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Lübeck Die Rückkehr der Drehbrücke: Dienstag ist sie wieder da
Lokales Lübeck Die Rückkehr der Drehbrücke: Dienstag ist sie wieder da
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09:06 30.04.2015
Eingepasst: Das runderneuerte Stück Stahl sitzt jetzt genau dort, wo es es hingehört.
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Innenstadt

Sie kommt wieder: Die Drehbrücke ist seit sechs Monaten nicht mehr an Ort und Stelle. Jetzt kehrt sie zurück. Am Dienstag, 5. Mai, holt Schwimmkran „Enak“ das Bauwerk von 1892 wieder ab. Es lagert seit Oktober an den Kaikanten auf dem ehemaligen LMG-Gelände. Dort wurde der stählernen Lady extra ein eigenes Zuhause errichtet, in dem sie komplett saniert wurde. Nun ist sie wieder rundum hübsch und rostfrei. Doch obwohl sie bereits Dienstag eingesetzt wird und damit die Untertrave wieder mit der Wallhalbinsel verbindet, müssen sich die Autofahrer noch ein paar Wochen gedulden. Denn geöffnet wird die Drehbrücke erst am 21. Mai. „Alles sieht derzeit danach aus“, bestätigt Stefan Klotz, Bereichsleiter Verkehr. Dann können über die runderneuerte Querung täglich wieder 17800 Autos rollen.

Denn die Drehbrücke ist ein kompliziertes Gebilde. Sie besteht aus drei Teilen, die sich erst wieder aneinander gewöhnen müssen — nachdem sie alle einzeln einer Frischzellenkur unterworfen wurden.

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Der 22 Tonnen schwere Königsstuhl wurde bereits am Freitag eingebaut. Er sitzt unsichtbar im Sockel der Kaikante auf der Seite Wallhalbinsel — und dreht die Querung. Darauf kommt der Hauptträger — ein 27 Tonnen schweres Stück Stahl, das die Brücke trägt, während sie dreht. Der Hauptträger wurde gestern eingesetzt — mit Hilfe eines 400 Tonnen schweren Krans.

Bei strahlendem Sonnenschein wurde das etwa zehn Meter lange Versatzstück an seinem Platz auf dem Königsstuhl montiert, zuvor war der Stahlbalken per Schwertransporter angeliefert worden. Und auch der Aufbau des Krans selbst dauerte mehrere Stunden. „Die Kranteile wurden mit drei Schwertransportern gebracht — das entspricht etwa acht normalen Lkw-Ladungen“, so ein Mitarbeiter der Firma Lange, die den Kran gestellt hat. Um 6 Uhr begannen die Aufbauarbeiten, bei denen unter anderem die Winde des Krans installiert wurde. Erst um 10.15 Uhr konnte der Hauptquerträger auf der Kaikante platziert werden.

Jetzt ist alles vorbereitet für die eigentliche Brücke. Am Montag kommt Schwimmkran „Enak“ nach Lübeck — und holt die Brücke wieder ab. Sie liegt mit frischem Korrosionsschutz an der Kaikante, satte 320 Tonnen schwer und wartet auf ihren Rücktransport. „Enak“ wird sie am Dienstag in der Frühe wieder über das Wasser hieven und an ihren angestammten Platz bringen. Den hatte die Drehbrücke 123 Jahre lang nicht verlassen. „Das Einsetzen ist komplizierter als das Ausheben“, sagt Klotz. „Das ist Millimeter-Arbeit.“ Bis dann alles wieder korrekt miteinander verbunden ist, jede Schraube sitzt und die Drehbrücke wieder dreht, dauert es noch ein paar Wochen. Denn die drei Teile der Drehbrücke haben sich über die Jahrzehnte so aneinander gewöhnt, dass sie krumm und schief miteinander verbunden sind. Und so krumm und schief müssen sie auch wieder zusammengesetzt werden.

Für die Autofahrer dürfte die Rückkehr der Drehbrücke eine Erleichterung sein. Für sie fällt jetzt der Umweg über die Nordtangente oder das Holstentor weg. Außerdem könnte es auch weniger Staus während der Hauptverkehrszeit geben, die sich seit der Sperrung der Possehlbrücke regelmäßig bilden. Diese Querung von 1956 ist seit Ende März in Richtung stadtauswärts gesperrt und wird anders als die Drehbrücke direkt vor Ort abgerissen und erneuert. Bis Ende 2016 dauert die Sperrung. Wenn die Possehlbrücke fertig ist, hat bereits die Runderneuerung der Bahnhofsbrücke begonnen. Diese beiden Bauprojekte überschneiden sich etwa ein Jahr. Dann wird es wieder eng auf Lübecks Straßen.

Frischzellenkur
4 Millionen Euro kostet die Sanierung der Drehbrücke. Sie ist Lübecks älteste Querung, stammt aus dem Jahr 1892 — und wurde seither nie ausgebaut. In den 60er-Jahren wurde sie notdürftig geflickt. Die Querung aus Stahl war rostig, der Korrosionsschutz abgeblättert. Weil dieser giftig ist, wurde die Querung in einem eigens errichteten Haus sandgestrahlt, repariert und mit neuem Schutz versehen.

Josephine von Zastrow und Katrin Diederichs