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Lübeck Buntekuh: Kleingärtner geben Areal an die Stadt
Lokales Lübeck Buntekuh: Kleingärtner geben Areal an die Stadt
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22:40 06.06.2018
Schöne Gärten, aber fast die Hälfte steht leer: Der Kleingartenverein Buntekuh muss schrumpfen. Quelle: Foto: Felix König
Lübeck

Es ist bitter. Statt Garten-Idylle herrscht Totentanz. Jetzt will der Kleingartenverein Buntekuh etwa die Hälfte seines 30 Hektar großen Areals an die Hansestadt zurückgeben. „Der Verein läuft am Limit“, macht Dieter Schiller klar, Chef des Kreisverbandes der Kleingärtner. Das Problem: Von 750 Kleingärten stehen 320 Lauben leer, vermutlich sind es noch mehr. Damit ist fast jede zweite Parzelle betroffen. Aber: Die Pacht für die 30 Hektar Land muss der Verein trotzdem aufbringen, ob die Parzellen vermietet sind oder nicht. Das sind 67000 Euro im Jahr. Doch wenn nur die Hälfte der Lauben verpachtet ist, kommt auch nur die Hälfte der Pacht in die Kasse. Und: „Die Zahlungsmoral ist schlecht“, sagt Schiller.

Buntekuh hat keinen finanziellen Spielraum. Im Gegenteil: Der Verein ist nur knapp an der Insolvenz vorbeigeschrammt – vor einem Jahr klaffte ein Loch von 60000 Euro in der Kasse. Jetzt fehlen davon noch 27000 Euro. Nur weil der Kreisverband die Pacht stundet, musste der Verein keine Insolvenz anmelden. Nun stottert er das Geld monatlich ab. Die Pacht muss der Verein Buntekuh an den Kreisverband überweisen; der wiederum an die Stadt, der die Flächen gehören. Der Kreisverband ist der Generalpächter für alle 26 Kleingartenvereine in der Stadt.

Jetzt wollen die Kleingärtner in Buntekuh die Hälfte der Fläche wieder an die Stadt zurückgeben. So steht es im Protokoll der Mitgliederversammlung vom 23. März. Aber es herrscht offenbar große Unruhe hinter den Kulissen. 130 Pächter klagen gegen den Vorstand. Sie wollen die Protokolle einsehen. „Die hängen öffentlich aus“, sagt Schiller. Klar ist: Zurückgeben könnte der Verein den Abschnitt vom Marillenweg bis zum angrenzenden Feld. Diese Fläche könnte noch etwas größer werden – vom Kirschweg bis zum Feld.

Die betroffenen Kleingärtner sind unruhig, wollen wissen, ob sie ihre Lauben räumen und umziehen müssen – und wie viel Geld sie von der Stadt als Entschädigung dafür bekommen. Das alles wird aber noch dauern – voraussichtlich zwei, drei Jahre. Denn erst muss der Verein beschließen, die Flächen abzugeben. Dann verhandelt Schiller die Details mit der Stadt. Am 22. Juni wird das Thema auf einer Versammlung des Vereins debattiert – um 18 Uhr im Carl-Jacob-Burckhardt-Gymnasium.

Und die Stadt? Sie würde die Flächen auch zurücknehmen. „Wir haben kein Interesse daran, den Verein gegen die Wand fahren zu lassen“, sagt Senator Sven Schindler (SPD). Allerdings kann die Stadt nichts mit einzelnen Parzellen anfangen, sondern nur mit einer zusammenhängenden Fläche. Die wäre etwa 15 Hektar groß. „Damit wir daraus etwas entwickeln können“, sagt Schindler. Da das Areal an die Grapengießerstraße anschließt, könnte das dortige Gewerbegebiet erweitert werden.

Damit ist Buntekuh der zweite Kleingartenverein in Lübeck, der schrumpfen will. Der Verein Lauerhof hat die Prozedur gerade hinter sich. Parzellen standen leer, einer der früheren Vorstände hatte Geld veruntreut. Die Kleingärtner standen kurz vor der Insolvenz. Das war 2014. Dann hat sich der Verein verkleinert. Von den 25 Hektar Fläche hat der Verein acht Hektar abgegeben. 156 Parzellen mussten weichen, davon waren 92 noch belegt. Die Stadt hat daraus Bauland gemacht. Demnächst werden die ersten Wohnhäuser errichtet. Die Stadt hat die Pächter im Durchschnitt mit je 5000 Euro entschädigt. Das hat die Hansestadt 460000 Euro gekostet.

Tag des Gartens

Am Sonntag, 10. Juni, wird der „Tag des Gartens“ gefeiert – bundesweit und in Lübeck. Auch die Kleingärtner sind dabei: Von 11.30 bis 18 Uhr sind alle Interessierten in der Dorfstraße 62 auf der Festwiese des Vereins Mühlentor willkommen.

Unter dem Motto „Kleingärten, lebendiges Grün für wachsende Städte“ werben die Kleingärtner für den Erhalt ihrer Oasen mitten in der Stadt. Es gibt Kinderprogramm, Nistkastenbau, ein Kräuterkundeseminar, Beratung zum Baumschnitt und zum Umgang mit Flora und Fauna sowie die Vorstellung von Obstgehölzen. Auch Imker sind vor Ort. Der Eintritt ist frei.

 Josephine von Zastrow

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