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Lübeck Dieseldiebe quälen Lübecks Baubranche
Lokales Lübeck Dieseldiebe quälen Lübecks Baubranche
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10:29 02.10.2016
Ärgerlicher Start in den Arbeitstag: Gleich an zwei Morgen war der Bagger der Abrissfirma leergepumpt. Für Baggerfahrer Andre Bürger bedeutet der Dieselklau viel zusätzliche Arbeit. Quelle: Holger Kröger
Lübeck

Einen schlechteren Start in den Arbeitstag gibt es für die Mitarbeiter der Firma Grabowski Abbruch kaum: Es ist früh am Morgen, wenn die Männer die Baustelle betreten und die Bagger anwerfen wollen – und dann feststellen, dass der Tank komplett leer ist. Nichts geht mehr. „Und dann ist schon Feierabend, bevor man angefangen hat“, sagt Gerd Grabowski verärgert.

Unbekannte Täter brechen gesicherte Tanks von Baggern auf – Überwachungskameras werden abmontiert – Hohe Dunkelziffer: Unternehmer erstatten nicht mal mehr Anzeige.

Mehrfach habe es Baugeräte auf seinen Baustellen getroffen. „Etwa vier Mal, insgesamt 1000 Liter Diesel wurden abgesaugt, und immer an der gleichen Baustelle“, so der Firmeninhaber.

Grabowski ist sauer: „Morgens stellen wir fest, dass der Diesel weg ist, dann muss man eine Anzeige machen und den Tankwagen bestellen – das kostet viel Zeit und Geld.“ Grabowski vermutet Profis hinter den Raubzügen. „Die haben Tankdeckel aufgebrochen, die schon extra gesichert sind – die müssen das mit einer Brechstange aufgemacht haben“, glaubt Grabowski. Selbst der Hersteller habe ihm am Telefon versichert, dass die Tankdeckel nicht so einfach aufzubrechen seien. „Wir haben einmal den Schlüssel für einen Tankdeckel verlegt und haben es selbst nicht geschafft, ihn ohne Schlüssel zu öffnen“, erzählt Grabowski.

Für die Kraftstoffdiebe war der gesicherte Tankdeckel aber offenbar kein Hindernis. Am Steinrader Damm schlugen sie mindestens zwei Mal zu. „In zwei Nächten nacheinander“, bestätigt Polizeisprecher Stefan Muhtz. Maschinen würden auf Baustellen sonst gerne an einen Kran gehängt, um zu verhindern, dass Diebe den Tank auspumpen können. Mit Baggern funktioniere das natürlich nicht. „Die Baustelle liegt außerdem abgelegen, über Nacht ist es dort sehr einsam“, so Muhtz. Da Baustellenfahrzeuge wie Bagger sehr große Tanks hätten, könne sich ein Dieselklau „schon einmal lohnen“. Der Tank eines großen Baggers fasst um die 400 Liter.

Im Gewerbe sind die Kraftstoffräuber keine Seltenheit. „Es ist ganz egal, was für Fahrzeuge auf den Baustellen stehen – alle Baugeräte werden leergetankt“, heißt es von einem anderen Lübecker Bauunternehmen, das ungenannt bleiben möchte. Die Tanks würden von unten aufgeschlagen, wenn an den Tankdeckeln Sicherheitsschlösser wären. „Dann fangen die Diebe den Diesel auf, das meiste läuft aber auf den Boden und ist für die Umwelt ein Riesenproblem.“ Um den Schaden am Bagger zu verhindern, lasse man teilweise die Tankdeckel offen. Zum Test habe das Unternehmen einen Monat lang einen Sicherheitsmann die Baustelle nachts bewachen lassen. „In einer Nacht hat er vier Leute festgenommen“, so ein Mitarbeiter des Unternehmens. Auch Überwachungskameras wurden angebracht – die Diebe montierten sie einfach ab. „Es ist am Ende eine einfache Rechnung: Gestohlener Kraftstoff im Wert von 1500 Euro gegen hohe und regelmäßige Reparaturkosten, teure Kameras oder einen Wachmann“, so das Bauunternehmen. Sich bestehlen zu lassen, sei am Ende einfach günstiger.

Im niedersächsischen Echem tappte vor einigen Tagen ein junger Dieseldieb in eine Wildtier-Fotofalle. Während der Mann aus einem Grabenbagger des Wasserverbandes Elbmarsch 50 Liter Diesel abzapfte, machte die Kamera eine ganze Bilderserie von ihm. Den Apparat hatte der Wasserverband absichtlich aufgehängt, an einem anderen Bagger bemerkten Diebe die Kamera und nahmen sie ab.

Ob es sich bei den Lübecker Kraftstoffräubern um Banden oder Profis handelt, kann die Polizei nicht mit Gewissheit sagen. „Fakt ist, dass es einer gewissen Vorbereitung bedarf. Ein Schlauch und ein geeignetes Transportmittel werden benötigt,“ erklärt der Polizeisprecher. In Lübeck seien in diesem Jahr acht Fälle von Spritdiebstahl an Baustellenfahrzeugen bekannt geworden. „Und das ist nicht viel“, so Muhtz.

Tatsächlich scheinen viele Baumaschinenbesitzer aufgegeben zu haben. „Wenn unsere Tanks leer sind, machen wir nicht einmal mehr eine Anzeige – das lohnt sich nicht und macht einfach nur Umstände“, erklärt ein weiterer Bauunternehmer resigniert.

Schutz gegen Dieselklau

Von Dieseldiebstählen oft betroffen sind neben dem Baugewerbe und der Landwirtschaft auch Transportunternehmen.

Die Tanks von Lkw oder Baggern lassen sich mit Überwachungstechnik nachrüsten. Bei einem auffälligen Dieselverlust schickt das System eine SMS an den Fahrer.

Wildtierkameras eignen sich zur Überwachung: Sie laufen nicht mit Netzstrom, sondern mit Batterien, und die Blitze sind für menschliche Augen schlecht bis gar nicht wahrnehmbar.

 Tomma Petersen