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Lübeck Der Nächste bitte: Forschung im Schnelldurchlauf
Lokales Lübeck Der Nächste bitte: Forschung im Schnelldurchlauf
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18:27 25.11.2013
Mit riesigem Stirnspiegel und dem Brustkrebszellenluftballon: Assistenzarzt Matthias Wolff (28) erläutert seine Doktorarbeit. Quelle: Fotos: W. Maxwitat
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Wenn eine Gugelhupfbackform ein nicht-denkendes Gehirn darstellt und jemand mit Hammer, Messer und Schraubendreher auf eine Plakatwand eindrischt, dann wird Wissenschaft im Famelab Germany präsentiert: Beim internationalen Wettbewerb für Wissenschaftskommunikation stand jetzt der Regionalentscheid für Schleswig-Holstein an. Er wurde im Multifunktionscenter auf dem Uni-Campus ausgetragen. Junge Forscher aus den Natur- und Technikwissenschaften ab 21 Jahren waren dazu aufgerufen, ihr Forschungsthema dem Laienpublikum und einer vierköpfigen Fachjury verständlich zu vermitteln. Sechs Kandidaten hatten für ihren möglichst originellen und unterhaltsamen Vortrag drei Minuten Zeit. Als Hilfsmittel war alles erlaubt, was auf einmal auf die Bühne getragen werden konnte. „Nur Powerpoint-Präsentationen und technische Hilfsmittel sind verboten“, erläuterte die NDR-Moderatorin Silvana Gardenal. Der Wettbewerb fand zum dritten Mal in Lübeck statt und bestand aus zwei Runden. Das Publikum und die Jury wählten anschließend ihre Favoriten.

Informatiker Norman Scheel (30) von der Uni Lübeck trat mit dem Thema „Testing State — Wenn das Gehirn mal Pause macht“ an und erläuterte dem Publikum anhand einer Backform die Netzwerkreaktionen bei Krankheiten im Gehirn. „Leider wurde dein Forschungsthema nicht deutlich genug“, kritisierte Jurymitglied Frauke Kegel vom British Council in Berlin nach der ersten Runde. Gasthörer Stefan Morley hingegen gefiel die Wissenschaftsvermittlung: „Er machte ein so komplexes Thema verständlich, bezog die Leute mit ein und hat es sehr lustig erzählt“, sagte der 50-jährige Physiker.

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NDR-Moderatorin Silvana Gardenal leitete den "Famelab Germany"-Regionalentscheid für Schleswig-Holstein.

Timm Bußhaus, Informatiker der Unitransferklinik und des Institutes für Telematik, führte die Zuschauer in die Problematik der „egoistischen, inkompatiblen Geräte“ in deutschen OPs ein. „Mit geeigneter Hard- und Software könnten aus ihnen ,kooperierende Geräte‘ werden“, sagte der 41-Jährige. Janina Britze (25) von der Uniklinik Schleswig-Holstein stellte die Kooperationsplattform der Chirurgie „Surgerynet.de“ vor, und Informatiker Dennis Boldt (27) widmete sich der aktuellen Frage „Warum Lübeck ein Problem mit seinen Brücken hat“ und wie ein kleiner Computer zukünftig Brückenschäden analysieren könnte. „Deine Zerstörungswut mit Hammer, Messer an der Brücke war sehr lustig“, sagte Jurymitglied und Geo-Redakteur Malte Henk. „Der Vortrag war lebensnah, anschaulich, und das Problem ist mir jetzt klarer“, befand auch Gast Udo Törper. Die Jury, die ihm den zweiten Platz zusprach, sah es ähnlich.

Vom Publikum als Liebling gewählt und von der Jury zum Sieger „eines Wettbewerbes auf höchstem Niveau“ gekürt wurde Assistenzarzt Matthias Wolff, der sich in seiner Doktorarbeit mit der Brustkrebszellenforschung befasst. Unter der Überschrift „Wenn die Zelle bockt oder dem Tumor die Luft ausgeht“ stellte der 28-Jährige an einem weißen Luftballon mit Rezeptorenhüten dar, wie eine gesunde Zelle zu Krebs auswuchert und wie er mit seinem Arbeitsbeitrag versucht, altbekannte Krebsmedikamente einzusetzen, um die Rezeptoren zu erhalten oder neu auszubilden. „Wir wollen so erreichen, dass die Zelle behandelbar bleibt“, sagte Wolff. Als Publikumsliebling bekam er ein Geo-Abo geschenkt. Von der Jury erhielten der Erst- und Zweitplatzierte Geldpreise. Zudem gewannen beide einen Famelab-Masterclass-Kurs und dürfen am Bundesfinale in Bielefeld teilnehmen.

Famelab-Wettbewerb
2011 wurde der Wettbewerb erstmals in Deutschland veranstaltet. Noch sechs weitere Bundesland-Entscheide finden dieses Frühjahr statt (Hamburg am 9. März). Das Famelab-Bundesfinale wird in Bielefeld ausgetragen. Die Landessieger aus 20 Ländern, darunter Brasilien und Ägypten, treten beim Cheltenham Science Festival um die Krone an.

Janine Richter