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Lübeck Dauersperrung im Balauerfohr nervt die Anwohner
Lokales Lübeck Dauersperrung im Balauerfohr nervt die Anwohner
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21:31 18.06.2015
Die Baustelle ist so gut wie fertig, doch die Arbeiten ruhen und die Straße muss weiter für Autos gesperrt bleiben. Quelle: Malzahn
Innenstadt

Der Baulärm, der Ladenbesitzern, Anwohnern und Passanten im Balauerfohr zwischen Hüxstraße und Wahmstraße monatelang den letzten Nerv geraubt hat, ist seit einigen Wochen vorbei. Auch die Vollsperrung ist aufgehoben. Nun treibt viele jedoch die Frage um, warum trotz augenscheinlich abgeschlossener Bauarbeiten die Straße immer noch für den Autoverkehr gesperrt ist. „Wieso ist die Straße dicht? Seit Ostern wird dort nicht mehr gearbeitet“, ärgert sich Anwohner Klaus Kähler (77).

Eine Schneise auf der mittlerweile wieder zugepflasterten Fahrbahn ist als Fahrradstraße ausgewiesen. Links und rechts neben der Sperrung können Fußgänger über den Fußweg gehen. Für Taxis, Anlieger, Liefer- und Rettungswagen, die die Straße sonst passieren dürfen, ist aber kein Durchkommen. Bei einem Dachstuhlbrand im Nachbarhaus in Zobels Hof in der Schlumacherstraße (die LN berichteten) hat diese Barriere sogar die Anfahrt der Einsatzkräfte behindert. „Die Feuerwehr musste einen großen Umweg über die Hüxtertorallee zurück auf den Hüxterdamm fahren.“ Denn auch die Straße „An der Mauer“

ist derzeit vom Hüxterdamm bis zur Krähenstraße wegen Bauarbeiten dicht. Feuerwehr-Chef Oliver Bäth bestätigt: „Es war durch die Sperrung problematisch mit der Anfahrtsituation.“

Cornelia Tews, Sprecherin der Entsorgungsbetriebe Lübeck (EBL) bestätigt, dass die Arbeiten im Balauerfohr fast abgeschlossen sind. „Wir müssen nur noch Oberflächenarbeiten durchführen.“ Die Fugen der Pflastersteine müssten noch „bituminös vergossen“ werden. „Das konnten wir im Februar nicht machen, weil es zu kalt war.“

Dafür sei eine erneute Vollsperrung der Straße nötig, was aber wiederum wegen der aktuellen Sperrung der Straße „An der Mauer“ nicht möglich sei: „Wir dürfen zeitgleich immer nur eine Straße voll sperren.“ Der Balauerfohr sei temporär zumindest für Radfahrer und Fußgänger freigegeben worden.

Die Arbeiten der Entsorgungsbetriebe, die sich seit April 2014 hinziehen, betreffen drei Teilbereiche: den Bereich „An der Mauer Nord“ zwischen Hüxterdamm und Hausnummer 18, Balauerfohr von der Hüxstraße bis Hausnummer 9 sowie den Teilbereich „An der Mauer Süd“ vom Hüxterdamm bis zur Krähenstraße. Hier werden Schmutz- und Regenwasserkanäle getrennt und die Hausanschlüsse dafür installiert.

Laut Tews hat sich das voraussichtliche Bauende wegen schlechter Witterung und Unterbrechungen aufgrund des Hansetags von Ende Juni auf Ende Juli verschoben. Daher habe man „An der Mauer“ begonnen, ehe der Balauerfohr fertig ist. „Der Altstadtbereich ist sehr sensibel“, betont sie.

Bereits im Januar hatten die EBL nach monatelanger Sperrung des Balauerfohrs Anwohner beschwichtigt, es gebe wegen der Witterung einen geringen Verzug. Damals waren die Behinderungen beträchtlich:

Die Straße war komplett gesperrt, nur ein schmaler Fußweg war passierbar, Radfahrer mussten absteigen (LN berichteten).

Nun hat sich die Situation zwar etwas entspannt, doch einige Anwohner schütteln trotzdem den Kopf. Ihnen dauert das Ganze zu lange. „Der Baulärm war die Hölle“, sagt Janine Przytarski (35). Sie sei froh, dass Ruhe in der Straße eingekehrt ist, doch sie wundere sich, dass die Sperrung noch immer nicht aufgehoben wurde.

Auch Regina Schäfer, Geschäftsführerin eines Bestattungsunternehmens im Balauerfohr, ist erleichtert, bemängelt zugleich aber die Planung: „Die haben die Straße mehrmals auf- und zugemacht. Ich verstehe nicht, warum man für so ein kurzes Stück über ein Jahr braucht.“

Cornelia Tews erklärt: „Es kommt den Anwohnern lange vor, doch wir haben auf manche Faktoren wie die Witterung keinen Einfluss, müssen alles genau abstimmen und sind bei den Sperrungen an rechtliche Vorschriften gebunden.“

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Melina Ulbrich