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Lübeck Breites Bündnis gegen K.o.-Tropfen
Lokales Lübeck Breites Bündnis gegen K.o.-Tropfen
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18:29 25.11.2013
Von Peer Hellerling
K.o. für K.o.-Tropfen: Catharina Strutz-Hauch (Frauennotruf, v.l.), Annette Eickhölter (Kinder- und Jugendschutz), Ingo Schaffenberg (SPD), Jens Baschant (Cargoschiff), Oliver Böhme (Parkhaus) und Matthias Kudruhs (Musikpark A1) beim Start der Kampagne. Quelle: Peer Hellerling
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Lübeck

Mit einem großen Bündnis startet ab sofort eine stadtweit angelegte Aufklärungskampagne zum Thema K.o.-Tropfen. Beteiligt sind nicht nur die Verwaltung, sondern auch sämtliche Parteien der Bürgerschaft, alle Sportvereine Lübecks und die Diskotheken. „Unser Wunsch ist, eine gute Aufklärung zu machen“, sagt Catharina Strutz-Hauch vom Frauennotruf. Daher sei eine gemeinsame Aktion, bei der alle an einem Strang ziehen, sehr wichtig.

Finanziert wird die Kampagne „K.o.cktail — Fiese Drogen im Glas“ durch das Sozialministerium. Der SPD-Landtagsabgeordnete Thomas Rother stellte den Kontakt her. Für 1050 Euro stehen 500 Plakate, 3000 Flyer und 2000 Infokarten in Scheckkartenformat zur Verfügung. Darauf steht, wie die Tropfen zu erkennen sind, wie man sich davor schützt und die Telefonnummer des Frauennotrufs. „Jeder muss wissen, was zu tun ist“, sagt Annette Eickhölter vom städtischen Kinder- und Jugendschutz.

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Vor allem die Diskotheken A1, Cargoschiff, Hüx und Parkhaus als Haupttreffpunkt junger Leute beteiligen sich an der Aktion. Laut Polizei sind sie vorrangig im Fokus von K.o.-Tropfen-Vorfällen. „Die Resonanz ist rundum positiv“, sagt Parkhaus-Geschäftsführer Oliver Böhme. Ebenso urteilt Jens Baschant vom Cargoschiff: „Wir müssen aber dringend den frei verkäuflichen Wirkstoff verbieten.“ Beide Discos haben seit längerem Plakate und Aufkleber angebracht. „Wir sehen K.o.-Tropfen durchaus als Problem“, sagt auch Matthias Kudruhs, Betriebsleiter des A1. Alle Discos sensibilisieren zusätzlich ihre Teams, nicht alle verwirrten Partygänger als betrunken abzutun. Die Infomaterialien sollen bereits dieses Wochenende in den Discos hängen und ausliegen.

Außerdem liegt das Infomaterial künftig in allen Jugendzentren, Stadtteilbüros, weiterführenden Schulen und der Jugendherberge. Die 146 Sportvereine Lübecks wurden ebenso ins Boot geholt, die Koordinierung übernimmt der Turn- und Sportbund. Zusätzlich beteiligen sich der Weiße Ring und die Polizei. „Präventive Maßnahmen begrüßen wir immer“, sagt Behördensprecher Stefan Muhtz.

K.o.-Tropfen werden unbemerkt in die Drinks geschüttet, Opfer sind vorwiegend junge Frauen, um sie auszurauben oder gar zu missbrauchen. „Die Mädchen werden müde, willenlos und fühlen sich benommen“, sagt Catharina Strutz-Hauch vom Frauennotruf. Äußerlich wirken sie bloß betrunken. Außerdem führen die Tropfen oft zu Gedächtnisverlust und sind maximal zwölf Stunden nachweisbar, was die Arbeit der Polizei erschwert. Aus diesem Grund sollen auch Rettungsdienst und Notaufnahmen weiter sensibilisiert werden — und entsprechende Tests nicht erst auf Nachfrage machen.

Ins Leben gerufen wurde die Initiative im März 2012. Damals nahm SPD-Bürgerschaftsmitglied Ingo Schaffenberg einen Verdachtsfall aus dem Januar zum Anlass. Der Politiker lud alle Disco-Betreiber, den Frauennotruf, die Polizei und Politik zu Gesprächen ein (die LN berichteten). Nun, knapp ein Jahr später, sieht er das Vorhaben als erfüllt an. „Die Türen waren bei allen weit offen“, sagt Schaffenberg. „Ich finde das Bündnis klasse.“ Zwar hätte alles sehr gern auch schneller gehen dürfen. „Aber ich bin zufrieden, dass wir es geschafft haben.“

Der SPD-Politiker stellt zudem klar, dass es sich bei der Kampagne um „keine Eintagsfliege“ handelt. Sobald das Infomaterial erschöpft sei, werde neues angefordert. Der Jugendhilfeausschuss werde sich mit dem Thema beschäftigen, um die Finanzierung notfalls aus städtischen Mitteln zu gewährleisten. Gregor Voht von den Freien Wählern verwies auf die „große Harmonie“ während der Gespräche innerhalb aller Parteien. „Bei den überschaubaren Kosten sollte es kein Problem sein, die Fortsetzung zu gewährleisten“, so Voht.

Fälle von K.o.-Tropfen

5 Verdachtsfälle wurden seit September registriert — davon bei zwei Männern. Bestätigt ist bislang keiner. Erschwerend kommt laut Polizei hinzu, dass bei den Opfern auch fast immer exzessiver Alkoholkonsum festgestellt wurde — die Symptome ähneln sich. Gamma-Hydroxy-Buttersäure (GBH), der Wirkstoff in K.o.-Tropfen, ist Bestandteil eines Narkosemittels.

Kneipen und Bars, die auch beim Aufklärungsbündnis mitmachen wollen, können sich Infomaterial beim Frauennotruf (Musterbahn 3) abholen oder beim Kinder- und Jugendschutz, Verwaltungszentrum Mühlentor.

Peer Hellerling