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Lübeck Dauerparker: Kirchen können sich vor Anfragen kaum retten
Lokales Lübeck Dauerparker: Kirchen können sich vor Anfragen kaum retten
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20:10 25.06.2016
St. Marien hat das Stellplatzangebot deutlich ausgeweitet. „Das ist eine Übergangslösung, bis das neue Parkhaus im Wehdehof gebaut ist“, sagt Pastor Pfeifer Quelle: Olaf Malzahn
Innenstadt

„Wir haben eine erhöhte Nachfrage“, sagt eine KWL-Mitarbeiterin, „täglich gehen mehrere Anrufe bei uns ein.“

Auch die Kirchengemeinden können ein Lied davon singen. „Uns erreichen häufig Anfragen von Innenstadt-Bewohnern und Bürgern, die in der Stadt arbeiten“, berichtet Dr. Bernd Schwarze, Pastor von St. Petri, „sie werden aber immer abschlägig beschieden.“ Fast wöchentlich gehen Anfragen in der Kirchengemeinde St. Jakobi ein. Auch St. Marien wird bestürmt. „Wir haben eine hohe Nachfrage“, bestätigt Pastor Robert Pfeifer. Und St. Marien hat das Stellplatzangebot jetzt deutlich ausgeweitet. „Das ist eine Übergangslösung, bis das neue Parkhaus im Wehdehof gebaut ist“, sagt Pastor Pfeifer und gibt zu: „Es ist nicht schön, dass so viele Autos im Moment hier parken.“ Gut 50 Dauerparker finden momentan Platz, mehr geht nicht. Die Gemeinde habe dem Bauherren des Parkhauses aus einer Not geholfen.

Zum Weihnachtsmarkt würden die Flächen auf jeden Fall frei sein.

Andere Innenstadt-Kirchen haben ihr Parkplatzangebot trotz großer Nachfrage zurückgefahren. „Vor einigen Jahren wurde die Zahl drastisch vermindert“, berichtet Pastor Lutz Jedeck von St. Jakobi, „im Bereich Breite Straße und im Durchgang zur Königstraße wurde das Parken komplett verboten, um den Blick zur Kirche frei zu halten.“ An der Königstraße gebe es noch neun Stellplätze, auf der anderen Seite parkten Anlieger, Mitarbeiter, Handwerker und Gäste der Gemeinde. Jedeck: „An ,StattAuto‘ vermieten wir, weil wir das Konzept für sinnvoll halten.“

Die Domgemeinde verfüge nur über wenige Stellplätze direkt vor dem Gotteshaus, sagt Dom-Pastor Martin Klatt: „Die sind zwischen Montag und Freitag gegen eine geringe Gebühr fest vergeben.“ Die wenigen Parkplätze würden zudem für Gottesdienstbesucher, Brautpaare, Konzertbesucher und Trauergäste benötigt. Im Frühjahr dieses Jahres habe sich der Kirchengemeinderat gegen eine Erhöhung der Stellplatzzahl entschieden, um „die Wirkung des Gebäudes nicht durch eine größere Zahl parkender Autos zu beeinträchtigen“.

St. Petri hält einige Parkplätze an der Südseite der Kirche für Mitarbeiter, Handwerker und Künstler bereit. „Das finde ich gerade noch erträglich“, sagt Pastor Schwarze. Sobald die Kirche saniert ist, will die Gemeinde den Platz neu gestalten, „um die Willkommens-Atmosphäre und die Aufenthaltsqualität für Besucher deutlich zu verbessern“. Das werde weitere Stellplätze kosten. Schwarze: „Ich möchte, dass der Petrikirchhof wieder das wird, was er eigentlich sein sollte: ein lauschiges Kleinod in der Mitte der Stadt.“

Doch die Kirchengemeinden können die Einnahmen aus Parkgebühren gut gebrauchen. „Die Energiekosten steigen ins Unermessliche“, berichtet Pastor Schwarze. Auch städtische Abgaben wie die Straßenreinigungsgebühren belasteten die Kirchengemeinden enorm. St. Petri hat gegen die neue Straßenreinigungsgebühr der Entsorgungsbetriebe Lübeck sogar Widerspruch eingelegt. Auch die Domgemeinde leidet unter Regensteuer und teurem Winterdienst. Pastor Klatt: „In den Haushalten der Gemeinden sind dadurch empfindliche Löcher entstanden.“

Verantwortlich für die Abgabenpolitik der Stadt ist Bürgermeister Bernd Saxe (SPD). Der spielt den Ball zurück: „Mich ärgert die um sich greifende Praxis, die Kirchhöfe der Altstadtkirchen als Einnahmequelle durch Stellplatzvermietung zu nutzen. Das Bild unserer großartigen Kirchengebäude leidet unter diesem Rosenkranz von Fahrzeugen.“

Kai Dordowsky