Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck Bewohner fordern Schutzwall für den Priwall
Lokales Lübeck Bewohner fordern Schutzwall für den Priwall
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:18 09.01.2019
Hochwasser-Schwachpunkt Nr. 1: Der Fährvorplatz war am 2. Januar überflutet, Autos wurden am Nachmittag nicht mitgenommen.
Hochwasser-Schwachpunkt Nr. 1: Der Fährvorplatz war am 2. Januar überflutet, Autos wurden am Nachmittag nicht mitgenommen. Quelle: Thomas Krohn
Anzeige
Travemünde

Nach dem Hochwasser vom 2. Januar, bei dem die Trave- und Ostseefluten den Priwall teilweise überschwemmten und die Halbinsel für mehrere Stunden von der Außenwelt abgeschnitten war, schlagen die Wellen buchstäblich hoch bei zahlreichen Bewohnern. Logisch, dass der Verein Gemeinschaft der Priwallbewohner das Thema spontan zum Top-Punkt seines monatlichen Informationsabends machte.

Hochwasser in Lübeck: Obertrave läuft voll und erreicht die Wohnhäuser.

Und das Interesse war groß, denn im Restaurant Seglermesse blieb kaum ein Platz unbesetzt. Gekommen waren außer etwa 80 Priwallianern auch Ortsrats-Chef Gerd Schröder (CDU) sowie andere Vorstandsmitglieder des Travemünder Gremiums. Eine von vielen Forderungen war der Bau eines Schutzwalls an der Mecklenburger Landstraße zur Pötenitzer Wiek sowie die Errichtung von Verkehrs- und Fluchtwegen.

Zwei Schwachpunkte

Vor den Diskussionen hatten die Vorstandsmitglieder Frank Scharlaug und Johanna Rosenwald Fotos des Hochwassers vom 2. Januar gezeigt. Schwachpunkte seien eindeutig der Fährvorplatz sowie die Mecklenburger Landstraße an der Landesgrenze, denn beide seien am Nachmittag nicht mehr passierbar gewesen. Überflutet war auch die Salzwiese auf dem südlichen Priwall, auf der eine Schafherde zu ertrinken drohte. Das Wasser lief zudem in die Alte Werft, in den Kohlenhof sowie in den angrenzenden Wald.

Hochwasser-Schwachpunkt Nummer 2: Die Mecklenburger Landstraße stand am 2. Januar bis über die Landesgrenze hinaus unter Wasser. Quelle: Thomas Krohn

Wie sich andere Ostseebäder gegen das Hochwasser schützen, zeigte Johanna Rosenwald anhand von Bildern aus Niendorf, Timmendorf und Scharbeutz. Dort haben die Gemeinden Wälle, Zäune und Fluttore gebaut. „Die sind eben nicht von der Stadt Lübeck abhängig, sondern haben das alles in eigener Regie gemacht“, so Rosenwald.

Bewohner fordern Schutzmaßnahmen

Scharlaug stellte fest: „Wir wollen keinen Landschaftsschutzdeich.“ Um die Priwallbewohner und deren Hab und Gut zu schützen, sei jedoch der Bau von Verkehrs- und Fluchtwegen, der Ausbau der Mecklenburger Landstraße zu einem Hochwasserschutzdamm, die Erhöhung der Straße sowie ein Schutzwall zur Pötenitzer Wiek notwendig. Als weitere Maßnahmen schlägt er technische Vorrichtungen wie den Einbau von Rückstauarmaturen in der Kanalisation und sielartigen Verschlussorganen, damit das Wasser nicht über die Kanäle zurück auf den Priwall laufen kann, vor.

Keine Reaktion von der Stadt

Von mehreren Seiten hagelte es harsche Kritik an Innen- und Umweltsenator Ludger Hinsen (CDU). Gemeinschafts-Vorsitzender Eckhard Erdmann stellte fest, dass nach einer Ortsbesichtigung im November 2017 mit dem Senator und dem Ortsrat keine weitere Reaktion erfolgt sei. Vor allem die Anregung, mit Mecklenburg eine gemeinsame Lösung anzustreben, sei nicht verfolgt worden.

„Wir dürfen nicht länger so tun, als wäre alles nicht so schlimm“, forderte Erdmann. Ortsrats-Vorsitzender Schröder: „Wir fühlen uns von der Stadt alleingelassen.“ Zur nächsten Sitzung des Gremiums, die am 13. Februar auf dem Priwall stattfinden soll, habe er den Innensenator eingeladen. „Der muss kommen“, fordert Schröder. „Da gibt es keine Ausrede mehr.“

Kritik an der Polizei

Thorsten Clausen, Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Priwall, die am 2. Januar gemeinsam mit den Wehren aus Travemünde, Dummersdorf und Lübeck auf der Halbinsel viele Stunden im Einsatz war, bemängelte die fehlende Präsenz der Polizei an diesem Tag. „Die haben sich sehr rar gemacht, genauer gesagt, die waren überhaupt nicht vor Ort.“

Der Vorschlag eines Besuchers, dass der Stadtverkehr Lübeck über seine Internetseite in einem Live-Ticker informieren könnte, ob die Fähren überhaupt fahren, stieß auf allgemeine Zustimmung. Wehrführer Clausen warnte jedoch: „Das funktioniert nur, wenn das mit der Polizei in Mecklenburg abgestimmt wird. Wenn nämlich auf der anderen Seite des Priwalls abgesperrt ist, kommen die Autos nicht mehr weg.“ Dazu ein anderer Besucher: „Ich habe beim letzten Hochwasser an der Landesgrenze mit einer Polizeistreife von Mecklenburg gesprochen. Die sagten mir: ‚Sie meinen ja wohl nicht im Ernst, dass wir uns mit der Feuerwehr Lübeck in Verbindung setzen.‘“

Thomas Krohn