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Lübeck Die gläsernen Welten der Bücherpiraten
Lokales Lübeck Die gläsernen Welten der Bücherpiraten
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19:01 28.01.2019
In dem Kulissenbau-Workshop beschäftigen die Jugendlichen sich mit dem Werk „Solange es hell ist“ von Alexandra Kui. Basierend auf ihren Vorstellungen und ihrem Verständnis der Geschichte, die sich rund um das Thema „Gläserne Welt“ dreht, bauen sie eine Kulisse. Quelle: Wolfgang Maxwitat
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 „Alexa, wie heißt der neue Bestseller von Marc-Uwe Kling?“ Natürlich kennt Alexa, der smarte Lautsprecher von Amazon, die Antwort auf die Frage: „Qualityland“. Und Alexa kennt auch die Antwort auf abertausende andere Fragen. Aber was sagt das über uns und über die Welt, in der wir leben aus? Was weiß Alexa über uns? Und wie gläsern sind wir? Das Thema „Gläserne Welt“, so haben es die Bücherpiraten entschieden, ist brandaktuell. Und deshalb lautet so auch der Titel ihrer 13. Jugendbuchtage.

Die „gläserne Welt“ geht über Datenklau und wachsende Transparenz hinaus

Lautsprecher Alexa, der Google Assistent und Co. sind aber nur ein kleiner Teil dessen. Unter den Begriff „gläserne Welt“ fällt von der persönlichen Zerbrechlichkeit über die wachsende Transparenz bis hin zum Datenklau sehr viel mehr. Auf der Suche nach Glas wird man so auch in Büchern schnell fündig: gläserne Schuhe, gläserne Särge, gläserne Türme, Spiegel oder Schneekugeln. Aus diesem Grund haben sich 25 Jugendliche der Bücherpiraten dazu entschlossen haben, sich knapp ein Jahr mit eben diesem Thema auseinanderzusetzen.

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„Das Thema bietet eine große Bandbreite und ist sehr vielschichtig, was es für uns spannend macht“, sagt Kathrin Breitsameter (17) aus Lübeck. Zusammen mit fünf weiteren Jugendlichen beschäftigt sie sich während der Jugendbuchtage unter anderem in dem Kulissenbau-Workshop von Barbara Steinitz mit dem Werk „Solange es hell ist“ von Alexandra Kui. Und zwar deshalb, weil es auch in Kuis Buch um eine Form der gläsernen Welt geht. So viel sei vorweggenommen: Am Ende zerbricht sie.

„Eigentlich geht es um ein total trauriges Thema, aber das Buch bleibt dabei trotzdem immer hoffnungsvoll. Das ist mit der Grund dafür, weswegen wir uns gerade dieses Buch ausgesucht haben“, erklärt Luise Pohlmann (17), Mitorganisatorin des Festivals. Und das Spannende: Kui wird persönlich zu einer Lesung vorbeikommen. „Wir sind gespannt, wie sie unsere Kulissen finden wird.“

Die Jugendlichen haben sich dem Thema auf künstlerische Art genähert

Martin Gries, Pädagogischer Leiter der Bücherpiraten, ist stolz auf das, was seine jungen Schützlinge auf die Beine gestellt haben: „Ich werde hier als wandelnde Gebrauchsanweisung bezeichnet – gebe also Tipps, aber organisiert und zustande gebracht haben das allein die Jugendlichen. Das ist richtiges Veranstaltungsmanagement, was sie hier lernen.“ Zur Organisation des Festivals gehören allerdings nicht nur administrative Tätigkeiten, wie das Kontaktieren von Verlagen und mögliche Sponsoren. Auch die inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Thema ist von großer Bedeutung. „Sie haben sich dem Thema künstlerisch genähert, Essays, Gedichte und Geschichten geschrieben, viel gelesen, sich ausgetauscht und diskutiert. So ist aus der anfänglichen Idee nach und nach ein richtiges Konzept geworden.“

Ein Highlight des Programms ist die via Skype übertragene Diskussion zwischen den Autorinnen Cornelia Funke und Isabel Abedi

Eines der Highlights des Festivals ist die via Skype stattfindende Diskussion der Autorinnen Cornelia Funke und Isabel Abedi. Abedi ist bekannt durch ihre „Hier kommt Lola“-Reihe und „Isola“. Sie hat sich mit dem Thema „Gläserne Welt“ bereits auseinandergesetzt. „Die neuen Medien sind Fluch und Segen zugleich“, sagt sie. „Aber wir leben in dieser Welt und müssen lernen, damit umzugehen. Natürlich kann ich nichts dagegen tun, wenn ich am Telefon abgehört werde. Aber ich habe die Macht, darüber zu entscheiden, was ich auf Facebook und WhatsApp Privates über mich preisgebe. Man muss sich immer fragen: Ist es in Ordnung für mich, wenn die ganze Welt das sehen kann? Wenn nein, dann darf ich das auch nicht auf diesen Netzwerken schreiben.“

Die Karten kosten 4 Euro für Kinder und Jugendliche sowie 6 Euro für Erwachsene. Mehr Informationen zu dem Programm finden Sie unter www.buecherpiraten.de.

Josephine Andreoli