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Lübeck „Ideen aus der Mottenkiste“
Lokales Lübeck „Ideen aus der Mottenkiste“
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17:09 17.10.2018
VNW-Verbandsdirektor Andreas Breitner bei der Rede auf dem Richtfest der Neuen Lübecker in Eichholz. Quelle: Felix König
Lübeck

 Der Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW), zu dem in Lübeck die städtische Grundstücksgesellschaft „Trave“, die Neue Lübecker, der Lübecker Bauverein sowie die Bauhütte und die Vereinigten Baugenossenschaften gehören, lehnt Vorschläge des Mietervereins zur Behebung der Lübecker Wohnungskrise ab. „Das sind Ideen aus der Mottenkiste“, geht VNW-Direktor Andreas Breitner mit dem Mieterverein scharf ins Gericht. Weder eine Bekämpfung der Fehlbelegung von Sozialwohnungen noch die Gründung einer zweiten kommunalen Wohnungsgesellschaft würden Lübecks Probleme lösen. Breitner: „Die Vorschläge lenken von der eigentlichen Aufgabe ab, den Mangel an bezahlbarem Wohnraum zu beseitigen - bauen, bauen, bauen.“ Die Lübecker Wohnungsbaugesellschaften seien bereit, „jede Menge bezahlbare Wohnungen zu bauen, wenn man ihnen dafür die entsprechenden Baugrundstücke zu bezahlbaren Preisen zur Verfügung stellt“.

Thomas Klempau, Geschäftsführer des Mietervereins Lübeck, schätzt, dass rund 2400 der ohnehin zu wenigen Sozialwohnungen in der Hansestadt fehlbelegt sind. Grund: Menschen, die als bedürftige Mieter in eine solche Wohnung ziehen, müssen nur bei Einzug ihren Anspruch nachweisen – danach nicht mehr. Sie können in der billigen Wohnung bleiben, selbst wenn sie später gutes Geld verdienen. Klempau will diese Mieter nicht vertreiben, aber in regelmäßigen Abständen deren Bedürftigkeit überprüfen. Sollte die nicht mehr gegeben sein, sollen diese Mieter die Marktmiete zahlen. Gleichzeitig wandelt der Vermieter dieser Wohnung, die nicht mehr Sozialwohnung ist, eine andere freiwerdende Einheit in eine Sozialwohnung um. So würde sofort neuer bezahlbarer Wohnraum entstehen, erklärt Klempau.

„Wenn Haushalte mit höherem Einkommen plötzlich eine deutlich höhere Miete zahlen müssten, werden sie wegziehen“, prophezeit Andreas Breitner, „das haben die vergangenen Jahrzehnte gezeigt.“ Von 1992 bis 2004 gab es eine Fehlbelegungsabgabe in Schleswig-Holstein. Am Ende würden schwierige Quartiere übrig bleiben, sagt der Verbandsdirektor: „Ein Stadtteil , der unter der Fehlbelegungsabgabe und Wegzügen gelitten hat, ist Buntekuh. Es hat unsere Gesellschaft viele Jahre und zig Millionen Euro gekostet, die betroffenen Quartiere wieder zu stabilisieren.“ Eine Übertragung der sozialen Preisbindung auf eine gerade freigewordene Wohnung sei kaum umsetzbar. Breitner: „Die staatlichen Förderbedingungen schreiben in engen Grenzen die Wohnfläche und den Standard einer Sozialwohnung vor. Wer trägt die Mehrkosten, wenn die neue Wohnung beispielsweise zu groß ist?“ Doch Klempau hat dafür eine Lösung. „Ein etwaiger Differenzbetrag, den der Vermieter verzeichnet, könnte gegebenenfalls über Fördermittel kompensiert werden.“

Als völlig unverständlich bezeichnet der VNW-Direktor die Anregung des Mietervereins, eine zweite kommunale Wohnungsgesellschaft zu gründen. Geschäftsführer Klempau schwebt eine Gesellschaft vor, die ausschließlich bezahlbaren Wohnraum erstellt und keine Luxuswohnungen oder Reihenhäuser baut. Außerdem soll diese neue Gesellschaft die bezahlbaren Wohnungen über viele Jahrzehnte im Bestand haben und preiswert halten. Damit sich nicht wiederholt, was im Juni 2014 geschah, als über 2000 Sozialwohnungen in Lübeck aus der Preisbindung fielen. Die städtische Grundstücksgesellschaft „Trave“ sei ein Glücksfall für die Stadt, sagt dagegen Andreas Breitner, „ein zweites, möglicherweise dann unwirtschaftliches Unternehmen zu gründen, macht einfach keinen Sinn“.

Kai Dordowsky

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