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Lübeck Unterricht mit Tablet und Schulbuch
Lokales Lübeck Unterricht mit Tablet und Schulbuch
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17:49 20.10.2018
Im Mathematikunterricht von Lehrerin Bettina Schroeter können Paul (6) und Leonie (7) entscheiden, wann sie mit dem Buch oder dem iPad arbeiten wollen. Quelle: Cosima Künzel
Travemünde/Kiel

Vor der Tür von Schulleiter Michael Cordes (41) ist Kinderstimmengewirr zu hören. Als er auf den Gang hinausschaut, stehen dort Zweitklässler mit iPads in den Händen. „Wir messen, was zehn Zentimeter lang ist“, erklärt ein Siebenjähriger, während die anderen Kinder Maßbänder aus Papier an Türklinken oder Garderobenhaken halten. Zügig dokumentieren sie ihre Ergebnisse anhand von Fotos und gehen zurück in ihre Klasse. Cordes lächelt.

Die Stadtschule Travemünde hat 200 Schüler. Sie gilt landesweit als Vorzeigeschule für digitales Lernen. Von den 797 Schulen in Schleswig-Holstein werden laut Bildungsministerium 130 als Modellschulen im Projekt „Lernen mit digitalen Medien“ gefördert. „Modellschulen bieten für andere Schulen ein Vorbild gelungener Einbindung digitaler Medien und stehen auch für Hospitationen zur Verfügung“, erklärt Pressesprecherin Petra Haars vom Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen in Schleswig-Holstein (IQSH), einer Einrichtung des Bildungsministerium Schleswig-Holstein.

Pädagogen aus ganz Deutschland schauen sich das Konzept an

Der Schulleiter aus Travemünde bestätigt das. „Wir haben jede Woche Kollegen aus ganz Deutschland im Haus“, sagt er. Es gibt eine Warteliste. Cordes hat 2014 angefangen, sich mit der Planung und Umsetzung eines „nachhaltigen und zeitgemäßen Mediennutzungskonzeptes“ zu beschäftigen. „Es gab erste Studien in den USA, in Deutschland noch nichts.“ Seine Idee: Zuerst die Lehrer für die neuen Medien gewinnen, dann weiterschauen. Inzwischen sind die Tablets im Klassenraum nicht mehr wegzudenken.

Die Stadtschule Travemünde ist Modellschule für digitales Lernen. Analoge und digitale Medien werden im Unterricht kombiniert. Quelle: Stadtschule Travemünde

Modellschulen müssen „ein überzeugendes Konzept zum Einsatz digitaler Medien im Unterricht“ erarbeiten, erklärt IQSH-Sprecherin Haars. Dann kann die Projektschule bis zu 20.000 Euro für Ausstattung und Schulentwicklung erhalten. Das Ministerium fördert das Projekt in diesem Jahr mit insgesamt 500.000 Euro. Weitere Modellschulen in Lübeck sind: Paul-Klee-Schule, Heinrich-Mann-Schule, Schule an der Wakenitz, Rangenberg-Schule, Schule Lauerholz, Kahlhorst-Schule, Marien-Schule, Carl-Jacob-Burckhardt-Gymnasium, Katharineum zu Lübeck und Albert-Schweitzer-Schule.

Die Stadtschule Travemünde hat 200 Schülern. Sie ist Modellschule des Landes Schleswig-Holstein. Hospitanten kommen aus ganz Deutschland, inzwischen gibt es an der Grundschule Wartelisten für die Besucher. Quelle: Cosima Künzel

An der Stadtschule Travemünde gibt es inzwischen iPads in allen Klassenräumen. Die finanziellen Mittel dafür hat Schulleiter Cordes aus Wettbewerben, von Stiftungen, von der Hansestadt Lübeck und vom Land. Einfach war das nicht. „Und es wird zunehmend schwieriger“, sagt er. „Aber als Führungskraft muss ich Schulentwicklungsarbeit leisten und visionär denken.“ Sein Plädoyer für die Grundschulen ist, dass Kreativität und Originalität auf einer Stufe stehen mit Lesen, Schreiben, Rechnen. „Die Kinder werden später in Berufen arbeiten, die es heute noch gar nicht gibt“, sagt er. „Darauf müssen wir sie vorbereiten.“

Die Grundschüler haben einen eigenen Account

So wie im Unterricht von Lehrerin Bettina Schroeter. Die 26 Schüler der 1d und 2d werden jahrgangsübergreifend unterrichtet. Während die Zweitklässler mit dem Messen beschäftigt sind, nimmt Leonie (7) ein iPad aus dem abschließbaren Schrank, wo die Geräte auch geladen werden. Die Erstklässlerin scannt den QR-Code, der unter ihrem Namen steht und schaut nach, was sie laut Wochenplan noch erledigen muss.

„Jeder Schüler hat seinen eigenen Account“, erklärt Cordes, „so wird der Lernerfolg personalisiert.“ Gespeichert werden die Daten auf einem schulinternen Server. „Die Kinder gehen nicht ins Internet.“ Die 165 Apps für alle Fächer und Klassen haben die Pädagogen gemeinsam ausgesucht und getestet. Während Leonie Zahlen auf dem Display schreibt, arbeitet Paul (6) im Mathebuch. Leonie steht, Paul sitzt lieber. Alle im Raum arbeiten selbstständig und konzentriert. Cordes betont: „Es ist einfach nicht mehr zeitgemäß, dass alle Schüler das Gleiche lernen zur gleichen Zeit.“

Sicher surfen: Tipps für Eltern

Für die meisten Jugendlichen ist ein Leben ohne Smartphone nicht mehr denkbar. Doch im Internet sind auch Gefahren nur einen Klick entfernt: Gewalt, Pädophilie, Abzocke oder Pornografie. Die Polizei gibt hier Tipps für Eltern im Umgang mit dem Internet. Doch hilfreiche Filterprogramme zum Schutz vor jugendgefährdenden Inhalten oder gute Kinderseiten müssen Eltern selber recherchieren und ausprobieren. Hilfreich ist das Magazin für Medienerziehung „Scout“. Die Macher möchten Eltern von Kindern und Jugendlichen im Alter von drei bis 14 Jahren dabei unterstützen, „ihre Verantwortung bei der Medienerziehung wahrzunehmen“. Auf diesen Seiten gibt es Rat und Service, Interviews und vieles mehr.

Landesschülersprecherin Christin Godt (16) begrüßt das Projekt „Lernen mit digitalen Medien“, fordert aber weiterreichende Lösungen. „Modellschulen können ein Vorbild sein“, sagt die Schülerin des Helene-Lange-Gymnasium in Rendsburg, „aber wir fordern Bildungsgerechtigkeit, keine Insellösungen.“ Zuletzt hätten Mitglieder des Landesschülerparlaments der Gymnasien rund 30 Schulen im Land zur digitalen Zukunft befragt, sagt die Sprecherin. „Die Rückmeldungen reichten von traurig über düster bis katastrophal.“ Mit Blick auf finanzielle Mitteln, Lehrerfortbildungen, stabiles W-Lan und Datenschutz, dürften die Schulträger nicht alleine gelassen werden. „Wir brauchen eine bundesweite Lösung“, fordert Godt.

Digitales Lernen: So nutzen wir Internet & Co.

Zurück im Lehrerzimmer schildert Cordes anhand von weltweiten Studien, wie sich analoge und digitale Medien sinnvoll ergänzen können. Er hat darüber ein Buch geschrieben, das im November erscheint. Seine Schule habe deutschlandweit zwar Vorbildcharakter, sagt Cordes. „Aber wir sind nicht super. Weltweit halten wir vielleicht gerade mal so Schritt.“

Cosima Künzel

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