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Lübeck Chinesen im Landeanflug auf Lübeck — sie wollen lange bleiben
Lokales Lübeck Chinesen im Landeanflug auf Lübeck — sie wollen lange bleiben
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22:07 10.07.2014
Eine Million Fluggäste wollen die Chinesen in Blankensee abfertigen. Über ein Drehkreuz soll der Flughafen an eine Linie ins Reich der Mitte angebunden werden. Nächste Woche kommt erst einmal der alleinige Inhaber von PuRen nach Lübeck. Quelle: LN-Archiv
Lübeck

Der deutsche Statthalter des neuen Flughafen-Eigentümers war vor Ort, der chinesische Geldgeber kommt erst nächste Woche an die Trave: Markus Matthießen, neuer Geschäftsführer der PuRen Germany GmbH, die den Lübecker Flughafen gekauft hat, stand den Bürgerschaftsabgeordneten gestern bei der Sondersitzung in den Media Docks Rede und Antwort. Yongqiang Chen, der alleinige Inhaber der PuRen Group aus Peking, jettet in der kommenden Woche nach Lübeck. Das berichtete Bürgermeister Bernd Saxe (SPD).

Unmittelbar nach der Abstimmung telefonierte Saxe mit Chen — mit Hilfe eines Dolmetschers. „Ich habe Yongqiang Chen ausgerichtet, wie die Bürgerschaft entschieden hat“, erklärte Saxe, „und er hat mir versichert, dass das Engagement keine Eintagsfliege ist.“ Chen kommt in die Hansestadt, um Unterschriften zu leisten.

Das hoffen auch die Politiker, die nicht den ersten Verkauf des Airports erlebten. Neuseeländer haben sich daran versucht, der Deutsch-Ägypter Amar und sein arabischer Geldgeber sind noch in lebhafter Erinnerung. „Ich hoffe, dass es für lange Zeit der letzte Investor ist“, sagte FDP-Fraktionschef Thomas Rathcke, „und dass das Thema erst wieder 2027 auf die Tagesordnung kommt“. Erst dann kann der Investor das Flughafengelände von der Stadt komplett erwerben. Jetzt wird das Areal von PuRen zum größten Teil gepachtet.

Große Zweifel an dem Deal haben die Grünen und die Linken. Die Grünen enthielten sich bei der Abstimmung. Fraktionschef Thorsten Fürter: „Das Konzept ist nicht schlüssig. Unsere Fragen nach Wirtschaftsdaten wurden nicht beantwortet.“ Die Linken lehnten das Geschäft ab. „Es gab die gleichen Versprechungen wie bei Amar“, sagte Fraktionschefin Antje Jansen, „aber alles ist ein bisschen dubios.“ Es habe nicht genug Informationen über den neuen Eigner gegeben. Die große Mehrheit der Bürgerschaft sieht gar keine andere Wahl für Lübeck. „Wir wollen die Mitarbeiter nicht in Gefahr bringen“, sagte Bruno Böhm (Freie Wähler). „Das Konzept von PuRen ist gut, wenn es umgesetzt wird“, erklärte SPD-Fraktionschef Jan Lindenau. Marcel Niewöhner (BfL) ist überzeugt: „Es wird neue Fluglinien geben.“

In der nicht-öffentlichen Sitzung der Stadtvertretung wurden erste Ideen des neuen Inhabers skizziert. Den Politikern wurde von Markus Matthießen klargemacht, dass der Airport zunächst eine Durststrecke überstehen müsse. Einen Schwerpunkt wollen die Chinesen auf die Ausbildung von Piloten in Lübeck setzen. Das bestätigte Bürgermeister Saxe: „In China gibt es einen großen Bedarf an Piloten, aber wenige Ausbildungskapazitäten.“ Die Politiker erfuhren in der Sitzung, dass PuRen drei Krankenhäuser in China betreibt, drei weitere sowie einen Flughafen plant und auch in der Medienbranche tätig ist. Die Group wurde erst vor acht Jahren gegründet. Die Grünen erkundigten sich auch nach der Nähe von PuRen zur Kommunistischen Partei. Das wurde von den PuRen-Vertretern weder bestätigt noch dementiert.

Der Flughafen-Insolvenzverwalter Professor Klaus Pannen zog ein nachdenkliches Fazit: „Das war ein schwieriges Insolvenzverfahren. Die Politik hat dabei eine kräftige Rolle gespielt.“

Wenn Politiker Überstunden schieben
Immer wieder kommt die Bürgerschaft zu Sondersitzungen wie der gestrigen zusammen, um große Projekte und dringliche Vorhaben zu beschließen.

21. Juni 2012: Die Stadtvertretung entscheidet, dass weitere 12,4 Prozent der Lübecker Hafen-Gesellschaft verkauft werden.
15. Dezember 2011: Die Bürgerschaft macht in einer Sondersitzung den Weg frei für die Ansiedlung von Ikea.
11. Juni 2010: Die Politiker fahren zusammen mit Bürgern in die Landeshauptstadt, um in einer Sondersitzung unter freiem Himmel für die Rettung der Lübecker Universität zu kämpfen.
16. Juli 2009: Die Bürgerschaft gibt 545 000 Euro für die Suche nach einem Flughafen-Investor frei.

Josephine von Zastrow und Kai Dordowsky