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Lübeck Wieder Busausfälle: So erklärt der Stadtverkehr die Krankheitswellen
Lokales Lübeck Wieder Busausfälle: So erklärt der Stadtverkehr die Krankheitswellen
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18:12 29.05.2019
Schon vier Mal fielen in diesem Jahr diverse Busfahrten aus, weil zu viele Fahrer krank waren. Der Stadtverkehr stellt jetzt neue Leute ein. Quelle: Foto : Ulf-Kersten Neelsen
Lübeck

Mitte Februar schlug die Grippewelle unter den Busfahrern des Stadtverkehrs das erste Mal zu. 40 von 300 Fahrern lagen flach, 72 von 1400 Fahrten fielen aus. Neun Linien waren betroffen. „In der Größenordnung hatten wir das noch nie“, sagte Unternehmenssprecherin Gerlinde Zielke.

Arbeitszeit streng geregelt

Busfahrer können bei akutem Personalmangel nicht einfach ein paar Stunden an ihre Arbeitszeit dranhängen. Nach Angaben von Bernd Raasch, Betriebsleiter des Stadtverkehrs, gibt es strenge Ruhezeiten-Regelungen. Nach viereinhalb Stunden am Lenker muss eine Pause eingelegt werden. „Wir verletzen keine Verordnungen, Gesetze und Tarifverträge, das ist die oberste Maxime“, erklärt Raasch.

Anfang April folgte die nächste Krankheitswelle beim Stadtverkehr. 40 Busfahrten auf fünf Linien fielen aus. Mitte Mai meldeten sich erneut viele Fahrerinnen und Fahrer krank, so dass einzelne Fahrten ausfielen. Am 29. Mai erwischte es das Verkehrsunternehmen bereits zum vierten Mal in diesem Jahr. 50 Fahrten auf sechs Linien mussten gestrichen werden.

Grippewellen gab es schon immer, kranke Busfahrer auch. Aber Busausfälle in dieser Dimension bisher nicht. Was ist los beim Stadtverkehr?, wollten die LN von der Geschäftsführung wissen.

Auf der Internetseite und auf den dynamischen Anzeigen an Bushaltestellen informiert der Stadtverkehr, wenn Busfahrten entfallen. Quelle: Foto : Ulf-Kersten Neelsen

„Wir analysieren, woran es liegt“, sagt Geschäftsführer Andreas Ortz. Seit Jahren kalkuliert das Unternehmen mit einer durchschnittlichen Fehlzeitenquote von acht Prozent. „Mit diesem Planungsansatz sind wir über viele Jahre gut gefahren“, erklärt Betriebsleiter Bernd Raasch, „aber jetzt funktioniert das nicht mehr.“

Die Zeiten, als es eine größere Personalreserve gab, sind lange vorbei. Seit 2001 wird beim Unternehmen restrukturiert oder eingespart. Mit der Liniennetzoptimierung von 2012, als das Netz ausgedünnt wurde, wurden auch Stellen von Fahrern gestrichen. Unternehmenssprecherin Zielke: „Ein gewisser Engpass wird jetzt deutlich.“

Wer vergeblich auf den Bus wartet und betriebliche Gründe – also nicht Unfälle oder Staus – dafür ausschlaggebend sind, können Fahrgäste die Fahrgast-Garantien in Anspruch nehmen. Der Stadtverkehr erstattet den Wert eines Einzelfahrscheins. Quelle: Foto : Ulf-Kersten Neelsen

300 Fahrer sind beim Stadtverkehr beschäftigt, 120 weitere bei der Travemünder Tochter LVG. An einem normalen Werktag braucht allein der Stadtverkehr 195 Fahrerinnen und Fahrer, um den Betrieb aufrechtzuerhalten. Einen Ausfall von bis zu 30 Wagenlenkern kann der Betrieb kompensieren. Dann müssen alle, die einen Führerschein haben, ran – auch Beschäftigte in der Verwaltung und aus der Werkstatt sowie Teilzeitkräfte.

Unternehmenssprecherin Gerlinde Zielke: „Ein gewisser Engpass wird jetzt deutlich.“ Quelle: 54° / John Garve

In der Einsatzleitstelle sind die Mitarbeiter dann im Stress. Geschäftsführer Ortz: „Sie telefonieren die Fahrer ab, die frei haben, ob sie einspringen können, und sie verteilen die Dienste neu.“ Jede Krankheitswelle baut so enorme Überstunden auf. Die müssen irgendwann abgebaut werden.

Die Leitstelle muss auch entscheiden, welche Fahrten ausfallen. Dafür gibt es einen Notfallplan. Die Linien 2 und 15 sind oft von Ausfällen betroffen. Betriebsleiter Raasch: „Wir schauen natürlich auf die Nachfrage einzelner Linien. Einzelne Fahrgäste sind deshalb womöglich immer wieder betroffen.“

Atemwegserkrankungen, Rücken- und Nackenprobleme sowie Herz- und Kreislauferkrankungen plagen die Fahrer. Geschäftsführer Ortz: „Bustür auf, Bustür zu – in der kalten Jahreszeit führt das schnell zu Erkältungen.“ Stundenlanges Sitzen sei auch nicht gesund. Betriebsleiter Raasch: „Unsere Sitze in den Bussen sind aber das Beste, was es auf dem Markt gibt.“ Natürlich gibt es ein betriebliches Gesundheitsmanagement. Auch das Alter der Belegschaft spielt eine Rolle: Raasch: „Ältere Mitarbeiter werden nicht häufiger krank als jüngere, fallen aber oft längere Zeit aus.“

Stadtverkehr sucht Fahrer

„Wir nehmen gerne Bewerbungen entgegen“, sagt Gerlinde Zielke, Sprecherin des Stadtverkehrs, „man verdient ganz gut bei uns, wir zahlen Tarif und stellen unbefristet ein.“ Das Unternehmen bietet Teilzeitarbeit, ein Eltern-Kind-Zimmer sowie eine Notfallbetreuung für Kinder an. Im November plant der Stadtverkehr einen Werbetag für Frauen.

Der Fachkräftemangel macht dem Unternehmen zu schaffen. Die Hamburger Verkehrsunternehmen VHH und Hochbahn seien starke Konkurrenten, erklärt Betriebsleiter Bernd Raasch, „die suchen zusammen 200 bis 300 Fahrer pro Jahr.“

Der Stadtverkehr reagiert jetzt, stellt neue Fahrerinnen und Fahrer ein. Am 1. Juni fangen vier Neulinge an, die noch in Tarif- und Streckenkunde geschult werden müssen. Betriebsleiter Raasch: „In drei bis vier Wochen können sie auf den Linien fahren.“ Drei Fachkräfte im Fahrdienst, die bei dem Unternehmen lernen, haben am Dienstag ihren Busführerschein gemacht. Raasch: „Zwei von ihnen sind einen Tag später auf die Linien gegangen.“

Die Kapazitäten der firmeneigenen Fahrschule wurden verdoppelt. Zehn neue Fahrerinnen fangen im September an. Unternehmenssprecherin Zielke: „Bis dahin haben wir eine Durststrecke, die wir überwinden müssen.“ Zumal in Kürze die Urlaubszeit beginne. Weitere Ausfälle von Fahrten wegen Krankheitswellen sind also wahrscheinlich.

Kai Dordowsky

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