschwerlich beschreibt. Immer wieder kürzen dann auch Fußgänger einfach quer über die Straße ab, was hochgefährlich ist.

Martin Brüning vom Fahrrad-Club ADFC hält die Umleitung für Radfahrer für akzeptabel. „Für Radfahrer ist diese Lösung nicht problematisch“, sagt der zweite Vorsitzende, „ aber für Fußgänger.“ Brüning schlägt vor, die mittlere Fahrbahn aufzuheben und dort eine kleine Mittelinsel für Fußgänger zu errichten. Dann sei die Überquerung nicht so gefährlich, zumal die Autos dort eher langsam fahren und oft stehen.

Kritik an den Umleitungen für Fußgänger und Radfahrer

Auch bei spontanen Baustellen sollte die Verwaltung ihre Prioritäten bei den Umleitungen überdenken, sagt der ADFC. Brüning: „Autofahrer werden auf riesigen Schildern informiert, Fußgänger und Radfahrer auf Din-A4-Zetteln, die kaum jemand wahrnimmt.“

Die Polizei hat noch keine Einsätze wegen Unfällen am Mühlenteller oder auf der Brücke fahren müssen, seit die Baustelle eingerichtet wurde. Ein Beamter des 1. Reviers habe sich die Lage mehrfach angeschaut, berichtet ein Polizeisprecher, „und er hat keine Auffälligkeiten festgestellt.“

Knut Augustin, Betreiber des Antik-Geschäftes an der Mühlentorbrücke: „Die Sperrung hätte deutlich besser kommuniziert werden müssen. Teilweise sind die Menschen überfordert und laufen dann oft einfach über die Straße. Das ist doch zu gefährlich. Ich helfe ihnen dann und erkläre ihnen den Weg.“ Quelle: Max von Schwartz

Die Stadtverwaltung hat sich „intensive Gedanken zur Verkehrsführung“ gemacht, erklärt Stadtsprecherin Nicole Dorel auf LN-Anfrage. Fußgänger und Radfahrer auf einer Spur wäre grundsätzlich möglich, sagt Dorel: „Die Einschränkung des Kfz-Verkehrs Richtung Mühlentorteller wird als eher gering eingeschätzt.“

Verwaltung fürchtet erhebliche Rückstaus

Dennoch habe sich die Verwaltung für die jetzige Lösung entschieden. Denn stadteinwärts würde eine Verkürzung des Linksabbiegers in die Wallstraße sofort zu erheblichen Staus auf der Mühlentorbrücke führen. Nach Berechnungen der Stadt würde nur Platz für vier Linksabbieger bleiben. Die geradeaus fahrenden Fahrzeuge würden blockiert. Dorel: „Der Verkehr würde sich relativ schnell bis zum Kreisverkehr zurückstauen.“

Zumal die Mühlentorbrücke eine der wesentlichen Umleitungsstrecken für die erforderliche Vollsperrung der Possehlbrücke sei. Dorel: „Wir wollen hier nicht ein künstliches Nadelöhr schaffen.“ Der Umweg für Fußgänger betrage 120 Meter und sei dafür „völlig frei von unzumutbaren Gefahren“, erklärt die Stadtsprecherin. Die Hinweisschilder für Fußgänger würden überarbeitet.

Klicken Sie hier für weitere Bilder von der maroden Mühlentorbrücke.

Von Kai Dordowsky

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