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Lübeck So fischt das Sammelschiff „Seekuh“ den Müll aus der Ostsee
Lokales Lübeck So fischt das Sammelschiff „Seekuh“ den Müll aus der Ostsee
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18:47 22.07.2019
Zwei Plastikkanister schwimmen in der Ostsee vor Travemünde. Gleich gehen sie dem Müllsammelschiff „Seekuh“ ins Netz, dass während der Travemünder Woche in der Lübecker Bucht unterwegs ist. Quelle: Wolfgang Maxwitat
Travemünde

 Die Müllfalle liegt zwei Meter tief in der Ostsee. Wie ein aufgesperrter Kiefer aus Netzen lauert sie im aufgewühltem Wasser. Weniger Meter weiter tanzen zwei Plastikkanister auf den Wellen, die Strömung treibt sie in die richtige Richtung. Die Falle wird in Position gebracht - und zack sind sie im Netz. „Auf diese Weise haben wir vor Hongkong in fünf Minuten 50 Kilo Plastikmüll aus dem Meer gefischt“, sagt Mikrobiologe Rüdiger Stöhr. Nun ist die Lübecker Bucht dran: Während der Travemünder Woche sind Stöhr und seine Crew dort mit dem MüllsammelschiffSeekuh“ unterwegs.

Eine „Maritime Müllabfuhr“

Die „Seekuh“, eine schwimmende Aluminium-Plattform mit Außenbordmotoren und zwei Fangnetzen, ist Teil der „Maritimen Müllabfuhr“ des Vereins „One Earth-One Ocean“. Der Gründer Günther Bonin geriet mit seinem Schiff einst vor der US-Westküste in eine Insel aus Plastikabfällen. Der Anblick schockierte so sehr, dass er beschloss zu handeln. Zu seiner Flotte gegen Meeresmüll gehören auch die Katamarane „Seehamster“ und das Müllverwertungsschiff „Seeelefant“. Das Konzept sieht vor, Müll in Küstenbereichen und Mündungen zu sammeln, zu sortieren und beispielsweise als Kraftstoff wieder zu verwerten. Es gibt viel zu tun, denn das Ausmaß ist dramatisch: Etwa 150 Millionen Tonnen Plastikmüll befinden sich in den Weltmeeren.

Während die „Seekuh“ gegen die Verschmutzung vor der Küste in Travemünde kämpft, flitzen Boote mit weißen Segeln vorüber. Sie üben für die Regatten. Auch die „Lisa von Lübeck“ fährt an dem Müllsammelschiff vorbei, das mit vier Knoten über das Wasser tuckert. Zu den Aufgaben der Crew an Bord gehört auch die Dokumentation des Gehalts von Mikroplastik im Meer.

Mikroplastik in der Ostsee

Dazu gießt Stöhr etwa 20 Liter Meerwasser durch ein Feinsieb aus Edelstahl. Die Öffnungen sind so klein, dass Partikel mit einer Größe bis 63 Mikrometern hängen bleiben. Der Kapitän der „Seekuh“, Oliver Landschreiber, notiert die Position der Probe. Auf dem zehn mal 12 Meter großen Schiff befindet sich ein kleines Labor, in dem Stöhr seine Wasserprobe einer ersten Untersuchung unterzieht: Er überträgt die ausgesiebten Partikel auf einen Glasfaserfilter. Durch ein Mikroskop sind rote, blaue und schwarze Härchen zu erkennen. Es handelt sich mit großer Wahrscheinlichkeit um Mikroplastik, winzige Kunststoffpartikel, die sich durch UV-Strahlung und Brandung aus Kunstoffgegenständen lösen.

Um sicher zu sein, muss der Biologe die Probe jedoch an Land untersuchen „Auch wenn die Ostsee auf den ersten Blick sauber aussieht, bin ich mir sicher, dass ich fündig werde“, sagt Stöhr. Er arbeitet gerade an einer Dokumentation über den Gehalt von Mikroplastik in der Ostsee. Für den Atlantik hat „One Earth- One Ocean“ bereits eine Karte erstellt. Beim ersten Durchgang hat Stöhr in 72 Prozent aller Proben Mikroplastik gefunden, beim zweiten waren es bereits 89 Prozent. Der Anteil steigt.

Kleidung aus Kunststoff schaden dem Meer

Dabei gebe es derzeit noch immer keine effektive Möglichkeit, das Mikroplastik aus dem Wasser zu entfernen. „Es darf einfach nicht noch mehr ins Wasser gelangen“, sagt Stöhr. Zu den schlimmsten Verursachern gehöre Kleidung aus Kunstofffasern, die beim Waschgang in die Umwelt geraten, und Reifenabriebe, die der Regen ins Meer spült.

Rüdiger Stöhr beim Talk im Medienzelt

Wer sich für die Arbeit und Projekte von One Earth-One Ocean interessiert, kann das Team an seinem Stand auf der Travemünder Woche besuchen. Das Zelt ist täglich von 11 bis 19 Uhr geöffnet.

Beim Talk im Medienzelt gibt Mikrobiologe Rüdiger Stöhr, der seit 2013 für „One Earth-One Ocean“ arbeitet und der wissenschaftliche Leiter der „Seekuh“ ist, zudem heute um 18.15 Uhr ein Interview. Der Eintritt ist kostenfrei, Sie finden das LN&NDR-Medienzelt auf der TW-Meile gegenüber der Viermastbark „Passat“.

An Bord der „Seekuh“ sitzt auch Till Schulze-Hagenest, der als Geschäftsführer der Lübeck-Yacht Trave Schiff GmbH für den Bau des Müllsammelschiffs verantwortlich war. „Es lässt sich zerlegen – und ist daher weltweit einsetzbar“, erklärt der Schiffsbauingenieur. Bald bekommt das Müllsammelschiff noch eine Schwester. Die „Seekuh 2“ wird gerade in Lübeck gebaut. Beim Einsatz gegen den Plastikmüll im Meer ist jede Unterstützung nötig.

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