Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck Diese junge Frau sollte vor vier Jahren abgeschoben werden
Lokales Lübeck Diese junge Frau sollte vor vier Jahren abgeschoben werden
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:44 24.08.2018
Liliya Witt sollte vor vier Jahren abgeschoben werden, jetzt arbeitet sie am Universitätsklinikum in Lübeck. Quelle: Christian Schaffrath
Lübeck

Für die städtische Ausländerbehörde und zwei Verwaltungsgerichte war der Fall klar: Liliya Witt, in Russland geboren, muss das Land und Lübeck verlassen. Das war vor vier Jahren. In letzter Minute kam es anders. Mittlerweile ist die 24-Jährige eine Fachkraft.

„Ich werde immer fleißig sein, lernen und arbeiten und Deutschland nicht enttäuschen“, schrieb Liliya Witt Mitte Juni an den damaligen Kieler Innenminister Andreas Breitner (SPD). Der hatte gerade entschieden, dass die junge Russin einen unbegrenzten Aufenthalt in der Bundesrepublik erhält. Vorangegangen war ein Ersuchen der Härtefallkommission des Landes an den Minister, dass Liliya Witt bleiben sollte.

„Meine Tochter hat ihr Wort gehalten“, sagt Wolfgang Witt, der vor vier Jahren einen langen und teilweise auch erbitterten Kampf gegen die Behörden führte. Liliya Witt hat von der Radiologie des Universitätsklinikums (UKSH) in Lübeck das Angebot erhalten, als Medizinische Fachangestellte dort zu arbeiten. Ende Januar 2019 endet ihre Ausbildung, dann wird sie übernommen. „Ich fühle mich gut integriert in Deutschland“, sagt die 24-Jährige, die erst seit fünfeinhalb Jahren in Lübeck lebt, „ich fühle mich wie zu Hause.“ Ausländerfeindliche Reaktionen habe sie nicht ein einziges Mal erlebt, berichtet die 24-Jährige.

Für diese Integration hat die junge Russin alles getan. Sie hat Deutsch gebüffelt, den Sprachkurs B 1 absolviert. Bei einem Einbürgerungstest beantwortete sie 33 von 33 Fragen richtig. Von August 2014 bis Ende Juli 2015 absolvierte sie ein freiwilliges soziales Jahr bei der DRK-Schwesternschaft. Gewissenhaft, zuverlässig, sorgfältig, immer pünktlich und engagiert lauten die Urteile in der Bewertung. Auch die Bewertungsbögen aus der UKSH-Ausbildung enthalten nur Spitzenbeurteilungen.

Welch ein Happy End. Danach sah es Anfang 2014 gar nicht aus. Liliya Witt wurde im russischen Ischimbai geboren, lebte 19 Jahre in Russland. Anfang 2013 kam sie nach Lübeck – mit einer befristeten Aufenthaltserlaubnis. Wolfgang Witt adoptierte die junge Frau und wollte, dass sie dauerhaft in Lübeck bleiben könne. Die Lübecker Ausländerbehörde lehnte das ab und sah auch keinen Ermessensspielraum. Die junge Frau sei erwachsen und das Leben in Russland keine unzumutbare Härte. Das sieht Wolfgang Witt bis heute entschieden anders: „Sie hätte niemanden mehr dort gehabt, keine Wohnung, keine Arbeit und kein Geld.“ Der Adoptivvater drängte auf eine humanitäre Lösung. Und fand viel Unterstützung von Politikern – bis hin zum früheren Ministerpräsidenten Björn Engholm.

Doch im Frühjahr 2014 wurde der Kampf immer aussichtsloser. Verwaltungs- und Oberverwaltungsgericht attestierten der Ausländerbehörde, dass sie alles richtig gemacht habe. Die junge Russin sollte Deutschland bis zum 31. Mai 2014 verlassen. Die letzte Hoffnung war die Härtefallkommission – und der Innenminister.

Doch vollkommen ist das Happy End noch nicht. Liliya Witt stellte Ende Mai einen Antrag auf einen unbefristeten Aufenthaltstitel. Voraussetzung ist, dass sie seit fünf Jahren in Lübeck lebt. Abweichungen von dieser Regelung seien für Menschen, die wegen eines Härtefalls einen Aufenthalt haben, nicht möglich, sagt die Ausländerbehörde: „Am 26. Juni 2019 kann Liliya Witt die begehrte Aufenthaltserlaubnis erteilt werden.“ Die junge Russin hat nur einen Wunsch. Dass die Bürokratie endlich endet und sie in Ruhe ihrer Arbeit nachgehen kann – als medizinische Fachkraft, die in Lübeck und Deutschland so dringend gesucht wird.

Kai Dordowsky

Jetzt auch in der Hansestadt: Die Regionalpartei SSW wirbt für die Toleranz gegenüber Minderheiten. Weil sie von Lübeckern häufig abgelehnt werden, reagieren sie nun mit etlichen Veranstaltungen.

23.08.2018

Zu hoch, zu massiv, zu viel. Das ist oftmals das Empfinden der Nachbarn, wenn nebenan gebaut wird. Immer wieder bringen Neubauten die Bürger in Rage. Das Problem: Häuser werden häufig nach einem Paragrafen genehmigt, der Interpretations-Spielraum lässt. Wie jetzt in Travemünde.

22.08.2018

Auch Tage, nachdem der Ast einer Trauerbuche abgebrochen ist, liegen große Pflanzenteile in der Körnerstraße. Die Stadt betont angesichts des Vorfalls von vergangenem Freitag, dass für die Schadensregulierung sowie die Aufräumarbeiten der Eigentümer des Baumes verantwortlich sei.

22.08.2018