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Lübeck Bessere Kita-Betreuung: Grüne geraten unter Druck
Lokales Lübeck Bessere Kita-Betreuung: Grüne geraten unter Druck
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08:57 17.11.2017
Für 129 Kitas gibt die Hansestadt rund 55 Millionen Euro im Jahr aus. Das Land steuert 18,2 Millionen Euro dazu bei. Quelle: Foto: Felix König
Lübeck

Ein Sparbeschluss der Bürgerschaft von 2011 führte zu der Reduzierung der Öffnungszeiten in den Kitas. Gleichzeitig wurde die Zahl der Tage, an denen die Einrichtungen geschlossen sind, auf 30 angehoben. „16 Jahre haben Familien zur Konsolidierung der städtischen Finanzen beigetragen“, erklärt Christian Weise, Vorsitzender des Kreiselternbeirates, es sei Zeit, wieder etwas für Familien zu tun. Die Reduzierung der Schließtage in den Kitas von 30 auf 20, wie sie SPD und GAL in der nächsten Bürgerschaft fordern, kostet die Stadt nach Berechnungen der Verwaltung 1,88 Millionen Euro zusätzlich. „Das Geld wird im Haushalt 2018 zur Verfügung gestellt“, beantragen SPD und GAL.

Seit Monaten kämpfen Elterninitiativen und Elternvertretungen dafür, dass die Zahl der Schließtage von derzeit 30 auf 20 im Jahr reduziert wird. SPD und GAL beantragen das in der nächsten Bürgerschaft, brauchen aber die Grünen für die Mehrheit. Die aber zieren sich noch.

Auf einer Veranstaltung mit Kita-Expertinnen, zu der die Grünen geladen hatten, sollte die Partei Farbe bekennen. Die GAL-Bürgerschaftsabgeordnete Katja Mentz: „Wann entscheiden sich die Grünen? Ich wünsche mir ein baldiges Zeichen der Partei.“ Darauf hoffen auch die Elterninitiativen und Elternvertretungen, denn SPD, GAL und Grüne hätten eine klare Mehrheit in der Bürgerschaft. „Wir treffen unsere Entscheidung basisdemokratisch vor der Bürgerschaftssitzung“, sagt Grünen-Fraktionschefin Michelle Akyurt, „bitte geben Sie uns Zeit zur Abwägung.“ Denn jeder Euro, der in die bessere Kita-Betreuung fließe, falle für andere Aufgaben weg. Akyurt: „Wir müssen gucken, ob wir das wuppen können.“ Außerdem müsse man diskutieren, ob nicht eine Vereinheitlichung der Schließzeiten in allen Kitas und Betreuten Grundschulen den Familien mehr helfen würde, wendet Grünen-Kreisvorsitzender Thorsten Fürter ein. GAL- Politikerin Mentz: „Wenn die Grünen sich nicht an einer grundsätzlichen Verbesserung der Elternsituation beteiligen, brauchen die in meinen Augen nicht zur Kommunalwahl anzutreten.“

Die von den Grünen geladenen Kita-Expertinnen stoßen ins gleiche Horn. Claudia Hesper-Reichwald, die die Unizwerge am UKSH leitet: „Die Kommunen geben so viel Geld für Blödsinn aus, hier geht es um potenzielle Steuerzahler.“ Die Unizwerge haben fast das ganze Jahr über geöffnet, betreuen täglich über 15 Stunden und zählen 190 Kinder. Die Leiterin: „Die Stadt muss zurück zu den Zeiten von vor 2001.“ Juleka Schulte- Ostermann von der Initiative Hort- retter fordert die Reduzierung der Schließtage auf null. Außerdem soll die Stadt die noch bestehenden Horte nicht schließen, damit Härtefälle abgefangen werden können. Jenny Scharfe von der Elterninitiative für Vereinbarkeit von Familie und Beruf: „30 Schließtage, die an jeder Einrichtung anders sind, und Tagesöffnungszeiten von 8,5 Stunden, die für Vollzeitbeschäftigte nicht reichen, sind das Hauptproblem.“ Bei der Grünen-Veranstaltung schilderten zwei junge Frauen, die aus Mecklenburg-Vorpommern nach Lübeck gezogen sind, wie schwierig die Kita-Betreuung in der Hansestadt ist. „Ich bin zutiefst schockiert“, erklärte eine der beiden.

Aus einer anderen Welt berichtete Annekathrin Staub, Vorstandsassistentin bei Euroimmun. Vier Kitas leistet sich das Unternehmen, eine davon in Lübeck. 178 Kinder werden von 56 Mitarbeitern betreut.

Lange Öffnungszeiten und wenige Schließzeiten sind selbstverständlich. Wenn Personal gebraucht wird, stellt Euroimmun eben eine dritte Erzieherin für eine Gruppe ein. Staub: „Wir leisten uns das.“

Staubs Tipp für bessere Kita-Betreuung: „Erzieherinnen unbefristet einstellen, ihnen gutes Geld bezahlen und die Gruppen klein halten.“

Von Kai Dordowsky

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