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Lübeck Geschäftswelt im Umbruch
Lokales Lübeck Geschäftswelt im Umbruch
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16:10 13.01.2019
Mut zur Erweiterung: Kerstin Kriese ist mit „Abessa“ jetzt an zwei Standorten in der Fleischhauerstraße ansässig. In der Nummer 44 eröffnet sie in Kürze ihren Laden mit Café, in der Nummer 54 findet künftig ausschließlich die Produktion statt. Quelle: Lutz Roeßler
Lübeck

 In den vergangenen Monaten hat sich in der Lübecker City eine Menge bewegt: Geschäfte, Galerien und Restaurants haben geschlossen, andere sind nachgerückt. Gerade in den sogenannten Rippenstraßen tut sich eine Menge, während die Entwicklung in der unteren Breiten Straße eher negativ ist.

„Mit Freude beobachten wir, dass sich neue, inhabergeführte Geschäfte, Restaurants, Cafés und Galerien in den Rippenstraßen niederlassen. Das ist eine echte Bereicherung für unsere schöne Hansestadt, für deren Bürger und die vielen Gäste aus dem In- und Ausland“, sagt Olivia Kempke, Geschäftsführerin des Lübeck-Managements. Sorge hingegen bereiteten die Flächenveränderungen in der „Highstreet-Lage“, deren Aufmerksamkeit längst aus dem Fokus der Expansionsabteilungen interessanter Konzerne gerückt zu sein scheine. Kempke: „Lübeck gehört nicht mehr zu den Top-Ansiedlungszielen namhafter Unternehmen.“

Trostlos: Die ehemalige Fielmann-Filiale in der Breiten Straße steht seit dem Umzug vor mehr als einem Jahr leer. Quelle: Lutz Roeßler

Filialisten gehen raus

Konkret geht es um die untere Breite Straße, das Teilstück von der Dr.-Julius-Leber-Straße bis zur Beckergrube, insbesondere auf der rechten Seite Richtung Beckergrube: Seit Fielmann sich Ende 2017 in der Breiten Straße 33 vergrößerte, steht die ehemalige Filiale leer. Auch Roland Schuhe hat inzwischen geschlossen, die Immobilie steht aktuell ebenfalls leer, genauso wie die Räume von „Yourfone“, „Jack + Jones“ und „Vero Moda“. Letzterer hat allerdings auf der gegenüberliegenden Seite der Fußgängerzone eröffnet.

Doch auch dort steht in Kürze ein Auszug an: Im April schließt „Esprit“ seinen Store in der Breite Straße, wie die Unternehmensleitung bestätigt. Begründet wird das mit dem Auslaufen des Mietvertrages und fehlender Einigung mit dem Vermieter. Aber man habe dafür bereits Ende November den Franchise-Store im Citti-Park übernommen.

Mieten zu hoch?

Gleich zwei Antworten, die aufhorchen lassen. Zu hohe Mieten, mangelndes Entgegenkommen der Vermieter – das ist immer wieder zu hören. Dabei weiß Olivia Kempke „von Vermietern in der Breiten Straße, die die Miete erheblich gesenkt haben, aber dennoch nicht neu vermieten konnten.“

„Weiteren Ausbau auf der grünen Wiese verhindern“

Dass der Online-Handel nicht gerade förderlich für den Einzelhandel in den Städten ist, ist kein spezifisch lübsches Problem und kann von der Hansestadt nur schwer beeinflusst werden. Aber: „An anderen, wichtigen Stellschrauben kann durchaus gedreht werden“, so Kempke. Dazu gehöre eine verantwortungsbewusste Ansiedlungspolitik mit Augenmaß.

Hartmut Richter, Präses der Lübecker Kaufmannschaft, sieht das ähnlich: „Der Handel in der Innenstadt steht vor der Herausforderung, dass die Bequemlichkeit des Internets und der Grünen Wiese die Kunden locken. Um die Stadt attraktiv zu halten, müssen wir dem mit einer kunden- und verbraucherfreundlichen Verkehrsführung begegnen und den weiteren Ausbau der Verkaufsflächen auf der Grünen Wiese verhindern.“ An erster Stelle, so Richter, „muss das klare Bekenntnis für den Standort Innenstadt als Hauptzentrum Lübecks stehen – und zwar von allen Beteiligten.“

Und Rüdiger Schacht, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK zu Lübeck, sieht zwar die touristische Entwicklung der Hansestadt und die daraus resultierenden Investitionen als sehr erfreulich an, aber:  „Der konventionelle, stationäre Einzelhandel hat dagegen im letzten Quartal etwas an Schwung verloren.“ Nach der neuesten Konjunkturumfrage der IHK zu Lübeck bezeichne jeder dritte Einzelhändler seine wirtschaftliche Situation als schlecht. 17,5 Prozent der Unternehmen meldeten eine gute Lage, 52,5 Prozent eine befriedigende Situation.

Aber nur mit einer entsprechenden Verkehrs- und Ansiedlungspolitik ist es nicht getan. Kempke postuliert, auch die „stete Bereitschaft zur Veränderung durch die Wirtschaftsakteure selbst“ sei unabdingbar für eine positive Innenstadtentwicklung. „Jeder Moment in der Stadt muss zu einem echten Erlebnis werden.“

Ideen sind gefragt

Vielleicht gehen da Ideen wie der lose Zusammenschluss von Geschäftsleuten aus der Hüxstraße unter dem Namen „Lübecks Ladenhüter“ in die richtige Richtung: Man wolle, sagt Thomas Jespersen von der Galerie „Ansichtssache“, in gewissen Situationen mehr zusammenstehen, „nicht nur verkaufen, sondern auch etwas bewegen.“ Auch Kati Michaelsen von Michaelsen Living sagt: „Wir wollen die Innenstadt stärken.“ Es gehe um die Altstadtinsel, weshalb auch andere Straßen bei den „Ladenhütern“ willkommen seien.

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Sabine Risch