Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck Der Rosinenbomber musste am Boden bleiben
Lokales Lübeck Der Rosinenbomber musste am Boden bleiben
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:10 16.07.2018
Sicherheit zuerst: Techniker Cor Eerhart macht sich an die Arbeit bei einem der beiden Kolbenmotoren der „Prinses Amalia“. Wahrscheinlich heute fliegt die DC3 zurück in die Niederlande. Quelle: Fotos: Wolfgang Maxwitat
St. Jürgen

Der Vorfreude folgt die Enttäuschung: An Bord werden die 16 Fluggäste von Stewardess Marijke Mook begrüßt. Sie gibt Sicherheitsanweisungen und lädt dazu ein, während des Fluges auch mal ins Cockpit zu gehen. Der Flieger bietet eine erstaunlich große Beinfreiheit. Je zwei Sitze gibt es links und rechts entlang des Ganges. Die Spannung steigt. Flugkapitän André Conradi und Co-Pilot Eduard Klap steuern den historischen Flieger zur Startbahn.

Da, wo das Flugzeug vollen Schub zum Start geben soll, werden noch einmal die Triebwerke getestet. „Das wird etwas lauter“, ruft Conradi den Passagieren über Lautsprecher zu. Die gucken aus den Fenstern und warten geduldig auf den Start. Es riecht ein wenig nach verschiedenen Ölen, genauso, wie Conradi noch im Terminal vorhersagte. Nach zehn Minuten geht es zwar los, aber nur langsam rollt das Flugzeug wieder zum Abfertigungsgebäude zurück, bis der Pilot erklärt: „Wir müssen eines der Triebwerke untersuchen.“ Und so müssen die Fluggäste den Flieger verlassen, gehen über das Rollfeld zurück in die Halle.

Anzeige
Die „Prinses Amalia“, einst als einer der Rosinenbomber während der Luftbrücke im Einsatz, hat am Sonnabend drei Rundflüge absolviert und die Passagiere begeistert. Am Sonntag konnte der Flieger wegen eines technischen Problems nicht starten. Drei vorgesehene Flüge wurden gestrichen.

33 Jahre war Conradi Verkehrspilot bei der niederländischen Fluggesellschaft KLM. Heute dreht der Ruheständler seine Runden mit der DC3. Aber die will heute nicht so, wie sie soll. Zwei Techniker, die auf den DC3-Touren mitreisen, machen sich an die Arbeit, stellen eine Leiter an das rechte Triebwerk und versuchen, das Problem des Kolbenmotors zu lösen. Doch dann gibt es das endgültige Aus für den Flug, der für 10 Uhr angesetzt war. „Wir können heute leider nicht fliegen“, sagt Kapitän Conradi. Inzwischen sind die Gäste für den nächsten Sonntags-Flug eingetroffen. Auch sie ziehen unverrichteter Dinge wieder ab. „Die Tickets behalten ihre Gültigkeit“, versichert René Jacobs, Sprecher der niederländischen Dakota Classic Airlines. „Im Lauf der Woche entscheiden wir, wann wir wieder nach Lübeck fliegen“, so Jacobs. Die Passagiere bekämen neue Rundflugdaten. „Passen diese den Gästen nicht, bekommen sie ihr Geld zurück.“

„Das ist echt schade, ich bin schon enttäuscht“, sagt Sara Kristen die noch nie geflogen ist, und bei einer LN-Verlosung Glück hatte. „Dann eben das nächste Mal“, sagt die 16-Jährige. Auch Sabine Willhöft – sie ist die zweite LN-Gewinnerin – findet es „bedauerlich, aber es lässt sich nun mal nicht ändern“. Die Fluggäste verlassen den Flughafen, den Vormittag haben sie sich anders vorgestellt. Aber sie haben Verständnis für die Panne: „So etwas habe ich öfter erlebt. Die Sicherheit geht vor. Das ist in der Fliegerei ganz normal“, weiß Brigitte Kröster. Die 74-Jährige weiß, wovon sie spricht. Von 1965 an war Kröster elf Jahre als Stewardess bei der Lufthansa. Angefangen hat es auf einer zweimotorigen Convair durch Deutschland und Europa, später war Kröster auf einer Boeing 707 und auf dem Jumbo auf Langstrecke unterwegs. „Sobald nur eine kleine Kontrolllampe im Cockpit nicht brennt, wird nicht geflogen“, so die Stewardess. Zu gerne hätte die Travemünderin das Klappern und Vibrieren in der DC3 erlebt, das Rauf und Runter, und die Wolken gespürt. „Das ist noch richtiges Fliegen wie früher“, sagt Kröster. Aber der Spaß muss warten, bis die Holländer wieder nach Lübeck kommen. Dann bin ich dabei.“

Wegen eines Ersatzteils, das gestern Abend erwartet wurde, fliegt die DC3 wahrscheinlich heute erst zurück in die Niederlande.

Der Rosinenbomber

Die vor 74 Jahren gebaute DC3 ist eine von insgesamt 16000 Exemplaren. 1946 wurde der Flugzeugtyp der Douglas Aircraft Company vom niederländischen Prinz Bernhard gekauft. Ein Jahr später übernahm die Regierung den Flieger, der in den 90er Jahren restauriert wurde. Heute glänzt die „Prinses Amalia“ als „Grand Old Lady“ und wichtiger Botschafter der niederländischen Luftfahrtgeschichte.

Rüdiger Jacob