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Lübeck Die Drei-Mahlzeiten-Regel per Handy
Lokales Lübeck Die Drei-Mahlzeiten-Regel per Handy
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23:12 08.12.2017
Uni-Doktorandin Juliane Richter von der Sektion Psychoneurobiologie freut sich, dass Bernhard Genendsch an der Studie teilnimmt. Die App auf dem Handy ist nun sein täglicher Begleiter. FOTOS (2): FELIX KÖNIG
St. Jürgen

Bernhard Genendsch trägt es mit Humor – „ich bin schlicht zu klein für mein Gewicht“, grinst er. Wenn sich der 60-Jährige zu Hause auf die Waage stellt, zeigt das Messgerät derzeit 105 Kilogramm an. „Vor fünf Monaten, also bevor ich die App auf meinem Smartphone hatte, waren das noch über 110 Kilo“, sagt der Bundeswehr-Pensionär. Er sei gesundheitlich „ein bisschen angeschlagen“ gewesen und habe daraus den Impuls gezogen, etwas für seine Gesundheit zu tun.

Eine preisgekrönte App auf dem Smartphone, die Uni-Forscherin Prof. Kerstin Oltmanns entwickelt hat, soll Übergewichtigen beim langsamen, aber nachhaltigen Abnehmen helfen. Die Wirksamkeit des Programms wird in einer Studie untersucht, für die noch Teilnehmer gesucht werden.

„Dazu kam, dass meine Frau hier auf dem Uni-Campus arbeitet und ihre Kollegin von einem Abnehm-Programm via App erzählt hat“, erinnert sich Genendsch. Daraus entwickelte sich dann sogar eine „private Challenge“ der beiden, so dass Worten Taten folgten. Und sein Zwischenresümee fällt schon sehr positiv aus – „ich halte mich nun vor allem an drei ausgewogene Hauptmahlzeiten am Tag und habe dazu eine Walking-Einheit in meinen Alltag integriert“, fasst er zusammen.

Die Applikation für das Handy trägt den Namen „Nupp-App“ und wird in der Rubrik „Lifestyle“ im App-Store geführt. „Wir wollen nun ihre Effizienz wissenschaftlich untersuchen lassen“, erklärt Professorin Kerstin Oltmanns. Die Leiterin der Sektion für Psychoneurobiologie der Uni Lübeck hat die Anwendung außerhalb ihrer Forschungstätigkeit zusammen mit dem Entwickler Axel Schulz auf den Weg gebracht und sehr viel eigenes Ernährungs-Knowhow beigetragen. Die App-Idee aus der Hansestadt gewann im vergangenen Jahr sogar den Sonderpreis in der Kategorie „Informationstechnologie“ beim „Ideenwettbewerb Schleswig-Holstein“ (die LN berichteten).

Nahrungsmittel können dazu benutzt werden, um unangenehme Gefühle – wie Stress oder Ärger – zu dämpfen. Da dieses Essverhalten aber nichts mit Hunger und Sattheit zu tun hat, wird mehr und häufiger gegessen, damit man sich besser fühlt – wie bei einer Droge.“ Mit solchen Informationen angereichert befolgt Bernhard Genendsch tagtäglich bestimmte Regeln. „Insbesondere die Frühstück, Mittag- und Abendessen-Regel“, sagt er.

Er habe früher fast immer morgens gar nichts und überhaupt unregelmäßig gegessen – „bis zu dem Zeitpunkt, dass insbesondere abends die Heißhunger-Attacken kamen und man dann recht viel in sich hineingestopft hat“, weiß er. Überhaupt esse er jetzt viel bewusster, „und wenn ich satt bin, lasse ich auch mal etwas auf dem Teller liegen.“ Sein Ziel sei es, über zwölf Monate Schritt für Schritt bis zu neun Kilogramm abzunehmen.

Anfang Januar gibt es wieder eine Erfolgskontrolle. Dann wird er wieder von Juliane Richter, die wissenschaftliche Mitarbeiterin im Uni-Forschungszentrum CBBM ist, untersucht. „Wir nehmen Messparameter auf wie zum Beispiel Hüft- und Bauchumfang, die Körperzusammensetzung sowie bestimmte Blutwerte wie Blutzucker und Stresshormone“, erklärt die Nachwuchsforscherin. Vier Untersuchungen gibt es insgesamt, die mit 100 Euro honoriert werden.

Und rund 50 – alle mit einem Body-Mass-Index über 30 – konnten für die Uni-Studie bereits gewonnen werden. „Es können aber gern noch mehr sein“, betont Juliane Richter und hofft auf weitere Interessierte.

Informationen unter Telefon 0451/31017537 und E-Mail an richter@pnb.uni-luebeck.de

 Von Michael Hollinde