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Lübeck Denkmal contra Jobs: Architekten-Werkstatt abgerissen
Lokales Lübeck Denkmal contra Jobs: Architekten-Werkstatt abgerissen
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19:00 13.09.2019
Die Fabrikstraße 13 in Schlutup: So sahen die Wichern-Werkstätten von 1977 aus. Seit 2017 standen sie unter Denkmalschutz. 2018 genehmigte die Stadt den Abriss. Quelle: Privat
Schlutup

Denkmal oder Jobs? Das ist die Frage. Die Antwort der Stadt: Jobs. Den Abriss der denkmalgeschützten Werkstatt-Halle in der Fabrikstraße 13 hat sie genehmigt. Denn: Die Firma auf dem Nachbargrundstück will sich dort erweitern. Das bestätigt das Unternehmen – und das geht auch aus Unterlagen hervor, die der LN vorliegen.

Für Architekt Kuno Dannien ist das ein Skandal

Entsetzt reagiert der Architekt. Denn das Gebäude ist bereits dem Erdboden gleichgemacht. „Das ist ein Skandal“, sagt Kuno Dannien. Er hat die Wichern-Werkstätten entworfen, erbaut wurden sie 1976. Die Halle ist im Stil der postmodernen Architektur errichtet worden. „Eine Spielart des kritische Realismus“, so die Fachleute. Die Stadt hat die Halle 2017 unter Denkmalschutz gestellt. 2018 wurde die Genehmigung zum Abriss erteilt.

Die Wichern-Werkstätten wurden 1977 in der Fabrikstraße 13 gebaut. Heute expandiert die Firma Worlée auf dem Areal.

Benachbarte Firma will sich vergrößern

Für die benachbarte Firma Worlée ist die Sache klar. Sie hat die Fabrikstraße 13 erworben. Hätte die Stadt dem Abriss nicht zugestimmt, „hätten wir vom Kauf des Objektes abgesehen“, sagt Sprecherin Annika Kunze. Das Unternehmen habe bereits Interesse an dem Kauf des Werkstatt-Gebäudes gehabt, bevor es unter Denkmalschutz gestellt wurde. Denn: Die Firma Worlée will sich erweitern. Auf ihrem Grundstück ist das aber nicht möglich. Es gibt dort keinen Platz. Sie hat ihren Sitz seit 1982 in der Fabrikstraße 7 und stellt chemische und kosmetische Rohstoffe her.

Unternehmen will neue Jobs schaffen

Laut Unterlagen der Stadt beschäftigt das Unternehmen 35 Mitarbeiter in Schlutup. Jetzt sollen an der Fabrikstraße 13 weitere 20 neue Jobs entstehen. Ohne den Kauf des Nachbargrundstücks wollte die Firma den Standort in Schlutup aufgegeben, die Arbeitsplätze in Lübeck abbauen – und hätte an anderer Stelle expandiert. Worlée hat neben Schlutup noch einen Standort in Lauenburg und einen weiteren in Hamburg.

Stadt genehmigt Abriss

Angesichts der drohenden Abwanderung des Unternehmens hat die Stadt den Abriss auch genehmigt. „Eine besondere Bedeutung fällt hier den Industrie-Arbeitsplätzen zu, die einhergehen mit einem hohen Maß an Wertschöpfung“, heißt es in den Unterlagen der Stadt. Die Stadt selbst hat sich auf LN-Anfrage nicht zu dem Vorgang geäußert.

Die Wichern-Werkstätten

Als Wichern-Werkstätten bezeichnet werden zwei Gebäude. Zum einen ein lang gestrecktes Bauwerk, die Werkhalle mit Büros und Kantine. Die Halle hat ein flaches Dach und rote Ziegel. Die runden und halbrunden Fenster sind die auffälligen Merkmale.

Das zweite Gebäude ist der Pavillon. Ein fünfeckiger Bau, in dem fünf Wohnräume untergebracht waren, sowie Bad und Küche. Er stand seitlich hinter dem Werkstatt-Gebäude.

Denkmal erhalten oder abreißen?

Das Argument der Arbeitsplätze zählt für Dannien nicht. „Man hätte das Gebäude erhalten und umbauen können“, sagt der Architekt. So würden viele Denkmäler eine neuen Nutzung bekommen. „Mit Fingerspitzengefühl findet sich immer eine Lösung.“ Das sieht die Firma Worlée anders. „Der Erhalt des Gebäudes war leider nicht möglich.“ Denn: Der Zustand des Bauwerks sei schlecht gewesen. Außerdem hätte es nicht zu dem gepasst, was die Firma plant. Kunze: „Das Gebäude wäre für uns damit nicht nutzbar gewesen.“

Die Fabrikstraße 13

Der Hintergrund: Die Eigentumsverhältnisse an der Fabrikstraße 13 waren verzwickt. Die Vorwerker Diakonie hatte für das Grundstück einen Erbpachtvertrag mit der Stadt, der bis 2076 läuft. Die Wichern-Werkstätten auf dem Areal waren indes ihr Eigentum. Zuletzt hatten dort psychisch beeinträchtigte Menschen Waren verpackt. Doch seit etwa zehn Jahren nutzt die Vorwerker Diakonie das Gebäude gar nicht mehr. Die Werkstatt-Halle hatte sie an die Stadt untervermietet. Dort lagerten dieArchäologen ihre Funde. Doch sie mussten das Lager räumen. Jetzt hat die Firma Worlée es gekauft.

Von Josephine von Zastrow

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