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Lübeck Interview mit den Waltons: „Es ist kein Ende in Sicht“
Lokales Lübeck Interview mit den Waltons: „Es ist kein Ende in Sicht“
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19:33 22.12.2018
Das sind die Waltons im Rider’s Café (v.l.): Benedict Middeler, Marlon Schielin, Hatto Renn. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
Lübeck

Für Punkfans gehören sie zu Weihnachten, wie für andere der Braten zum Fest: Die Waltons. Die Berliner Cowpunk-Band spielt im Rider’s Café in Lübeck stets zu den Feiertagen. Warum das so ist und bleiben wird, erzählt Sänger Benedict Middeler.

Weihnachten ist das Fest der Tradition. Ihr habt eine etwas andere Art der Tradition: 29 Jahre spielt Ihr schon im Rider’s Café – mit Unterbrechungen. Warum?

Benedict Middeler: „Truck me harder“ – unser erstes Album kam 1989 im Sommer raus. Das passte ins Riders Café. Das ist ja ursprünglich ein Biker-Schuppen. Und „Truck me harder“ handelt nur von Motoren, Lkw und Fahrten über den Highway. Das passte super zusammen – und es war direkt zur Begrüßung ausverkauft. Das war ein echtes Ding! Wir sind ja kein Top-Act – aber da waren 400, 500 Leute. Weihnachten haben wir noch vier Christmas-Songs rausgebracht und haben wieder im Rider’s gespielt. Und es war wieder ausverkauft! Das war der Beginn einer wundervollen Freundschaft – und auch der Beginn der Tradition, Weihnachten in Lübeck im Rider’s zu spielen.

Die Waltons kennen die meisten als US-Serie (1972-1981). Warum habt Ihr Euch so genannt?

Damals war es ein bisschen trendy, sich nach Fernsehserien zu benennen. Wir wollten irgendeine Familien-Saga – und es sollte irgendwie auch lustig sein.

Das sind die Musiker

Dann habt Ihr Euch auch nach den Figuren der Serie benannt. Du bist ja John-Boy . . .

Ja, die Gründungsmitglieder der Band haben das alle gemacht. Dazu gehörte auch mein Cousin, der jetzt als Jacques Palminger beim Studio Braun für Furore sorgt. Der hatte sich Jim-Bob genannt. Unser Nachbarsjunge war Jason.

Und warum sind die nicht mehr dabei?

Jim-Bob ist Anfang der 90er nach Hamburg gegangen und hat die Comedy-Richtung eingeschlagen – sehr erfolgreich. Jason ist nach München, Familie gegründet, BWL zu Ende studiert.

Und wie ist das bei den jetzigen Bandmitgliedern – sind das Künstlernamen?

Ja, zum teil. Doc Walton ist Apotheker und hat einen Doktortitel in Astrophysik. Und Marlon-Kid heißt wirklich Marlon.

Ein Astrophysiker als Bassist

Die Musik ist der roten Faden im Leben von Doc Hatto. Und mit den Waltons kann er „regelmäßig die Sau rauslassen, um ansonsten ein entspanntes Leben zu haben“, sagt der Bassist. Denn im realen Leben ist Hatto Apotheker, hat seinen Doktor in Astrophysik gemacht. Über sein Alter will er lieber nicht reden – aber er gehört wahrscheinlich zu den wenigen seiner Generation, deren Füße immer noch in Springer-Stiefeln stecken – und die ansonsten komplett in Schwarz gewandet sind. Vor zehn Jahren zog Hatto weg aus Berlin in die Südpfalz, nahe der französischen Grenze. Warum er nie professioneller Musiker geworden ist? „Das würde mir auch nicht reichen“, sagt Hatto. Dazu habe er zu viele andere Interessen. Wenn er Musik hört, dann ist das Rock’n’ Roll – und Klassik.

Eure Bandgeschichte beinhaltet Brüche: Gegründet 1983 wart Ihr gut zehn Jahre erfolgreich. Habt eine Pause gemacht und seit 2004 wieder gestartet. Warum habt Ihr euch nicht aufs professionelle Musiker-Dasein verlegt?

Es ist schwierig davon zu leben. Und wer davon leben will, der muss jedes Wochenende irgendwo auftreten. Diese Ambitionen hatten wir nie. Dass wir unsere Brötchen damit nicht belegen, bringt uns auch in die privilegierte Situation, dass wir uns aussuchen können, wo wir auftreten. Lübeck Riders gehört in jedem Fall immer dazu. Köln, Berlin, Freiburg – es gibt so ein paar Adressen, bei denen wir gerne antreten.

Dann kam 2011 der Tod von Drummer Jani-Boy . . .

Ja, da waren wir ein paar Jahre paralysiert. Ich hätte auch gar nicht gedacht, dass wir uns jemals wieder reformieren. Da hat meine Frau Alexandra einen entscheidenden Anteil dran – und mein Sohn Marlon. Der kam an und hat gesagt: „Papa: Ich kann jetzt alle Songs, die ihr auf den letzten Konzerten gespielt habt – und den Gesangspart von Jani-Boy kann ich auch.“

Und dann?

Er konnte das wirklich. Ich hatte schon mitgekriegt, dass er immer mit Kopfhörer im Studio saß. Irgendwie kam mir das alles so bekannt vor. Und irgendwann kam er mit der frohen Botschaft. Dann kam Hatto dazu. Und siehe da: Es war funktionsfähig.

Der Sohn am Schlagzeug

Es ist schon was besonderes. Der Jüngste in der Band hat sie eigentlich gerettet. Ohne Marlon gebe es die Waltons vielleicht nicht mehr. Der 22-Jährige hat heimlich geübt und konnte dann alle Songs der Band seines Vaters. Dadurch hat er den verstorbenen Drummer ersetzt. „Freizeit und Familie“ – das ist die Band für Marlon. „Wer kann schon von sich sagen, zu Weihnachten im Riders zu spielen?“, sagt der Schlagzeuger. Mit sechs hat er angefangen, spielt aber auch Gitarre, Klavier und singt. Eine Profi-Karriere als Musiker steht für ihn aber nicht im Vordergrund. „Wenn es sich ergibt . . .“, sagt er. Aber eigentlich setzt Marlon auf Medizin. Er macht eine Ausbildung zum medizinisch-technischen Laborassistenten, fährt aber als Sanitäter auf dem Rettungswagen. Und wenn er Musik hört – dann Punkrock.

Und wie ist es, wenn Vater und Sohn in einer Band spielen?

Das ist zwar nicht immer ganz einfach, aber am Ende zählt das Resultat. Bei pubertierenden Jugendlichen steht ja die Opposition immer als Selbstzweck. Damit muss ich mich arrangieren. Also: Marlon begreift als Schlagzeuger grundsätzlich erstmal alle Musikstücke als Werke für Schlagzeug mit Begleitung. Da er aber ein großer, ausnahmetalentierter und versierter Musiker ist, finden wir uns am Ende immer in einer professionellen Lösung wieder.

Zurück zu Weihnachten - wie lange werdet Ihr noch ins Rider’s Café kommen?

Da ist kein Ende in Sicht.

Josephine von Zastrow

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