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Lübeck Christopher Street Day: Lübeck unterm Regenbogen
Lokales Lübeck Christopher Street Day: Lübeck unterm Regenbogen
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21:22 16.08.2014
Besucher des Christopher Street Day feiern in Lübeck. Quelle: Olaf Malzahn
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Innenstadt

Ein Zelt reiht sich an das andere, vor der Bühne, auf der die Band Gran Torino Rock-Klassiker spielt, tanzen schon am Nachmittag vor allem junge Frauen. Junge und ältere Menschen schlendern über die Meile, informieren sich, plaudern, stauben hier einen Luftballon und dort einen Aufkleber ab. Bis zur Dankwartsbrücke zieht sich die Meile.

Ein älteres Ehepaar sitzt auf einer Bank und picknickt. „Wenn wir nicht gerade im Urlaub sind, kommen wir jedes Jahr hierher“, verrät die Dame, die ihren Namen nicht nennen will. „Wegen der guten Stimmung und des Zusammenhaltes“, erklärt sie. Auch der Dortmunder Tourist Johannes Storf ist begeistert vom Lübecker Christopfer Street Day (CSD) und von der Stadt. „Es ist alles viel entspannter hier als bei anderen CSDs, außerdem sind die Leute viel freundlicher.“

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Es darf fröhlich gefeiert werden, aber auch das eigentliche Anliegen, nämlich die Gleichstellung von Schwulen, Lesben, Bisexuellen und Transgendern mit Heterosexuellen, kommt nicht zu kurz. Aufkleber wie „Stop Homophobia“ oder „Vielfalt statt Einfalt“ werben für Toleranz, auf der Bühne diskutieren am Nachmittag der sich offiziell als schwul erklärende FDP-Landesvorsitzende Heiner Garg, Wolfgang Baasch von der SPD, Sascha Luetkens (Linke) und André Kleyer (Grüne) mit Moderator Ricardo M.. „Für mich das Highlight des diesjährigen CSD“, sagt Organisator Christian Till. Auch Hartmut Evermann von der Aids-Hilfe freut sich, „dass die Parteien hier vertreten sind, obwohl mal kein Wahlkampf ist“.

Klar, dass auch wieder die sogenannten Schwestern der perpetuellen Indulgenz angereist sind — Rosa aus Rostock, Bärberella aus Köln und Agnetha aus Hamburg sind einfach nicht zu übersehen, ebenso wie die beiden Händchen haltenden älteren Herren im original Schotten-Outfit. Jürgen Robien und Hans Weller-Robien kommen aus Ostholstein, sind verpartnert, „aber den kirchlichen Segen wollte uns niemand geben“, sagt Jürgen.

Was nicht ist, kann ja noch werden, denn Pröpstin Petra Kallies als Schirmherrin der gestrigen Veranstaltung hatte bereits am Vormittag in ihrer Ansprache gesagt, dass sie sich freue, dass dies mittlerweile in vielen Gemeinden ihres Kirchenkreises möglich sei.

Überhaupt: Sie bekam viel Applaus für ihre Ansprache. „Gerade als Kirche sind wir gefragt, allen Formen von Homophobie entgegenzutreten.“ Und gerade als Kirche gelte es, dem Vorbild Jesu folgend, offen zu sein für Anderes, für die Hinterfragung sogenannter Normalität. Kallies: „Dazu gehört auch die Liebe zwischen Menschen, egal ob schwul oder lesbisch, hetero oder queer — Gott liebt uns so, wie wir sind.“ Der stellvertretende Stadtpräsident Rolf Klinkel (Grüne) bekannte sich als erster schwuler Stadtpräsident in der Geschichte der Hansestadt und versicherte den etwa 1500 Zuhörern die Solidarität der Lübecker Bürgerschaft in puncto Gleichberechtigung.

Bunt zog sich dann die Parade durch die Innenstadt — mit mehreren Lkw, auf denen heftig gefeiert wurde, mit vielen bunten Fußgruppen und Zuschauern am Straßenrand. So mancher Tourist guckte zunächst ein wenig irritiert, um dann flugs das Handy zu zücken. So etwas sieht man eben nicht alle Tage . . .

Sabine Risch

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