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Lübeck Bis zu 30.000 Euro Strafe: Lübeck stoppt Ferienwohnungen in der Altstadt
Lokales Lübeck Bis zu 30.000 Euro Strafe: Lübeck stoppt Ferienwohnungen in der Altstadt
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14:45 13.06.2019
Lübecks Altstadtinsel: Die Stadt will keine weiteren Ferienwohnungen in der Innenstadt. Quelle: Timon Ruge
Lübeck

Lübeck will keine Airbnb-Altstadt werden: Deshalb verbietet die Stadt Ferienwohnungen auf der Altstadtinsel. Die neuen Regeln dazu liegen jetzt vor. Sie werden am Montag im Bauausschuss diskutiert – und Ende Juni mit den Bürgern. Dann muss die Bürgerschaft sie endgültig beschließen. Ab Herbst sollen sie gelten. Das sind die wichtigsten Fakten.

Bürger können sich informieren

Die Stadt stellt die neuen Regeln am Mittwoch, 26. Juni, um 19 Uhr in der Oberschule zum Dom vor. Dort können sich alle Interessieren über die neue Erhaltungssatzung informieren. Außerdem wird die neue Satzung vier Wochen lang öffentlich ausgelegt – bis Ende Juli. Jeder kann dazu Anregungen und Hinweise geben.

Strafe von bis zu 30 000 Euro

„Das Ziel ist, den Wohncharakter der Altstadt zu erhalten“, sagt Karl-Heinz Bresch von der Stadtplanung. Daher werden die neuen Regeln in einer Satzung festgeschrieben. Der offizielle Titel: Satzung zur Erhaltung der Zusammensetzung der Wohnbevölkerung in der Lübecker Altstadt. Wer dagegen verstößt, muss mit einer Straße von bis zu 30 000 Euro rechnen.

Illegale Ferienwohnungen: Es gibt 100 in der Altstadt

Der Hintergrund: Es gibt rund 280 Ferienwohnungen auf der Altstadtinsel. Sie werden auf Internet-Plattformen wie Airbnb angeboten. Dabei vermieten Privatleute Wohnungen auf der Altstadtinsel an Gäste. Davon sind gut 100 Ferienwohnungen illegal. Die Stadt verschickt in den nächsten Wochen dazu sogenannte Nutzungsuntersagungen. Denn die Touristen-Unterkünfte wurden nie als solche beantragt und auch nie von der Stadt genehmigt. Selbst mit Antrag hätte die Stadt eine Nutzung als Ferienwohnung abgelehnt, denn die Unterkünfte haben ihre Adressen in Höfen und Gängen. Oder sie sind in sogenannten Kleingebäuden untergebracht. Das aber ist nach der geltenden Erhaltungssatzung von 1979 verboten.

Bestandsschutz gilt für 175 Ferienwohnungen

Daneben gibt es weitere 175 Ferienwohnungen in Mehrfamilienhäusern. Diese genießen Bestandsschutz. Allerdings: Auch sie sind illegal. Denn die Nutzung als Ferienwohnung wurde nie bei der Stadt beantragt und daher auch nie genehmigt. Der Unterschied zu den Touristen-Apartments in Gängen und Höfen: Die Stadt hätte die Ferienwohnungen in Mehrfamilienhäusern genehmigen müssen, da in der Satzung von 1979 nur Ferienwohnungen in Kleingebäuden verboten sind, nicht aber welche in Mehrfamilienhäusern. Das wird sich mit der neuen Satzung ändern.

Keine Genehmigung für Touristen-Apartments

Allerdings: Wer jetzt glaubt, findig zu sein und schnell noch seine Ferienwohnung in einem Mehrfamilienhaus genehmigen lassen will, kommt zu spät. Die Bürgerschaft hat bereits am 30. August 2018 beschlossen, dass sie Ferienwohnungen auf der Altstadtinsel verbieten will. Daher werden seit diesem Zeitpunkt keine Anträge auf Genehmigung einer Touristen-Unterkunft mehr bearbeitet. Das betrifft bislang zwei bis drei Fälle.

So wird in der Altstadt gelebt

Auf der Altstadtinsel leben 14 100 Lübecker. Sie wohnen in 9660 Wohnungen. Damit leben die meisten Altstadt-Bewohner allein in ihrer Wohnung - fast jeder zweite. Der Anteil der Single-Haushalte beträgt 70 Prozent.

In der Altstadt sind die meisten Bewohner mit ihrem Hauptwohnsitz angemeldet – 96 Prozent. Mit Zweitwohnsitz in der Altstadt sind 3,8 Prozent gemeldet. Zum Vergleich: In Travemünde sind 8,8 Prozent mit einem Zweitwohnsitz angemeldet.

Die neuen Regeln

Das ändert sich: Die neue Satzung verbietet Ferienwohnungen auf der Altstadtinsel – generell. Egal ob in kleinen Häusern oder großen Häusern. Egal ob in Gängen, Höfen oder Geschäftsstraßen. Damit will die Stadt den Trend stoppen, dass immer mehr Wohnungen in der Altstadt zu Ferienwohnungen werden. Etwas anders sieht es mit Gästezimmern für Touristen aus. Die sind erlaubt, müssen aber genehmigt werden. Dazu muss der Eigentümer einen Antrag auf Nutzungsänderung stellen – bei der Bauaufsicht in der Bauverwaltung. Das gilt auch, wenn jemand eine Wohnung in ein Büro, eine Praxis oder ein Atelier umwandeln will.

Gästezimmer für Touristen

Wichtig: Im Falle von Gästezimmern prüft die Stadt jeden Einzelfall. Das kann zwei bis drei Monate dauern. Das Hauptkriterium für eine Genehmigung: Der Hauptzweck der Wohnung muss das Dauerwohnen sein. Das Ferienwohnen muss deutlich geringer ausfallen. Beispiel: Wer eine Fünf-Zimmer-Wohnung hat, kann ein Zimmer als Gästezimmer vermieten. Wer indes eine Fünf-Zimmer-Wohnung hat und vier Zimmer an Touristen vermietet, darf das nicht.

Vermietung während des Urlaubs

Und: Eine Genehmigung bei der Stadt muss beantragen, wer ein Jahr im Ausland lebt und seine Wohnung für die Vermietung an Touristen frei gibt – beispielsweise an eine Agentur. Aber: Keine Genehmigung der Stadt wird gebraucht, wenn jemand nur in den Urlaub fährt und seine Wohnung an Touristen vermietet. Da ändert sich die Nutzung der Wohnung nicht dauerhaft. Als Urlaub gilt ein Zeitraum von bis zu acht Wochen. Und: Keine Genehmigung beantragen muss, wer seine Wohnung in dem Zeitraum für ein Jahr untervermietet, beispielsweise an Studenten. Das gilt als dann Untervermietung.

Josephine von Zastrow

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