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Lübeck Blankensee geht das Geld aus: Flughafen meldet Insolvenz an
Lokales Lübeck Blankensee geht das Geld aus: Flughafen meldet Insolvenz an
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16:58 24.04.2014
Kein Geld mehr: Gestern hat der Lübecker Flughafen Insolvenz angemeldet. Quelle: Wolfgang Maxwitat
Lübeck

Kein Geld mehr: Gestern hat der Lübecker Flughafen Insolvenz angemeldet. Das Amtsgericht Lübeck hat ein Verfahren eröffnet. Als vorläufiger Insolvenzverwalter wurde der Hamburger Anwalt Professor Klaus Pannen bestellt. Er war gestern nicht zu erreichen. Beantragt hat die Insolvenz Siegmar Weegen (49). Er ist seit Dienstag Not-Geschäftsführer. Das bestätigt eine Sprecherin des Amtsgerichts gegenüber den LN.

„Im jetzt beginnenden Insolvenzverfahren kann ein Stück Hoffnung liegen“, gibt sich Bürgermeister Bernd Saxe (SPD) zuversichtlich. Vor allem hätten die knapp 100 Airport-Mitarbeiter „nun für einige Monate wieder ein gesichertes Einkommen“. Seit 15. April warten die Beschäftigten auf ihr Gehalt. Bereits im März verzögerte sich die Auszahlung. Erst mit elf Tagen Verspätung wurden die Löhne und Gehälter überwiesen.

Auf den Flugbetrieb hat die Insolvenz keine Auswirkung. „Für die oberste Luftfahrtbehörde ist der sichere Flugbetrieb nach wie vor gewährleistet“, erklärt ein Sprecher des Verkehrsministeriums in Kiel. Die Luftverkehrsbehörde hat ein Büro am Airport und beobachtet die Entwicklung. Der Sprecher: „Bislang war nur ein Betriebsleiter vor Ort, nun wurde auch noch ein Not-Geschäftsführer bestellt.“ Diese Konstruktion sei allerdings auch für die Kieler Behörden ein Novum.

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Das Amtsgericht Lübeck hat Weegen am Dienstag als Not-Geschäftsführer eingesetzt – auf Antrag der beiden Verkehrsleiter des Flughafens und der Condor Flim Gesellschaft. Weegen will sich nicht dazu äußern. Er war erst Ende März als Flughafen-Chef zurückgetreten – aus gesundheitlichen Gründen. Er wollte die Zahl seiner Arbeitstage reduzieren und in die zweite Reihe treten. Investor Mohamad Rady Amar (61) sollte Geschäftsführer werden. Doch der tauchte klammheimlich ab und verkaufte alle Anteile am Flughafen, auch der saudi-arabische Geldgeber stieg aus. Jetzt ist Adam Wagner (62) Inhaber des Flughafens, bis gestern war er auch Geschäftsführer. Doch da der Mann nicht auffindbar ist, hat das Amtsgericht nun Weegen als neuen Chef bestellt, damit der Flughafen wieder handlungsfähig ist.

„Es ist unverantwortlich von den Eigentümern und dem eigentlichen Geschäftsführer, das Unternehmen drei, fast vier Wochen alleingelassen zu haben“, kritisiert Saxe. Mit Weegen habe jetzt wieder jemand die Führung übernommen, der das Unternehmen kenne und wisse, was zu tun ist. Saxe: „Das beendet die Krise nicht, gibt aber Handlungsfähigkeit zurück.“ Heute will Weegen mit den Mitarbeitern sprechen und dann an die Öffentlichkeit gehen, sagt Flughafen-Sprecherin Jana Bahrenhop.

Die Hansestadt ist nach Saxes Angaben nicht verpflichtet, den Flughafen zurückzunehmen. „Wir haben aber ein Wiederkaufsrecht für die Flächen, die wir an die Yasmina Flughafenmanagement veräußert haben“, erklärt Saxe. Für die Hansestadt bestehe zudem keine Pflicht, den Flughafen weiter zu betreiben. „Das Land hat die Betriebsgenehmigung erteilt, und Yasmina hat die Betriebsgenehmigung von uns übernommen“, so Saxe. Die Behörden in Kiel entscheiden darüber, ob der Regionalflughafen seine Betriebsgenehmigung behält. Saxe: „Die Stadt hat auch keine vertraglichen Bindungen an die Hauptkunden des Airports, Ryan air und Wizz Air.“

Von Josephine von Zastrow
und Kai Dordowsky