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Lübeck Dschungel unter Wasser: Lübecker Mühlenteich verschwindet unter einer Krautschicht
Lokales Lübeck Dschungel unter Wasser: Lübecker Mühlenteich verschwindet unter einer Krautschicht
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17:42 04.07.2019
Der Mühlenteich in Lübeck wegen der vielen Wasserpflanzen grün geworden. Quelle: Holger Kröger
Lübeck

„Ich finde, das sieht ungesund aus“, sagt Astrid Jeß. Mit zwei Freunden genießt sie die Abendsonne auf einer Bank am Mühlenteich. Er bietet ein ungewohntes Panorama: Die Wasseroberfläche ist von einem hellgrünen Pelz bedeckt. „Wenn das weiter zuwächst, können wir bald übers Wasser gehen“, scherzen die Freunde. „Ist das Entengrütze?“

Was hier wächst, weiß die Bereichsleiterin Umwelt-, Natur- und Verbraucherschutz Birgit Hartmann: Wasserlinsen, die umgangssprachlich Entengrütze genannt wird; außerdem Teichrosen, Grünalgen und Hornkraut. „Dass es viele Wasserpflanzen gibt, ist erstmal positiv“, sagt Hartmann. Denn das bedeutet, dass die Wasserqualität gut ist. „Wenn das Wasser klar ist und viel Licht nach unten dringt, wachsen die Pflanzen schnell.“

Der Mühlenteich ist verkrautet: Durch den heißen Sommer wachsen die Wasserpflanzen zahlreich und schnell. Noch besteht dadurch keine Gefahr für das Ökosystem, aber der Klimawandel und der trockene Sommer lassen Pflanzen schneller wachsen.

Pflanzenwachstum durch Klimawandel

Gibt es dazu noch Nährstoffe und Wärme, breiten sie sich aus wie Giersch in einem Garten. Tatsächlich seien die Pflanzen „im Juni über Durchschnitt schnell und üppig“ gewachsen. Ein Grund dafür sei „mit Sicherheit der Klimawandel und der trockene Sommer“. Beschleunigt wird das durch Düngemittel, die von den Feldern in die Gewässer gespült werden.

Eine Gesundheitsgefahr beim Baden gebe es nicht; ihre Behörde kontrolliere die Wasserqualität in der Badesaison intensiv. Das bestätigt auch Thomas Radke, der als Meister für Bäderbetriebe im Altstadtbad Krähenteich arbeitet. Der Krähenteich ist durch einen Zufluss mit dem Mühlenteich verbunden, aber hier ist die Wasseroberfläche weitgehend frei von Pflanzen. „Bei 50 Zentimeter Sichttiefe würden wir schließen“, sagt Radtke, „jetzt haben wir aber Sichttiefen von 1,30 bis 1,60 Metern“.

Kühle Tage wichtig für die Wasserqualität

Manche Gäste hätten Berührungsängste mit Fischen und Pflanzen. Dabei sei es grundsätzlich ein gutes Zeichen, dass es sie hier gibt. „Es ist etwas ganz Besonderes, dass Lübeck dieses naturnahe Freibad mitten in der Stadt hat“. Damit es Fischen und Pflanzen gut geht, sagt er, ist es wichtig, dass das Wasser sich nicht zu sehr aufheizt. Tage wie dieser, an denen es relativ kühl ist und nur wenige Schwimmer gekommen sind, die dann nur zögernd den Steg hinunter in den See steigen, sind wichtig für die gute Wasserqualität: „Wir brauchen manchmal Kälteperioden und Wind.“ Das Wasser hat aktuell 22 Grad, letzten Sommer heizte es sich aber auf 27 Grad auf, weil es solche kühleren, windigen Tage kaum gab. Die Wasser-Ökosysteme sind also stark abhängig vom Wetter.

Nach dem sehr heißen Sommer sind diese im August letzten Jahres kollabiert: Mühlen- und Krähenteich waren sehr stark verkrautet. „Bei einem Gewitter hatten sich dann die Pflanzen vom Boden abgelöst, haben kein Licht mehr durchgelassen und dem Wasser Sauerstoff entzogen“, sagt Birgit Hartmann. Dazu kam, dass der Zufluss von der Wasserkraftanlage Mühlendamm zeitweilig unterbrochen war und das Wasser sich nicht mehr bewegte. Tote Fische trieben an der Oberfläche, die buchstäblich erstickt waren.

Rasen mähen in der Wakenitz?

Die Gefahr, dass das noch einmal passiert, nimmt mit den wärmeren Sommern zu. „Gerade in Ufernähe ist der Bewuchs mehr geworden über die Jahre“, sagt Thomas Jönck, zweiter Vorsitzender des Segler-Clubs Hansa am Wakenitzufer. In der Wakenitz sei das Wachstum noch moderat, am Ratzeburger See wickeln sich dagegen schon Algen um Schiffspropeller. Der Geschäftsführer des Lübecker Yacht Clubs Frank Schärffe hat beobachtet, dass die Ausbreitung des unterirdischen „Rasens“ in den Gewässerbezirken sehr unterschiedlich ist. Wenn aber insgesamt „die Verkrautung voranschreitet, wäre das schlecht“. Die Ruderer einer Mannschaft des Lübecker Ruderclubs, die am Düker gerade ihr Boot aus dem Wasser holen, sind da radikaler: Sie wünschen sich, dass der Unterwasser-Rasen beispielsweise in der Wakenitz gemäht wird.

Rasen mähen in der Wakenitz? Zuständig dafür wäre Benjamin von Jagow, Leiter der Abteilung Wasserbau und Wasserwirtschaft in der Lübeck Port Authority. Für ihn ist Mähen nur eine Notlösung. „Das müsste regelmäßig sein, wie bei einem Rasen, und das wäre viel zu aufwendig und teuer“.

Friederike Grabitz

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