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Lübeck Marc Marshall singt in Lübeck für die Tafelstiftung – Interview über Not, Scham und seinen Vater Tony
Lokales Lübeck Marc Marshall singt in Lübeck für die Tafelstiftung – Interview über Not, Scham und seinen Vater Tony
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19:00 14.02.2020
„Wir freuen uns, dass es ihn gibt“: Marc Marshall über seinen Vater Tony. Quelle: Kerstin Joensson/hfr
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Lübeck

Marc Marshall (56) hat wie sein Vater Musik studiert und war als Sänger unter anderem zwei Jahrzehnte mit dem Duo Marshall & Alexander erfolgreich. In vier Wochen startet in Baden-Baden wieder sein Jazz-Festival „Mr. M’s Jazz Club“, Ende des Jahres geht er auf Tournee. Im vergangenen Jahr hat er in den USA ein Album produziert, das dieses oder spätestens nächstes Jahr veröffentlicht werden soll.

Woher kommt Ihr Engagement für die Tafel?

Ich habe auch hier in Baden-Baden schon mehrmals für die Tafel gesungen. Wichtig ist mir dabei immer die Idee einer karitativen Einrichtung. Wichtig sind aber auch die Menschen, die dafür stehen. Ich muss vertrauen können. Für die Tafel Schleswig-Holstein habe ich vor zwei Jahren schon in Wahlstedt ein Benefizkonzert gegeben. Jetzt haben wir uns wieder getroffen, und ich habe gesagt: Klar, machen wir noch mal. Ich habe mich in Wahlstedt unheimlich wohl gefühlt. Das war mehr als nur ein Benefizkonzert.

Das Konzert

Die Tafelstiftung Schleswig-Holstein-Hamburg unterstützt die Arbeit von 5000 ehrenamtlichen Helfern an 60 örtlichen Tafeln in den beiden Bundesländern. Bei dem Konzert am 26. Februar (19.30 Uhr) im Hanseatischen Hof in Lübeck (Wisbystraße 7-9) wird Marc Marshall von dem Pianisten René Krömer begleitet. Karten sind für 30 Euro u.a. in den LN-Geschäftsstellen oder im Internet über shop.luebeck-ticket.de erhältlich. Die Einnahmen kommen der Tafelstiftung zugute. Der Hanseatische Hof stellt die Räumlichkeiten kostenlos zur Verfügung. Vorstandsvorsitzender der Tafelstiftung ist Bernd Jorkisch, Schirmherr Ministerpräsident Daniel Günther.

Haben Sie schon mal geholfen bei der Essensausgabe der Tafel?

In Baden-Baden ja, in Schleswig-Holstein noch nicht. Aber das ist eine gute Idee. Ich habe schon öfter geholfen, Menschen Essen zu geben, nicht nur bei der Tafel. Das ist ein sehr ambivalentes Gefühl. Auf der einen Seite sieht man diese freudigen Gesichter, wenn sie sich denn öffnen. Manche sind natürlich auch voller Scham, was mir sehr leidtut. Das andere ist die eigene Scham, weil man sieht, wie gut es einem geht und mit welchen Dingen man im Alltag hadert, ohne zu begreifen, wie wertvoll es ist, dass man zu essen hat, ein Bett und ein Dach über dem Kopf. Das sind gerade für Menschen wie mich, die so beschenkt sind vom Leben, sehr, sehr wichtige Momente. Und es ist wichtig, diese Eindrücke an seine Umgebung weiterzugeben. Ich rede mit meinen Kindern darüber, mit meinen Freunden. Jeder von uns kann irgendwann an einer solchen Stelle stehen und warten, dass ihm jemand eine warme Suppe gibt. Das geht so schnell. Aber das vergessen die Menschen, denen es gut geht, nur allzu oft.

Sind Sie ein politischer Mensch?

Ich bin jemand, der sich mit Menschen auseinandersetzt. Aber das ist keine Politik im institutionellen Sinne. Es wäre das gleiche, wenn Sie mich fragten, ob ich ein christlicher Mensch bin. Was die Werte angeht und die Auseinandersetzung mit meinem Dasein, bin ich sowohl Christ als auch politisch, weil ich versuche, Frieden zu stiften, mit meiner Musik, mit meinem Wesen. Ich versuche mich immer weiterzuentwickeln. Ich weiß, dass ich nicht perfekt bin, und arbeite an meinen Schwächen, auch an meinen Stärken. Insofern bin ich politisch, weil ich Teil dieser Gesellschaft bin. Und als Künstler und mediale Person muss man sich auch immer seiner Verantwortung als Vorbild bewusst sein.

Ein Lied mit dem Rapper Thomas D.

Sie haben auch mit Thomas D. von den Fantastischen Vier einen Song gegen die AfD gemacht.

Vor vier Jahren, da habe ich mich einfach geärgert. Es war im Grunde gegen alles, was extrem ist, nicht der Gerechtigkeit dient und Ideologien verbreitet, die auf Kosten anderer gehen. Ich habe kein Problem damit, wenn es Menschen gut geht. Aber bitte nicht zu Lasten anderer. Das ist ja im Prinzip das Problem dieser westlichen industrialisierten Welt. Dieser Gedanke lässt mich nicht los. Deswegen war ich sauer, dass die AfD vor vier Jahren in Baden-Württemberg in den Landtag eingezogen ist. Und damals war das alles noch vergleichsweise gemäßigt, was die Herrschaften von sich gegeben haben. Da hat mein Freund Thomas D. einen Post von mir gelesen, und daraus wurde dann dieses Lied. Aber damit ist es ja nicht getan. Es ist ein unentwegter Kampf. Und man darf die Dinge nicht bagatellisieren. Auch Donald Trump wurde Präsident, und kein Mensch hat es ihm zugetraut.

Sie arbeiten viel mit anderen Künstlern zusammen. Auf Ihrem letzten Album gibt es neben Songs mit Gregor Meyle und Cassandra Steen auch einen mit Ihrem Vater Tony Marshall.

Wir singen nicht so oft zusammen. Aber da dachte ich, es wäre schön, wenn ich ein Lied für uns beide schreibe. Es ist mehr ein Generationenlied. Man hört immer wieder, dass Menschen traurig sind, weil sie bestimmte Dinge nicht ausgesprochen oder gelöst haben. Da denke ich, man sollte keine Zeit verlieren. So entstand der Song. Und es ist natürlich schön, wenn man ihn mit dem eigenen Vater singen kann.

Er ist gerade 82 geworden.

In der vorigen Woche, und es geht ihm den Umständen entsprechend gut. Er ist gesundheitlich sehr angeschlagen, aber damit geht er sehr stolz und selbstbewusst um. Wir freuen uns, dass es ihn gibt. Wenn er auf der Bühne ist, geht es ihm am besten.

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