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Lübeck „Cargo“-Schiff wieder in Lübeck: Jetzt beginnt das Aufräumen
Lokales Lübeck „Cargo“-Schiff wieder in Lübeck: Jetzt beginnt das Aufräumen
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16:44 10.04.2019
Es gibt viel zu tun: Eigner Jens Baschant und seine Mitarbeiterin Miriam Heck müssen unter anderem die Gehwegplatten, die als Ballast dienten, wieder wegschaffen. Quelle: Sabine Risch
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Innenstadt

Die Rückkehr nach Lübeck war standesgemäß für ein Partyschiff: Zu „Whatever you want“ von Status Quo schipperte der alte Kahn über die Kanaltrave. Als wollte er allen Lübeckern zeigen: Ich bin wieder hier. „Die Rückfahrt war der Hammer“, sagt Michael Fangmann, rechte Hand von Schiffseigner Jens Baschant. „Alle Schiffe haben gehupt, Leute am Ufer haben uns zugewinkt.“

Der Aufenthalt in einer Werft in Lauenburg ist beendet, das „Cargo“-Schiff liegt wieder in Lübeck

Knapp zwei Wochen voller Aufregung und Anspannung liegen hinter Baschant und seinen Helfern, der „Captain“ sieht kaputt, aber glücklich aus. „Es war ein Husarenritt“, sagt er und erzählt von der 67 Kilometer langen Fahrt nach Lauenburg. „Auf der Hintour haben wir drei Stunden gewartet, bis wir schleusen konnten.“

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Nervenaufreibende Fahrt

Teils war es nervenaufreibende Millimeterarbeit, ein 380 Tonnen schweres Schiff ohne Seitenstrahlruder so genau zu steuern und zu stoppen. Sorge hatte auch die Höhe des Schiffes bereitet, „unter drei Brücken wurde es extrem knapp.“

Weniger Stahl gebraucht als befürchtet

Doch irgendwie passte alles einigermaßen. Schön für den Chef des Event-Schiffes: Er hatte damit gerechnet, dass 100 Quadratmeter Stahl unter Deck ausgebessert werden müssten. „Am Ende waren es nur 15 Quadratmeter – 100 hätten wir kaum zahlen können.“

Jede Menge Seepocken und Rost: So sah die Schiffsschraube vor der Überholung aus. Quelle: Jens Baschant
Nach der Überholung sieht das Ganze schon ganz anders aus. Quelle: Jens Baschant

Der Achtersteven musste geschweißt werden, der Stempel, der das Steuerhaus hoch- und runterfährt, war kaputt, mehrere Kleinigkeiten mussten erneuert, die Ankerwinden überholt werden. Zudem hat das Schiff fünf Tonnen Seepocken verloren. Viele davon hatten sich an der Schiffsschraube angesiedelt.

Ursprünglich hatte Baschant gedacht, vorläufig mit dem 1930 gebauten Frachtschiff, das seit 2010 im Klughafen an der Kanalstraße liegt, nicht auf die Werft zu müssen. Doch dann hatte die Stadt gefordert, dass das Schiff jederzeit schwimm- und fahrbereit sein müsse..

Ohne Crowdfunding kein Werftaufenthalt

Um ein Attest von der Wasser- und Schifffahrtsdirektion zu erhalten, musste das Schiff zwei Jahre früher als gedacht in die Werft. Um das Ganze zu finanzieren, hatte Baschant eine Crowdfunding-Aktion gestartet. „Das“, sagt er, „hat uns den Arsch gerettet.“ Mehr als 33 000 Euro kamen dabei zusammen, ausgezahlt wurden am Ende 31 300 Euro.

Viele helfende Hände

Aber auch ohne die Hilfe vieler, vieler Hände wäre das Unternehmen wohl gescheitert. „Danke für eure Hände, euren Einsatz und diesen Schmiss, Grenzen zu überwinden“, bedankt sich Baschant in einer Art Logbuch bei allen. „Danke für den Weg bis hierher. Alleine hätte ich den nicht gehen können!“

Umfassende Aufräumarbeiten

Wer in diesen Tagen am „Cargo“-Schiff vorbei geht, sieht: Es ist noch viel zu tun. 20 Tonnen Gehwegplatten, die als Ballast einen Tag vor der Abreise nach Lauenburg eiligst an Bord transportiert werden mussten, liegen jetzt aufgestapelt vor dem Schiff. „Einige sind schon verschwunden, die hat wohl jemand ins Auto gepackt“, sagt Michael Fangmann. Doch der große Rest muss abtransportiert werden. An diversen Stellen an Bord stehen noch große Planschbecken, die, mit Wasser gefüllt, ebenfalls als Ballast dienten.

Viele Buchungen für die Saison

„Bis Sonnabend müssen wir zumindest den Frachtraum wieder in Ordnung bringen, denn dann haben wir hier den ,Schwarzen Tanztee’ als erste Veranstaltung“, so Fangmann. Apropos Veranstaltungen: Die seien in dieser Saison so gut gebucht wie noch nie.

Die Ankunft des „Cargo“-Schiffs im Video

Sabine Risch