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Lübeck DGB fordert bezahlbaren Wohnraum in Lübeck
Lokales Lübeck DGB fordert bezahlbaren Wohnraum in Lübeck
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18:52 27.03.2019
Alla Scheunemann vom DGB Lübeck präsentierte zusammen mit Kollegen aus ganz Norddeutschland Ortsschilder mit Zahlen zur Wohnungsnot. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
Lübeck

Auf den gelben Ortsschildern, die Gewerkschaftsfunktionäre vor dem Holstentor in die Kameras hielten, war das ganze Elend des Wohnungsmarktes in Norddeutschland nachzulesen. „In Hamburg fehlen 150 000 Wohnungen“, stand auf einem Schild, „37,9 Prozent der Rostocker zahlen zu viel Miete“ und „In Lübeck fehlen 17 000 bezahlbare Wohnungen“.

Zentrale Auftaktveranstaltung in Lübeck

Der DGB organisiert in diesen Tagen in 200 Städten bundesweit Aktionen für mehr bezahlbaren Wohnraum. Die zentrale Auftaktveranstaltung vom DGB Nord fand in Lübeck statt. „Wir wollen auf das Riesenproblem Wohnungsmarkt hinweisen“, sagte DGB-Nord-Chef Uwe Polkaehn, der die Kieler Landesregierung massiv für die geplante Abschaffung der Mietpreisbremse kritisierte. „Das geht in die völlig falsche Richtung“, erklärte Polkaehn, „der Markt alleine kann es nicht richten.“

Juliane Hoffmann und Frank Hornschu warteten in aufblasbaren Sitzmöbeln in der Fußgängerzone auf Mieter, die über ihre Situation reden wollten. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen

Immer mehr Arbeitnehmer könnten sich steigende Mieten nicht leisten. Die Tarifabschlüsse mit Lohnzuwächsen von drei Prozent würden von Mietsteigerungen von sieben bis neun Prozent geradezu aufgefressen, sagte Polkaehn. Es sei nicht damit getan, den Bau von Eigenheimen zu fördern. „In Lübeck wird viel gebaut“, erklärte der Gewerkschaftschef, „aber in Preiskategorien, die sich Arbeitnehmer nicht leisten können.“

Lars Geidel, DGB-Jugendbildungsreferent in Hamburg: „Selbst Auszubildende mit hohen Vergütungen von 800 bis 1000 Euro können sich das Wohnen in Hamburg nicht mehr leisten, weil ein Zimmer unter 500 Euro im Monat utopisch ist.“ In Kiel würden knapp 20 Prozent der Menschen über 40 Prozent ihres Einkommens für Mieten ausgeben, rechnete Frank Hornschu vor. In der Landeshauptstadt würden 24 000 bezahlbare Wohnungen fehlen, sagte der DGB-Vorsitzende von der Kiel Region, „für eine Hochschulstadt ist das dramatisch.“ Denn junge Menschen, die dringend als Fachkräfte gebraucht würden, fänden keine Bleibe.

Lars Geidel vom DGB Hamburg half beim Aufbau des „mobilen Wohnzimmers“ in der Fußgängerzone. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen

In Lübeck fehlen laut der Hans-Böckler-Stiftung des DGB 17 000 Wohnungen im mittleren und niedrigen Preissegment. Die Stiftung arbeitet allerdings mit Zahlen von 2014. Der Verband Norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW) fordert die Kommunen auf, mehr Grundstücke zur Verfügung zu stellen und weniger Vorschriften für Bauherren zu machen. VNW-Direktor Andreas Breitner: „Die Zahlen zeigen, wie notwendig es ist, bezahlbare Wohnungen zu errichten.“ Das gehe nicht über Mietpreisbremsen und bürokratische Auflagen.

Linke: Wohnungskrise größer als gedacht

Die Linken lesen aus den neuen Zahlen, „dass die Lübecker Wohnungskrise größer ist als gedacht“. Schon vor Jahren sei absehbar gewesen, „dass die stetig sinkenden Zahlen der Wohnungen in Sozialbindung zu einer Katastrophe auf dem Wohnungsmarkt führen würden“, erklärte Baupolitiker Sascha Luetkens.

Die Lübecker DGB-Chefin Juliane Hoffmann sieht aber auch positive Entwicklungen in Lübeck – die 50-Prozent-Quote für Sozialwohnungen, die mehrere politische Ausschüsse beschlossen haben, und die vor Jahren eingeführte Verbilligungsrichtlinie. Die besagt, dass Bauherren städtische Grundstücke billiger bekommen, wenn sie Sozialwohnungen bauen. Für den Abend plante der DGB eine Mieten-Debatte in den Media Docks – unter anderem mit Senator Sven Schindler (SPD) sowie Vertretern von Mieterverein und Wohnungswirtschaft.

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