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Lübeck Warum gibt es nicht genügend Tests und wie sollen sich Bürger im Bus verhalten?
Lokales Lübeck Warum gibt es nicht genügend Tests und wie sollen sich Bürger im Bus verhalten?
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21:22 24.03.2020
In einer Praxis in Lübeck werden Corona-Tests ausgewertet. Aber die Laborkapazitäten sind begrenzt. Deshalb werden vorrangig Risikopatienten getestet. Quelle: Lutz Roeßler
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Lübeck

Lübecks Bürgermeister Jan Lindenau hat im LN-Livestream erneut die Fragen der Bürger zum Coronavirus beantwortet. Hier die wichtigsten Antworten zum Themenkomplex „Lage in der Stadt“ im Überblick:

Wie viele Lübecker sind derzeit in Quarantäne?

Etwas mehr als 600 Menschen sind in Quarantäne, aber die Zahl ist hochdynamisch. Über eine Bestimmung des Landes hinaus haben wir heute verfügt, dass auch Rückkehrer aus Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen für 14 Tage in Quarantäne müssen.

Der Grund: Wir mussten feststellen, dass nahezu 100 Prozent der hier Infizierten vorher Kontakt zu Reiserückkehrern hatten. Als eine Stadt, die vom Tourismus lebt, müssen wir alle Risiken ausschließen. Deshalb haben wir die Gebiete, in denen es viele Infizierte gibt und die etwa an Frankreich, Italien und Österreich angrenzen, in die Liste aufgenommen. Das Ziel ist: Möglichst wenige Neu-Infektionen in Lübeck.

Warum gibt es nicht für alle Bürger einen Corona-Test?

Grundsätzlich sind die Laborkapazitäten in Deutschland begrenzt. Die Ärzte und das Gesundheitsamt stimmen gemeinsam Prioritäten ab, zuerst werden Risikopatienten getestet, bei denen der Verlauf der Krankheit schwer sein könnte. Wenn jemand nicht sofort getestet wird, ist es eher ein Zeichen, dass der anzunehmende Verlauf der Krankheit nicht so schwer ist, sie werden hintenangestellt.

Wird es in Lübeck eine Ausgangssperre geben?

Das ist eine Entscheidung, die nicht die Hansestadt Lübeck trifft, sondern die zwischen Bundes-und Landesregierung getroffen wird. Das müssen wir uns gut überlegen, denn der Eingriff in unser Leben ist massiv. Wir sehen aber, dass derzeit gut mit den bestehenden Maßnahmen umgegangen wird. Aber das würde auch bedeuten, dass dann alles, was wir jetzt noch erlauben – Joggen oder ein Treffen mit einer Person – auch verboten wäre. Aber die Maßnahmen werden regelmäßig überprüft.

Gab es Verstöße gegen die neuen Kontaktregeln?

Die Lübecker sind sehr vorbildlich. Wir nehmen laufend Kontrollen vor, konnten aber keine gravierenden Verstöße feststellen. Diese Regeln müssen nun aber dauerhaft eingehalten werden, sie gelten vorerst bis 19. April. Und ich setze darauf, dass wir das organisatorisch hinbekommen und zähle auch auf die Bürger, dass sie sich an die Regeln halten.

(Anmerkung der Redaktion: Seit dem Wochenende gelten verschärfte Ausgangsregeln. So sind etwa Treffen von mehr als zwei Personen verboten. Mehr Informationen dazu gibt es hier.)

Welche Bußgelder können verhängt werden, wenn die Regeln nicht befolgt werden?

Wir kontrollieren die Einhaltung durch das Ordnungsamt und es können Bußgelder bis zu 25.000 Euro verhängt werden. Gegenwärtig gibt es in Lübeck aber keine Fälle, in denen dieses Bußgeld bereits verhängt werden musste, wir setzen zunächst auf entsprechende Mahnungen. Aber am Ende sprechen wir natürlich bei mehrfacher Zuwiderhandlung über Straftatbestände.

Wie sollten sich Bürger im Bus verhalten?

Sehr frühzeitig wurde schon entschieden, dass der Einstieg im Bus hinten erfolgen soll, um so den direkten Kontakt mit dem Fahrer zu vermeiden. Wo es möglich ist, sollten sich die Fahrgäste verteilen, um Abstand zu den anderen Bürgern zu halten. Der Fahrplan wurde eingeschränkt, weil auch deutlich weniger Fahrgäste unterwegs sind. Aber auf einzelnen Hauptstrecken sind immer noch sehr viele Menschen unterwegs, daher kommen größere Gelenkbusse zum Einsatz. Auf einzelnen Strecken werden zudem zusätzliche Busse eingesetzt werden.

Wie ist die Lage in der Lübecker Verwaltung?

Wir haben viele Dienstleistungen mit Kundenkontakt in der Verwaltung und haben schon viele Sicherheitsmaßnahmen eingeleitet. Wir besorgen unter anderem gerade noch Schutzwände, um direkten Kontakt mit Kunden zu vermeiden. Auch im Schichtbetrieb wird jetzt verstärkt gearbeitet, so dass sich nicht so viele Kollegen gleichzeitig begegnen. Aber wir hätten noch ganz andere Probleme, wenn wir etwa die Müllabfuhr einstellen würden. Auch die Kollegen, die entsprechende Kontrollen der Ausgangsbeschränkungen durchführen, müssen Abstand halten oder in kleinen Gruppen unterwegs sein.

Müssen Schulen und Kitas länger als bis 19. April geschlossen bleiben?

Das wird davon abhängen, wie die Entwicklung der Pandemie verläuft. Alle Prognosen, die länger als eine Woche hinausgehen, sind derzeit unseriös, noch können wir nicht sagen, wie es nach dem 19. April weitergeht. Sollte sich die Lage bis dahin nicht gebessert haben, werden wir die Maßnahmen aber aufrechterhalten müssen. Zunächst brauchen wir aber Planungssicherheit bis 19. April.

Den ganzen Livestream zum Nachschauen sehen Sie hier:

Livestream direkt aus dem Rathaus: Jan Lindenau beantwortet Eure Fragen.

Live aus dem Lübecker Rathaus: Bürgermeister Jan Lindenau und LN-Redakteur Lars Fetköter verfolgen und beantworten hier im Livestream auch heute wieder Eure Fragen zum Thema "Corona in unserer Hansestadt Lübeck". Vielen Dank für alle Kommentare und für jedes einzelne Like!

Gepostet von Lübecker Nachrichten Online am Dienstag, 24. März 2020

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