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Lübeck Am neuen UKSH in Lübeck: Beton-Labyrinth für Rollstuhlfahrer
Lokales Lübeck Am neuen UKSH in Lübeck: Beton-Labyrinth für Rollstuhlfahrer
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18:26 25.11.2019
Sieht rechts nichts, sieht links nichts, und steil ist es auch noch: Für André Rose ist der neue Rollstuhlzugang am UKSH eine Zumutung. Quelle: Holger Kröger
Lübeck

Ihn macht so etwas richtig sauer. „Wie kann man das so bauen? So etwas gibt es doch gar nicht“, schimpft André Rose. Der 38-Jährige ist momentan Patient in der Uniklinik in Lübeck. Wegen eines diabetischen Fußleidens ist der Lübecker auf den Rollstuhl angewiesen – und somit auch auf den neuen rollstuhlgerechten und barrierefreien Zugang zum Haupteingang der Klinik.

„Ich fühle mich wie ein Vieh, das zur Schlachtbank muss“

„Barrierefrei? Das ist nicht barrierefrei, das kann mir keiner erzählen“, sagt Rose. „Wenn ich da reinrolle, dann sehe ich nichts als grauen Beton. Die Wände sind viel zu hoch, da kann man sitzend nicht rüberschauen.“ Insgesamt acht Mal müssen Rollstuhlfahrer scharf abbiegen, um den Haupteingang des UKSH zu erreichen – ein Labyrinth aus Beton.

Der Neubau des UKSH in Lübeck wurde gerade fertiggestellt, schon gibt es Kritik: Der Rollstuhlzugang zum Haupteingang sei zu steil, die Betonwände zu hoch. Geändert wird allerdings nichts. Wir zeigen Bilder von der Situation vor Ort.

„Ich fühle mich wie ein Vieh, das zur Schlachtbank geführt wird. Hätte man da nicht irgendetwas aus Glas machen können?“, fragt Rose. „So ist es wirklich ein ziemlich beklemmendes Gefühl. Das ist doch kein Zustand.“

Handläufe und Rollenführung werden noch eingebaut

Gerade wurde der250 Millionen Euro teure Neubau des UKSH in Lübeck eröffnet. Dass an dem Rollstuhlzugang noch etwas Substanzielles verändert wird, glaubt Oliver Grieve, Sprecher des UKSH, nicht. „Die Höhe der Wände ergibt sich aus den baurechtlichen Bestimmungen“, sagt Grieve. „Da können wir nichts machen. Das wird so bleiben müssen.“

Ein paar weitere Baumaßnahmen werden nach Angaben von Grieve aber noch vorgenommen. „Es werden in der nächsten Zeit noch Handläufe kommen, und in den Kurven wird eine Rollenführung eingebaut, damit das Rollstuhlfahren in den Kurven erleichtert wird.“

„Auf halber Strecke hatte ich keine Kraft mehr“

Nicht nur die hohen Betonwände stören André Rose, der Rollstuhlzugang ist ihm auch viel zu steil. „Auf halber Strecke hatte ich keine Kraft mehr und dachte nur: ,Wer schiebt mich jetzt’?“, sagt der Gastronomie-Angestellte. „Beim Herunterfahren musste ich immer mit einem Fuß abbremsen, um nicht an eine Betonwand zu klatschen.“

Oliver Grieve kann die Anregungen zwar verstehen, aber auch in diesem Fall ist wohl keine Besserung in Sicht. „Ein behindertengerechtes Gefälle beträgt unter sechs Prozent“, erklärt Oliver Grieve. „Wir haben hier genau 5,9 Prozent. Weil wir diesen Wert einhalten mussten, haben wir auch serpentinenartig gebaut.“ Anders sei es baurechtlich und architektonisch nicht möglich gewesen.

Behindertenbauftragter: „Grauenvoll!“

Dirk Mitzloff, stellvertretender Behindertenbeauftragter des Landes, beschreibt das Bauwerk auf dem neuen UKSH-Gelände mit nur einem Wort: „Grauenvoll!“ Er kann sich nicht vorstellen, dass der Architekt jemals Kontakt mit Rollstuhlfahrern hatte. „Ich würde mir wünschen, dass er mal selbst mit einem Rollstuhl da durchfährt.“

Mitzloff kennt auch keine Bauvorschrift, die so hohe Wände vorsieht, dass man im Rollstuhl nicht mehr darüberschauen kann. „Außerdem muss innerhalb des Rollstuhlzugangs für Orientierung in Form von Schildern oder Markierungen an Boden und Wänden gesorgt werden. Handläufe sind da schon ganz gut.“

Patienten und Besucher beschweren sich

Oliver Grieve hofft, dass alle Besucher und Patienten das UKSH dennoch gut erreichen können. „Ich bedaure es natürlich, wenn wir nicht jedermanns ästhetischen Geschmack getroffen haben, aber Baurechte sind nun einmal einzuhalten.“

Um Ästhetik geht es André Rose nicht unbedingt. Seit zwei Wochen ist er im Krankenhaus, drei muss er voraussichtlich noch bleiben. „Ich versuche irgendwie, dieses Labyrinth aus Beton zu meiden, wenn es geht“, sagt Rose, der auch viele Beschwerden anderer Patienten und Gäste des UKSH über den Rollstuhlzugang mitbekommen hat. „Die Mitarbeiter können ja auch nichts machen, das verstehe ich. Aber wenn ich den Architekten treffen sollte, dann werde ich ihm ein paar Takte erzählen.“

Lesen Sie hier alle Berichte über das UKSH in Lübeck auf LN-Online.de

Von Hannes Lintschnig

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