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Lübeck Bürgerschaft: Wer sitzt neben der AfD?
Lokales Lübeck Bürgerschaft: Wer sitzt neben der AfD?
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22:03 04.06.2018
Wer sitzt wo? Die Sitzordnung im Bürgerschaftssaal ist nach jeder Kommunalwahl das große Thema. Quelle: Foto: Ulf-Kersten Neelsen
Lübeck

Die Platzierung der Politiker – eine delikate Angelegenheit. Denn in der Politik gilt die Farbenlehre und die Sortierung von links nach rechts. Bei acht Fraktionen und einem Einzelkandidaten ähnelt das Erstellen der Sitzordnung einer Quadratur des Kreises. Denn für die neue Bürgerschaft gilt: „Alle wollen in der ersten Reihe sitzen – und soweit wie möglich weg von der AfD“, bringt FDP-Fraktionschef Thomas Rathcke das Dilemma auf den Punkt. Seit Wochen werden verschiedene Ideen diskutiert.

In zehn Tagen ist Premiere: Die neue Bürgerschaft tagt zum ersten Mal. Und da ist die große Frage: Wer sitzt neben wem? Klar ist: Einige wollen offenbar nicht so gern neben der AfD platziert werden. Das macht eine Sitzordnung schwierig. Mittlerweile gibt es dafür schon drei Varianten.

„Alle wollen in der ersten Reihe sitzen – und soweit wie möglich weg von der AfD.“Thomas Rathcke,

FDP-Fraktionschef

Variante eins: Die SPD ganz links, die CDU ganz rechts. Als die größten Fraktionen nehmen sie die Sessel in den ersten beiden Sitzreihen ein. Dahinter in Reihe drei sollten Grüne, Unabhängige, AfD und der Rest einsortiert werden. Das Problem: Die AfD hätte bei diesem Vorschlag direkt hinter der CDU gesessen. „Das wollten wir nicht so gern“, gibt Fraktionschef Oliver Prieur zu. Allerdings nicht allein wegen der AfD, sondern auch „weil diese Sitzordnung die demokratischen Verhältnisse nicht widerspiegelt“. Denn Grüne und Unabhängige als mittelgroße Fraktionen wären bei dieser Variante gar nicht zur Geltung gekommen. Das sieht Detlev Stolzenberg, Fraktionschef der Unabhängigen, genauso. „Grüne und wir gehören auch in die erste Reihe“, macht er klar.

Variante zwei stößt denn auch auf Zustimmung – zumindest bei der CDU. „Damit können wir leben“, sagt Prieur. Denn da sitzt die CDU ganz rechts als ein geschlossener Block zusammen – in drei Reihen mit jeweils vier Leuten. So wie sie es auch gern wollte. Die SPD ist auf der anderen Seite des Saals platziert – ganz links. Die neue Fraktion Freie Wähler & GAL soll direkt neben den Genossen ihre Sessel einnehmen. Ein Hinweis auf eine inhaltliche Zusammenarbeit? „Das werden wir sehen“, meint SPD-Vormann Peter Petereit.

Bei dieser Variante hätten Grüne und Unabhängige Plätze in der ersten Reihe. Aber auch die FDP wäre mit zwei Mann in der begehrten ersten Reihe gelandet. Die Linke mit ebenfalls zwei Vertretern sollte dahinter platziert werden in Reihe zwei. Die AFD wäre in der letzten, der dritten Reihe in der Mitte platziert worden – mit einem Sessel Abstand zur CDU. Doch das stößt Stolzenberg auf. Er hält es nicht für richtig, dass die AfD ganz hinten landet – obwohl sie drei Mandate hat, die FDP und Linke aber jeweils nur zwei. „Mit der AfD muss man sich auseinandersetzen“, sagt Stolzenberg.

Seine Idee: Die kleinen Fraktionen sollen alle nach hinten. Grüne und Unabhängige indes als mittlere Fraktionen nach vorne. „Wir sind mit dem Platz in der Mitte zufrieden“, stimmt Grünen-Fraktionschefin Michelle Akyurt zu.

Und was sagen die kleinen Fraktionen? „Wir wollen auf keinen Fall neben der AfD sitzen“, macht Katja Zunft (Linke) klar. Sie fände es gut, wenn die AfD ganz hinten platziert wird. „Das wäre eine klare Aussage.“ Thomas Misch (Freie Wähler) indes meint: „Ich kann in Reihe zwei oder drei sitzen.“ Ihm sei das nicht wichtig. Auch gegen einen Sessel neben der AfD habe er nichts. „Ich bin da leidenschaftslos“, meint auch FDP-Mann Rathcke. Und die AfD? „Ich will für uns drei Leute einen Platz, der für Unterlagen und Computer reicht“, sagt Fraktionschef David Jenniches. Der Nachbar sei ihm egal.

Jetzt soll es noch eine dritte Variante einer Sitzordnung geben. Schlussendlich entscheidet Stadtpräsidentin Gabriele Schopenhauer (SPD), wer wo sitzt. „Es ist immer schwierig“, sagt sie.

Schopenhauer kennt das Gerangel um die Platzierung bereits aus den früheren Jahren. „Ich will das jetzt aber auch über die Bühne kriegen.“ Für Schopenhauer ist wichtig: „Die Zählbarkeit.“ Denn sie und ihre Beisitzer müssen bei den Entscheidungen der Bürgerschaft die Stimmen der Politiker zählen. Je eindeutiger die Fraktionen zusammensitzen, desto leichter ist das.

 Josephine von Zastrow