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Lübeck CSD-Parade: Bühne frei für Akzeptanz
Lokales Lübeck CSD-Parade: Bühne frei für Akzeptanz
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23:41 22.08.2015
Nadine (l.) und Johanna feiern gemeinsam mit rund 1500 Menschen bei der Parade des CSD in Lübeck. Quelle: Fotos: Ulf-Kersten Neelsen
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Innenstadt

Extravagante Kostüme, laute Musik und bunt geschmückte Wagen: Gestern wurde es schrill in der Innenstadt. Bei Sonnenschein und bester Stimmung zogen rund 1500 Menschen durch die Straßen. Unter dem Motto „Liebe kennt kein ,Anders‘ — Vielfalt macht Schule“ ging es von der Obertrave aus einmal um den Lindenteller und anschließend durch die Innenstadt.

Die Teilnehmer demonstrierten anlässlich des Lübecker Christopher Street Days (CSD) gegen Diskriminierung, Ignoranz und Intoleranz und für die Rechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgender und Intersexuellen. „Der Lübecker CSD ist wirklich etwas besonderes“, erzählte ein Mann, der sich nur „Schwester Daphne“ nennt. „Wir können hier im Herzen der Stadt feiern, wo uns alle Touristen sehen. Damit setzt die Stadt ein deutliches Zeichen, das finde ich bemerkenswert“, lobte der Berliner. Gekommen sind die Männer und Frauen aus dem ganzen Bundesgebiet. „Das ist einfach Pflicht, wenn schon so etwas stattfindet. Wir müssen unsere Botschaft in alle Städte tragen“, sagte Philipp Meinke aus Schwerin.

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Die Botschaft der Parade war in diesem Jahr vor allem die Forderung nach einer Gleichstellung der Homo-Ehe. „Das erzkatholische Irland hat es Deutschland vorgemacht. Liebe kennt kein ,Anders‘ und keine Diskriminierung“, so der CSD-Vereinsvorsitzende Christian Till. Kein CSD sei bisher so politisch gewesen. „Alles war dieses Mal weniger schrill und dafür ernsthafter“, sagte Till. Gesorgt haben dafür auch die SPD, die Grünen, die FDP, die Piraten, die Freien Wähler und die Linken, die sich allesamt an der Parade beteiligten.

Auch Landesbildungsministerin Britta Ernst (SPD) fand deutliche Worte: „Die Ehe für alle hat eine Mehrheit in der Bevölkerung, sie hat aber keine Mehrheit im Bundestag. Es ist schade, dass wir uns in der Fortschrittlichkeit von anderen Ländern überholen lassen.“ Auch in den Schulen müsse mehr Aufklärungsarbeit geleistet werden. Es dürfe nicht mehr sein, dass gleichgeschlechtliche Eltern oder Jugendliche, die sich outen, ausgegrenzt werden.

Die Zustimmung der Lübecker war groß. An den Straßen standen Hunderte Zuschauer, die im Takt der Musik wippten und den Teilnehmern begeistert zujubelten. „Das ist für mich einfach ein wichtiger Tag“, erzählte Inge Behlert. „Vor sieben Jahren hat sich mein Sohn geoutet. Anfangs wusste ich gar nicht, wie ich damit umgehen soll aber heute ist das ganz normal.“

Eigentlich sollte pünktlich zum CSD auch eine Ampel umgerüstet werden. Als erste Stadt im Land will Lübeck Ampelsignale mit schwulen und lesbischen Pärchen den Verkehr regeln lassen (die LN berichteten). „Die Verwaltung hat es allerdings nicht in der Kürze der Zeit geschafft“, sagte Ingo Schaffenberg (SPD). Zum nächsten CSD sollen aber mehrere Ampeln umgestaltet werden. Ein entsprechender Antrag sei bereits gestellt.

Gegen 15 Uhr erreichten die Teilnehmer wieder die Obertrave. Dort wurde weitergefeiert. Ab 22 Uhr fand dann die große Abschlussparty im Schuppen 6 statt. Till: „Ein rundum gelungener Tag mit einem neuen Teilnehmerrekord.“

„Ein toller Tag, wir hatten heute Rekordbeteiligung.
Organisator Christian Till

Maike Wegner

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