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Lübeck Die Musik- und Kongresshalle fängt den Sonnenschein ein
Lokales Lübeck Die Musik- und Kongresshalle fängt den Sonnenschein ein
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11:17 26.11.2013
Ein Auffangnetz für Sonnenlicht: Senatorin Annette Borns (SPD) schaut sich die Solaranlage auf dem Dach der MuK an — gemeinsam mit Ilona Jarabek (Mitte) und Annie Lykke Gregersen.
Ein Auffangnetz für Sonnenlicht: Senatorin Annette Borns (SPD) schaut sich die Solaranlage auf dem Dach der MuK an — gemeinsam mit Ilona Jarabek (Mitte) und Annie Lykke Gregersen. Quelle: Foto: Ulf-Kersten Neelsen
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Lübeck

Die Musik- und Kongresshalle (MuK) setzt weiter auf Öko: Hinter den weithin sichtbaren Figuren auf dem Dach von Lübecks größter Veranstaltungshalle wird jetzt die Sonnenenergie aufgefangen. In luftiger Höhe haben die Stadtwerke 170 Solarmodule mit einer Fläche von 550 Quadratmetern aufgestellt. Kosten: 55 000 Euro. Das Geld zahlen die Stadtwerke. „Wir müssen in allen Energie-Sparten ein bisschen aktiv sein“, begründet Stadtwerke-Chefin Annie Lykke Gregersen das Projekt. Selbstlos ist es nicht, denn Lübecks Energieversorger erhält pro Jahr 6600 Euro staatliche Subvention dafür.

Und auch die MuK hat etwas von den Solarmodulen auf dem Dach: Der Strom aus Sonnenschein reicht für die Beleuchtung des Konzertsaales der MuK für das ganze Jahr. Die Anlage bringt eine durchschnittliche Jahresleistung von 44 000 Kilowattstunden — so viel Strom verbrauchen zehn Vier-Personen-Haushalte pro Jahr. „Das ist ein weiterer Schritt für uns“, sagt Chefin Ilona Jarabek, die die MuK in ein Öko-Haus verwandelt hat. Denn der Veranstaltungsort wurde bereits 2010 mit dem „Green Globe“ ausgezeichnet. Die MuK hat sich damit verpflichtet, ihren Betrieb nach Öko-Kriterien auszurichten. Die MuK hat in drei Jahren ihren Stromverbrauch um die Hälfte gesenkt. Statt zwei Millionen Kilowattstunden sind es nur noch eine Million. Und der Öko-Kurs rechnet sich. „Wir haben 250 000 Euro eingespart“, sagt Jarabek. Die Notbeleuchtung wurde in Absprache mit der Feuerwehr runtergefahren, durch die neue Gebäudeleittechnik kann beispielsweise die Klimaanlage gezielt an- und abgeschaltet werden. „Es sind tausend kleine Dinge, die zu den Einsparungen geführt haben“, so Jarabek. Für die MuK-Chefin ganz besonders wichtig: Mit dem Öko-Label kann ihr Haus gegenüber der Konkurrenz punkten. „Die Veranstalter legen Wert auf ein ökologisches Profil einer Kongresshalle“, sagt Kultursenatorin Annette Borns (SPD).

Die neue Solaranlage auf dem Dach der MuK ist vom Denkmalschutz genehmigt. „Ich sehe keinen Unterschied zwischen dem Kies und den Modulen auf dem Dach“, sagt Borns. Sie glaubt, dass es künftig „sehr viel mehr Möglichkeiten gibt“, das Thema Solaranlagen auf Lübecks Dächern voranzutreiben. Mittlerweile gebe es Solarmodule, die sich farblich besser in die Dächerlandschaft des Weltkulturerbes einpassen, so Borns. Denn Solarmodule auf Häusern mitten in der Altstadt sind eine heikle Sache, da die Wächter des Weltkulturerbes viel Wert auf die Dach-Ansichten der Gebäude legen.

Für die Stadtwerke ist das MuK-Dach die siebte Solaranlage. Neben dem Solarkraftwerk in Ronneburg (Thüringen) hat der Energieversorger noch weitere kleinere Anlagen in und um Lübeck. Auf dem Trave-Gymnasium in Kücknitz wird die Sonnenenergie eingefangen sowie bei einer Firma im selben Stadtteil. In Bad Schwartau sowie Sereetz und auf dem Wasserwerk in Bad Kleinen haben die Stadtwerke Solarmodule platziert. Der Lübecker Energieversorger sucht noch weitere städtische Gebäude der Stadt für Solaranlagen.

Ist es in Lübeck nicht zu kalt für die Sonnenstromproduktion? Stadtwerke-Bereichsleiter Ralf Gierke schüttelt den Kopf. „Im Vergleich zu Bayern schneiden wir oft besser ab“, sagt Gierke. Zwar brauchen die Solarmodule Sonnenschein — aber auch viel Wind für die Kühlung. Gierke: „Da ist das Dach der MuK ein idealer Standort.“

„Wir haben in drei Jahren 250 000 Euro eingespart.“
Ilona Jarabek

Josephine von Zastrow